Zum Anbeißen sieht das frische Gemüse im Korb aus. Das dachte sich Luca wohl auch. Er reißt ein Blatt Salat ab und beißt genüsslich hinein. Danach hilft er seiner Mama den Inhalt des Gemüsekorbs in die mitgebrachte Tasche zu packen. Und schon gehts mit seinen Kumpels Will und Theo weiter: Hühner füttern! Der Hof rund um Franzis Bauernladen ist ein echtes Erlebnis. Seit Juli hat Jacqueline Kaprol ihren Gemüsekorb abonniert, nachdem sie ein Nachbar darauf gebracht hat. "Ich will Regionales unterstützen und es schmeckt immer lecker". Und man lernt dabei. Einmal sei Spitzkohl im Korb gewesen. Das hatte sie noch nie gemacht. Aber es war so lecker, "dass wir das jetzt richtig oft machen", erzählt sie während sie die kleinen Holzkisten leert, die Menschen mit Behinderung des Dominik-Ring-Eisen-Werks Maria Bildhausen eigens für die Initiative "So schmeckt die Rhön" gebaut haben.

Entstanden ist das Projekt eigentlich aus der Not heraus. Der Grüne Markt in Burkardroth hat geschlossen und so haben sich Mütter, die weiterhin frisches Gemüse in Bio-Qualität wollten, an Edgar Thomas (Nüdlingen) gewendet. Der Landwirt und BBV-Kreisobmann hat sich also auf die Suche nach einem Gemüsebauern in der Region gemacht und ihn in Sebastian Tietze vom Naturlandhof Sennfeld gefunden. "Ich hatte also auf der einen Seite die Mütter, die wollten, und auf der anderen Seite den Biobauern, der das Gemüse hatte, aber nicht liefern konnte", erinnert sich Edgar Thomas. Ins Blaue rein habe er damals gesagt, das sei kein Problem, schließlich "bin ich ja Standesbeamter und bringe Leute zusammen", erklärt der 2. Bürgermeister schmunzelnd.

Initiative "So schmeckt die Rhön"

Er gründete einen kleinen Arbeitskreis, in dem auch die Allianzmanagerin vom Kissinger Bogen Mitglied war, und schrieb seine alte Schmierstoff-Firma in einen Gemüsehandel um, über den die Abrechnung erfolgen konnte. So wurde die Initiative "So schmeckt die Rhön" gegründet. Nach einem Probierabo von September bis Dezember 2018, das vielerorts gefragt war, wurden Mitte März 2019 die ersten Gemüsekörbe in Oberthulba, Thulba und Bad Bocklet ausgeliefert, in der folgenden Woche waren Burkardroth und Nüdlingen an der Reihe. Im Januar und Februar ist stets Pause, denn dann wird regional nichts angebaut.

"Wir haben Holzkisten anfertigen lassen, weil wir kein Plastik und möglichst wenig Müll erzeugen wollten, ein Kühlauto angeschafft und anfangs das Gemüse noch direkt zu den Leuten gebracht", erzählt Thomas. Das habe ihm zwar sehr viel Spaß gemacht, sei aber "logistisch ein Wahnsinn" und ein enormer Zeitaufwand gewesen. Deshalb gibt es inzwischen sieben Abholstationen, wo die Abonnenten ihre Gemüsekörbe ab Freitagnachmittag abholen können.

Regionale Produkte bündeln

Einer davon ist der Bauernladen Projekt Direkt von Franziska Thomas, der Tochter von Edgar Thomas. Sie bietet eigene Produkte wie Eier, Nudeln, Hanföl, Müsli und Amaranth an, wollte in ihrem Laden aber möglichst viele heimische Produkte bündeln. Und so findet man dort vieles von Selbstvermarktern aus der Region. Im Laden fragen Kunden immer wieder nach frischem Gemüse, das sie aber bei zwei Öffnungstagen selbst nicht anbieten kann. Das Gemüsekorb-Abo ist eine gute Alternative. Mit Corona stieg die Nachfrage an, inzwischen haben 140 Haushalte in den Allianzgemeinden Kissinger Bogen ein Gemüsekorb-Abo. "Maximal 200 könnten wir schaffen", macht Edgar Thomas deutlich, dass Kapazität vorhanden ist.

Seine Tochter hat ihn zum Umdenken gebracht. "Höher, schneller, weiter ist vorbei", sagt er. Das habe lange funktioniert, aber jetzt müsse es heißen: "Grüner (ökologisch), breiter (aufstellen), länger (die Produkte in den Händen halten, nicht nur abliefern)". Erst wenn dieses Umdenken erfolgt, erhalten die Produkte wieder mehr Wertschätzung, ist er überzeugt.

Den Prozess des Umdenkens hat Corona vorangetrieben. "Die Leute fragen wieder mehr nach, woher kommt das?", merkt Thomas. Es sei eben etwas anderes, wenn man zum Beispiel im Sinnbergcafé einen Nüdlinger Burger isst, als wenn man ihn im Supermarkt kauft. "Da weiß man, dass das Fleisch von Walley stammt", eines der 90 schottischen Hochlandrinder, die Edgar Thomas in der Naturweide Saale/Rhön GbR zusammen mit "Kuhversteher" Florian Memmel züchtet und die in und um Nüdlingen auf den Weiden stehen.

Essensangebot wird vielfältiger

Regional und nachhaltig einkaufen ist sowohl bei Privatleuten als auch in der Gastronomie angesagt. Das bringt nicht nur guten Geschmack und Frische, sondern auch Vielfalt in die Küche, weiß auch Stephanie Kunder von der Allianz Kissinger Bogen. Sie kümmert sich um die Website und die Werbung für das Projekt und sie bezieht für ihre Familie auch selbst einen Gemüsekorb. "Unser Essen hat sich total verändert, das Kochen hat sich verändert", erzählt sie. Man schaut was im Korb ist, sucht ein passendes Rezept und kauft dann die übrigen Zutaten ein. "So probiert man viel Neues aus, man wird einfallsreicher und es macht einen riesen Spaß", schwärmt sie. Vieles habe sie vorher nie gemacht und "es schmeckt immer superlecker". Zum Beispiel habe sie jungen Spinat übrig gehabt und den mit Schafskäse auf Pizza gelegt, "das ist jetzt meine Lieblingspizza".

Ihre Begeisterung teilt Kunder auch online. Wer nicht weiter weiß, erhält Informationen über verschiedene Gemüsesorten, von der Roten Beete bis zur Petersilienwurzel, aber auch jede Menge Rezeptideen zum Beispiel für saftigen Kürbiskuchen, Quinoa-Puffer, Brokkoli-Aufstrich und Wirsing-Wraps auf der Website der Initiative www.soschmecktdierhoen.de oder auf ihrer Facebook-Seite. Dort ist bald auch ein Video vom Anbau des Gemüses in Sennfeld zu finden.

Information

Das Abo: Alle 14 Tage wird der Bio-Gemüsekorb freitags ab 15 Uhr an folgende Abholorte geliefert: Oberthulba (Egid Gärtner, Blumen- & Kranzbinderei), Burkardroth (Silvia Metz, Wollbach), Bad Bocklet (Bockleter Lädle), Thulba (Metzgerei Weigand), Gefäll (Kathrin Wehner), Lauter (Gärtnerei Hartmann) und Nüdlingen (Dorfladen Projekt Direkt, Franziska Thomas).

Das Angebot: Es gibt einen kleinen Gemüsekorb für ein bis zwei Personen und einen großen für drei bis vier Personen. Der Inhalt stammt vom Naturlandhof Tietze in Sennfeld und ist abhängig von Saison, Witterung und Region. Zusätzlich können Zwiebeln (Naturland Tietze), Kartoffeln (Hof Hümpfer in Großenbrach) und Äpfel (Schmitt's Obstgarten Reichenbach) dazu gebucht werden.

Kontakt: Tel. 0160/ 5502081, email: bestellung@soschmecktdierhoen.de; bei Fragen ist das Projektteam erreichbar unter Tel.: 0160/ 550281 (Silvia Metz), 0151/ 12922412 (Margot Schottdorf), 0971/69584 (Edgar Thomas) und 09701/ 9079854 (Kathrin Wehner).

Zugabe: Für jedes Bio-Gemüsekorb-Abo wird ein Quadratmeter Blühfläche angelegt für mehr Arten- und Insektenvielfalt im Projekt "Grüngitter".