Mit rund 7,6 Millionen Euro wird der Bezirk Unterfranken in diesem Jahr Kultur und Kulturschaffende fördern. Insgesamt sieht der Haushalt der Unterfränkischen Kulturstiftung, den der Kulturausschuss am Dienstag einstimmig dem Bezirkstag zur Annahme empfohlen hat, Zweckausgaben in Höhe von fast 6,7 Millionen Euro vor.

Rund 550 000 Euro fließen als so genannte Werterhaltungsrücklage in das Stiftungsvermögen. Trotz der schwierigen Lage auf den internationalen Anlagemärkten wird der Bezirk damit auch in diesem Jahr der mit Abstand größte Kulturförderer in der Region sein. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel verwies in diesem Zusammenhang auf die besonderen Aspekte der Unterfränkischen Kulturstiftung. Die derzeitige Verzinsung des angelegten Grundstockvermögens von knapp 210 Millionen Euro werde aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren nicht mehr zu erlösen sein. Zudem schmälere die momentane Inflationsrate von über fünf Prozent den Wert des eingesetzten Kapitals. Dotzel ließ aber keinen Zweifel daran, dass die Kulturförderung eine entscheidende Aufgabe des Bezirks bleibe. Gerade in der Corona-Pandemie habe sich der Bezirk als verlässlicher Partner der Kultur-Szene gezeigt.

Großes Lob von Seiten der Bezirksrätinnen und Bezirksräte erntete Kämmerer Andreas Polst für seine bisherige Anlagestrategie. Die in 2021 erwirtschaftete Rendite von über 2,6 Prozent liege weit über dem derzeitigen Zinsniveau. Unmittelbar nach Beginn der Finanzkrise habe man in einlagengesicherte festverzinsliche Wertpapiere mit längeren Laufzeiten investiert, so Polst. Allerdings müsse man mit sinkenden Erträgen rechnen, weil mehrere hoch verzinster Wertpapiere auslaufen, schränkte der Kämmerer ein.

Mit Blick auf die Lage an den Kapitalmärkten warnte Stefan Funk (CSU) vor "Denkverboten, was künftige Anlagestrategien" angehe. Er plädierte dafür, das Thema in der Strukturkommission zu beraten: "Wir müssen zudem sehen, dass wir dank der Kulturstiftung die Umlagezahler bisher geschont haben", sagte er. Auch Bärbel Imhof (Bündnis 90/Die Grünen) forderte eine entsprechende Diskussion in der Strukturkommission. Sie sah zwar den "Kulturhaushalt 2022 gut aufgestellt", sprach aber auch vom "Sorgenkind sinkende Kapitalerträge".

Tamara Bischof (Freie Wähler) lobte das hohe kulturelle Niveau, das der Bezirk mit seiner Förderung in den zurückliegenden 20 Jahren geschaffen habe und "das es sonst so nicht geben hätte". Der Bezirk wolle die Kultur auch weiterhin fördern, dafür bedürfe es aber großer Anstrengungen, sagte Bischof.

"Wir wissen, was auf uns zukommt", sagte Marion Schäfer-Blake (SPD), "und wir wissen, dass wir Entscheidungen treffen müssen." Sie forderte in diesem Zusammenhang auch den "Mut, einmal nein zu sagen." Es werde lange Diskussionen geben, "aber das sind wir den Wählern und unseren Nachfolgern im Bezirkstag schuldig."

Zu den herausragenden Zweckausgaben der Kulturstiftung zählt unter anderen Schloss Aschach, für dessen Unterhalt rund 1,2 Millionen Euro eingeplant sind, und das Fränkische Freilandmuseum Fladungen, das mit knapp 1,2 Millionen gefördert wird. Als bemerkenswert bezeichnete es Andreas Polst, dass 2022 trotz der schwierigen Lage die Zweckausgaben um über 175 000 Euro stiegen.

Dass sich aber auch mit kleinen Beträgen viel erreichen lasse, bewiesen die Ausgaben im Rahmen der freiwilligen Leistungen. In diesem Zusammenhang kann sich etwa das Theater Schloss Maßbach über eine kräftige Finanzspritze zum Spielbetrieb der Fränkischen Landesbühne ebenso freuen wie der Nordbayerische Musikbund, der unter anderem 3000 Euro für das Bezirksjugendblasorchester und 1500 Euro für das unterfränkische Seniorenblasorchester erhält. Mit 230 000 Euro greift der Bezirk dem Archäologischen Spessart-Projekt unter die Arme. Hier lobte Bezirksheimatpfleger Prof. Klaus Reder die "nachhaltigen und in ganz Unterfranken vernetzten Projekte wie zum Beispiel Kulturwege, Grabungen und Fortbildungsveranstaltungen".

Das letzte Wort hat jetzt der Bezirkstag von Unterfranken, der in seiner Sitzung am 15. Februar über den Haushalt der Unterfränkischen Kulturstiftung endgültig abstimmen wird.