"Nicht karnevalistische Hochburg mit Helau und Alaaf sollte das dicht besetzte Turnerheim sein, sondern humorvolle Stätte traditioneller Mürschter Nägelsiederei, ein Vorhaben, das sicher voll gelungen ist. Die Begeisterung und der Beifall bestätigten es deutlich." So stand es nach dem ersten Kolpingfasching im Jahr 1972 in der Zeitung geschrieben. 50 Jahre lang hat der Elferrat der Kolpingsfamilie Münnerstadt für gute Laune gesorgt. Anlässlich dieses Jubiläums wird es voraussichtlich am Samstag, 15. Januar, eine kleine Feierstunde geben, bei der Vertreter des Fastnachtsverbandes Franken erwartet werden. Die Veranstaltung wird sich nach den dann geltenden Corona-Regeln richten. Genaueres wird noch bekanntgegeben.

Die St.-Georgspfadfinder hatten 1965 im Bären-Saal mit den Faschingssitzungen begonnen, in den Jahren darauf organisierte die Katholische Jugend mit Toni Hiller und Bruno Eckert an der Spitze die Veranstaltungen. 1972 übernahm erstmals die Kolpingsfamilie das Ruder, den Elferrat bildeten - passend zur Gebietsreform - elf junge Männer mit Tafeln der einzelnen Stadtteile. Diese Premiere moderierte Winfried Hanshans, ein Jahr später kam Franz Beck dazu. 1973 bildeten noch einmal die Jugendlichen als Mondkälber verkleidet den Elferrat, ein Jahr später sollten es auf Wunsch von Präsident Franz Beck "gestandene Männer" sein.

Viele Jahre im Jugendhaus

Vom Turnerheim zogen die Narren ins Jugendhaus am Dicken Turm, wo sich Darsteller und Publikum über Jahrzehnte wohl fühlten. Nach dessen Schließung begann die Herbergssuche, die Alte Aula dürfen die Narren wegen der Stuckdecke nicht nutzen, sie kehrten zwischenzeitlich ins Jugendhaus zurück. Im letzten Jahr fiel der Fasching wegen Corona komplett ins Wasser. Und heuer? "Noch ist er nicht abgesagt, aber es ist eher unwahrscheinlich", sagt Wilhelm Schmitt, Sprecher des Elferrates der Kolpingsfamilie.

So eine Veranstaltung braucht viel Vorbereitung, sagt er. Und da gehen die Probleme schon los. Bei der Sternchen- und Juniorengarde habe es sogar Wartelisten gegeben. Aber wegen Corona war ein normaler Probebetrieb kaum möglich. "Proben machen nur Sinn, wenn möglichst alle kommen", sagt Wilhelm Schmitt. Weil das nicht mehr der Fall war, wurden die Proben eingestellt. Nur die Elferratsgarde trainiert weiter.

Dazu kommt der Veranstaltungsort. "Dank der Vermittlung von Bürgermeister Michael Kastl können wir in die Montessori-Schule." Dafür sind die Narren dankbar, aber das bedeutet auch, dass das ganze Bühnenbild, die ganze Ausstattung neu gestaltet werden müssen. So wird es wohl nur die Jubiläumsfeier mit Ehrungen im kleinen Rahmen geben.

Gerne erinnert sich Wilhelm Schmitt an die letzten Jahrzehnte zurück. Er selbst nahm eine besondere Rolle beim Kolpingfasching ein. Nachdem die Kolpingsfamilie 1972 den Fasching übernommen hatte, fehlte dem Sitzungspräsidenten als Zeichen seiner Würde ein entsprechendes Zepter. Die Insignien der närrischen Regentschaft aus den 1950er Jahren waren spurlos verschwunden.

Für den Münnerstädter Zahnarzt Werner Schubert und seine Frau Katharina (1953 das letzte Prinzenpaar in Münnerstadt) war dieser Zustand wenig zufriedenstellend. So beauftragte er 1988 den Hobbykünstler Wolfgang Bayer, eine fastnachtliche Figur zu gestalten. Im Januar 1989 erfolgte die Übergabe der Figur, die ein Jahr später farblich gefasst wurde. Die Figur ist angelehnt an die Legende der "Mürschter Nägelsieder". Sie ist inzwischen zum Symbol des Münnerstädter Faschings geworden.

Beim Wahlkampf 1990 entstand die Idee, die geschnitzte Figur lebendig werden zu lassen und ihr eine Stimme zu verleihen. Genannt wurde das Ganze "Mürschter Nagel mit dem Kopf". Wilhelm Schmitt übernahm diesen Part und stand am 3. Februar 1990 erstmals in der Bütt. Die Gestalt und der Vortrag kamen gut an, erinnert er sich. Vier Jahre später wurde der "Nagel mit Kopf" Sessionorden. Mit den Jahren ist die Büttenrede des "Mürschter Nagels mit Kopf" zum festen Bestandteil des Sitzungsprogramms geworden.

Nicht ganz so rosig fällt der Blick nach vorn aus. "Die Zukunft ist mit einigen Fragezeichen versehen", sagt Wilhelm Schmitt. Es sei eine neue Ausrichtung nötig, auch personell. "Wir sind alle älter geworden." Für eine Neukonzeption sollen vor allem auch jüngere Leute angesprochen werden. "Wir sind offen für jeden, der mitmachen will."

Faschingsveranstaltungen werden heuer wohl nicht stattfinden können, so ganz ausfallen soll die Jubiläums-Session aber nicht. Aus Kostengründen verzichten die Elferräte auf einen Orden, sie haben aber eine Anstecknadel in Form des Nagels mit dem Kopf kreiert, die auf die 50 Jahre Kolpingfasching verweist. Und dann soll es ja noch die kleine Jubiläumsfeier geben.