Hektik kennt Otmar Diez kaum noch, seitdem er sich der Arbeit im Beet angenommen hat. Vor etwa 30 Jahren entschied sich der Sulzthaler dafür, mit der Natur zu leben. Er gründete eine Naturschule, lehrt Pilz- und Kräuterarten, verfasste ein Buch. Das kam bei den Gartenfreunden an - es wurde in mehreren Sprachen übersetzt. Mittlerweile hat er nachgelegt. Sein neues Buch "Was mache ich wann im Gemüsegarten" ist auf der Spiegel-Bestsellerliste. Darin liefert er einiges an Insider-Wissen, was zur Nachahmung anregt.

Klosterwissen trifft auf Try-and-Error

"Ich hatte die Idee, mein gesammeltes Wissen einzubringen." Eigentlich hatte er mit dem Gärtnern vorher wenig am Hut - Diez arbeitete bei der Telekom. "Ich habe mir alles autodidaktisch beigebracht und Fortbildungen besucht." Auch altes Wissen aus dem Kloster floss in sein Buch ein. Den Bestseller-Rang erklärt er sich auch durch den Boom beim Gärtnern. "Viele Leute brauchen einen Ausgleich zu ihrem Beruf." Er meint: "Gärtnern war Alltag für unsere Vorfahren, davon sind wir abgekommen." Dass die Arbeit im Beet boomt, davon ist Erich Morgenstern, Vorstandsmitglied der Solidarischen Landwirtschaft Schweinfurt (SoLaWi), überzeugt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Gärtnern mit einer Gruppe privater Haushalte. "Die Leute haben Interesse und kommen auch zu uns, um zu erfahren, wie sie Gemüse richtig anbauen." Der Wermutstropfen: "Die Mehrheitsgesellschaft erreichen wir nicht."

Das braucht es im Beet

Diez Bilanz nach 30 Jahren Gartenarbeit: "Man braucht nicht viel Ausrüstung und Platz." Diez meint: "Anstatt zu sagen, ich habe keinen Platz und kann das nicht, sollte man sich zunächst fragen, wie viel Platz man hat und was dort möglich ist." Und was kann man überhaupt in der Stadt tun, wenn kein Garten in der Nähe ist? Für den französischen Balkon empfiehlt er, einen Sack Pflanzenerde auf einem Brett zu deponieren. "Den Sack schneidet man an der Oberseite auf. Mit einer cleveren Bepflanzung - Kräuter oder Salate - hat man das ganze Jahr etwas darin." Von seinen Vorträgen weiß er von der Sehnsucht nach dem eigenen Garten.

Sein Tipp für den ersten Garten: "Klein anfangen, ist die Devise. Vielen fehlt irgendwann die Zeit. Dann kommt das Lamentieren über die Arbeit und was eigentlich mit der Ernte geschehen soll. Als Folge geht die Lust schnell verloren." Diez empfiehlt mit einem oder zwei Beeten mit fünf auf sechs Metern anzufangen.

Otmar Diez: So funktionieren seine Beete

Dabei setzt er auf Rahmenbeete. Gebaut werden die auch in den Werkstätten in Maria Bildhausen. Der Deckel ist ein klappbares Konstrukt aus wetterbeständigem Holz und Plexiglas. "Durch den Treibhauseffekt lässt sich dann eigentlich das ganze Jahr gärtnern."

Ortstermin: In den Beeten ist kein Unkraut. "Ich zerkleinere eigentlich ziemlich alle Gartenabfälle außer Wurzeln mit dem Rasenmäher." Anschließend kommt die Mulchschicht ins Beet. "Sogar mit Löwenzahn funktioniert das. Blätter und Stiele lassen sich mulchen." Anders sieht das bei den Samen aus. "Alles, was zur Verbreitung von Unkraut beiträgt, wird nicht gemulcht." Der Vorteil: "Anfliegende Samen bekommen keinen Bodenkontakt und können nicht aufgehen." Im Lauf der Zeit verrottet die Mulchschicht und wird zu Humus - ein Grund, weshalb Diez seine Beete nicht umgraben muss.

Das soll ins Beet

Aber: Was gehört eigentlich ins Beet? "Ich habe mittlerweile ein Netzwerk an Biobauern, bei denen ich beispielsweise Kartoffeln kaufe. In die Beete kommen bei mir Salate oder beispielsweise Gurken." Mit seiner Arbeit kann er wegen der Spezial-Beete bereits im März beginnen. Dann sät Diez seine Frühbeete an. "Im April sind dann schon die ersten Salate und Radieschen da." Wie geht er mit der Ernte um? "Ich dörre sehr viel - etwa Tomaten." Dafür braucht es entweder einen Dörrautomaten oder aber den Ofen. Für das Lagern hat er sich ebenfalls etwas einfallen lassen. "Ich vergrabe eine Waschmaschinentrommel. Darin schichte ich Sand und Karotten, oben drauf kommt dann Stroh." Der Gewölbekeller-Effekt: Das Gemüse verdirbt nicht. "Die Trommel lässt sich auch durch ein Steingutgefäß ersetzen, wenn man keinen Platz zum vergraben hat." Im Herbst bereitet er die Beete für den Winter vor und bringt Feldsalate oder Endivien-Salat aus. All das findet sich Step-by-Step in seinem Buch, das im Kosmos-Verlag erschienen ist.