Morgen sind es genau fünf Wochen her, als gegen Mittag ein verheerender Brand zwei Dachstühle in der Münnerstädter Riemenschneiderstraße in Schutt und Asche gelegt hat. Durch das Löschwasser sind auch die Wohnungen und Geschäftsräume in den unter Etagen in Mitleidenschaft gezogen worden. Doch ganz allmählich kehrt die Normalität zurück. Zumindest bei den gewerblichen Mietern.

Notdach installiert


Besitzer Günter Schaub ist zur körperlichen Untätigkeit verbannt. Wegen einer Fußverletzung kann er die Baustelle gar nicht besuchen. Aber dort könnte er momentan ohnehin nicht viel ausrichten. "Das Notdach ist erst einmal drauf", sagt er. Auf dieses hatte die Versicherung bestanden. Günter Schaub hätte es lieber gesehen, wenn gleich ein richtiges Dach drauf gekommen wäre, "aber ich habe mich überzeugen lassen." Was Günter Schaub nicht gefällt: Das Notdach muss auch wieder runter und ein richtiges drauf. Das wird wohl auch wieder nur mit einem Kran gehen, was eine erneute Straßensperrung zur Folge hätte. Aber wann das geschehen wird, ist völlig unklar.
Derzeit laufen die Planungen für den Wiederaufbau. Das ist gar nicht so einfach. "Die Statik muss neu berechnet werden", sagt der Besitzer. Seit er die Häuser in den 1980er Jahren hat bauen lassen, hat sich viel verändert. Es gibt neue Bestimmungen zur Isolierung, wodurch die Wände dicker werden, auch müssen andere Fenster eingebaut werden.
Die Mietverträge für die Wohnungen sind alle gekündigt. Besonders schwer hat es die Böden erwischt, weiß Günter Schaub. Es wird eine Weile vergehen, bis die Räume wieder bewohnbar sind. Bis auf eine Wohnung sind alle von den ehemaligen Mietern ausgeräumt worden. In der obersten Etage ist ohnehin nichts übrig geblieben. Günter Schaub schätzt, dass mindestens noch ein halbes Jahr vergeht, bis alles wieder in Ordnung ist.
Die Geschichte des Brandes ist auch eine Geschichte der Hilfe. Schon am Brandtag hatten sich Helfer um die Betroffenen gekümmert. Für alle wurde eine vorübergehende Bleibe gefunden. Dr. Wolfgang Kothe praktizierte zwei Wochen lang im Rathaus und ist inzwischen in seine Räume in einem der betroffenen Häuser zurückgekehrt.
Seit gestern ist auch das Sonnenstudio wieder geöffnet. Inhaberin Helga George erzählt ihre Geschichte. Kurz nach dem Brand war sie dazu gar nicht in der Lage gewesen.
Nach Ausbruch des Feuers war sie noch eineinhalb Stunden in den Räumen geblieben. "Ich habe gegen das eindringende Wasser gekämpft. Nur leider hat das nicht viel gebracht." Sie sah ihre Existenz regelrecht absaufen. Dann hat sie die Sicherungen ausgeschaltet und die Räume verlassen. "Die Helfer haben sich anschließend sehr gut um mich gekümmert."
Den erheblichen Sachschaden an den Geräten hat Helga George ersetzt bekommen. Dafür hatte sie eine Versicherung. Auf dem Verdienstausfall ist sie aber sitzen geblieben. "So eine Versicherung kann man gar nicht bezahlen."
Nun hat sie also die Sicherungen wieder eingeschaltet. Nur ein Gerät fehlt ihr noch, was sie wegen des Gerüstes vor dem Eingang nicht rein bekommt. Das Problem wird sich aber klären lassen. Und so geht es also auch im Sonnenstudio wieder weiter. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis alle Wunden des Großbrandes endgültig verheilt sind.