5 aus 49 - was sich anhört, wie eine neue Lotterie, ist die Erfolgsquote des diesjährigen Abitur-Jahrgangs beim Elite-Netzwerk Bayern. Gleich fünf Schüler legten ihre Prüfungen mit einem Noten-Durchschnitt von 1,2 oder besser ab und erfüllten auch die weiteren Voraussetzungen für eine besondere Prüfung beim Ministerialbeauftragten in Würzburg.
"Das waren fünf Mal zwölf Minuten Prüfung, verteilt auf einen ganzen Tag", berichtet Maximilian Seidl, der zusammen mit Vera Bub, Elena Hahn, Anne Heublein und Bianca May in Würzburg war.

Prüfungen nach dem Abi

Dass ein Quintett vom kleinen Bad Brückenauer Gymnasium eine Besonderheit ist, merkten die Fünf erst, als sie in Würzburg auf viele erstaunte Gesichter stießen. "Das hatten wir noch nie, dass so viele zugelassen wurden", freut sich auch Oberstufenkoordinator Dirk Hönerlage. Und: "Das sind die Botschafter unserer Schule, darauf sind wir heuer besonders stolz."
Nachdem das Abi geschafft war, hieß es für die Fünf also nochmal Prüfungen. Deutsch, Mathe, ein naturwissenschaftliches Fach, eine Fremdsprache und Geschichte standen standardmäßig auf dem Plan. "Ein Fach konnte man durch ein Abi-tur-Prüfungsfach ersetzen", sagt Maximilian Seidl. Ergebnisse gibt es bislang noch keine. Wenn es gut läuft, winkt eine Aufnahme in das Max-Weber-Programm. Aber: Nur 400 Abi-turienten bayernweit bekommen die Stipendien und die Unterstützung beim Studium.
Für Maximilian Seidl käme das gerade recht, denn: "Ich will auf jeden Fall studieren", geht er ohne Umwege den Weg an die Uni. In der elften Klasse hat er bereits ein Semester Romanistik in Würzburg parallel zur Schule studiert. Auch zum Schüleraustausch war der Zeitlofser bereits in Frankreich.

Noch nicht festgelegt

Trotzdem hat er sich noch nicht festgelegt: "Das weiß ich noch nicht", lässt er sich noch Zeit mit der Wahl des Studiengangs. Schließlich hat er viele Talente: Auch Naturwissenschaften liegen ihm, sonst hätte er es nicht zum 1,1-Abitur geschafft. Zudem spielt er seit der 10. Klasse in der Theatergruppe des Gymnasiums mit und bläst in der Schul-Big Band und dem Zeitlofser Musikverein in die Trompete. Aber jetzt steht erst einmal Entspannung an: Mit einigen Mitschülern geht's demnächst ab nach Kroatien. Ganz anders dagegen die Jahrgangsbeste Vera Bub: Sie macht sich am Sonntag auf zum Freiwilligen Sozialen Jahr nach Irland.

Stolz und frei nach vorne blicken

"Die Schule erhobenen Hauptes verlassen" können laut Schulleiter Stefan Bub die 49 Bad Brückenauer Abiturienten. Bub spannte den Bogen vom Stehen als "Ausdruck des Respekts vor der Leistung" zum aufrechten Gehen und dem damit verbunden Blick nach oben. Wer diese innere Freiheit genießen könne, solle Rückgrat zeigen und sich mit seinen Stärken für seine Umwelt einsetzen.
Bub fand auch mahnende Worte und riet den Gymnasiasten zum Eingestehen eigener Fehler und zur Nachsicht gegenüber anderen. Ein Gefühl für die Selbstachtung sei verbunden mit einer "besseren Miteinanderschaft - eines unserer Bildungsziele", sagte der Schulleiter. Bub entließ die 49 Schülerinnen und Schüler mit Zuversicht. Sie könnten "stolz und frei nach vorne blicken."
Studiendirektor Oswald Türbl ließ die voll besetzte Aula des Franz-Miltenberger-Gymnasiums Statistisches wissen, das gerade in diesem zahlenmäßig stärksten Jahrgang in der Geschichte der Brückenauer Schule interessierte. 22 der 49 Abiturienten hatten eine Abschlussnote besser als 2,0. Der Notendurchschnitt am Franz-Miltenberger-Gymnasium war 2,14, der Bayerndurchschnitt 2,3. Mit Buchpreisen würdigte Türbl viele Abiturienten, die sich durch besonders gute Noten, musikalische Leistungen, darstellende Leistungen in der Theater-AG sowie Einsatz in der Schülermitverwaltung oder als Schulsanitäter hervorgetan hatten.
Lutz Freiherr von Thüngen, stellvertretender Landrat des Landkreises Bad Kissingen, zeigte sich "tief beeindruckt." Glückwünsche zu überbringen, sei sein "größtes Anliegen." Den Abiturienten zollte er Respekt, den Eltern und Lehrkräften sagte er Dank. Dem Abi-Motto "Der Adel dankt ab" konnte sich der Baron nicht anschließen, gerne griff er aber das Stichwort Selbstfindung als erstrebens- und wünschenswert auf.
Weil sich Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks den Vorrednern nicht einfach nur anschließen wollte, sprach sie mit "Bauchgefühl". Manche der Schüler kenne sie von klein auf, "das berührt einen." Mit Blick auf die sinkenden Ärztezahlen auf dem Land plädierte sie dafür, Medizin zu studieren: "Denkt an Eure Heimat. Keine Großstadt kann Euch das bieten, was ihr hier findet."
Tim Kohlhepp, Vorsitzender des Elternbeirates, fand gemäß dem Zitat "Einfach reden, aber kompliziert denken" einfache Worte nach den schwierigen Abiturprüfungen: "Für Sie steht die ganze Welt offen", sagte er und wünschte den Abiturienten Glück und Gesundheit.
Stefan Richter, Vorsitzender des Schulvereins, sprach die hohe Qualität des Abschlusses an. Er legte den Abiturienten ans Herz: "Gebt ein bisschen davon zurück, damit euer Gymnasium wettbewerbsfähig bleibt."
Das letzte Wort an diesem Abend gehörte den ehemaligen Schülern, vertreten durch Fabian Kleinhenz und Leopold Richter. Den Rückblick auf "zwölf Jahre des Schweißes, der Arbeit und der Angst" titulierten sie als den "seriösen Höhepunkt des Abends." Lernen, Erkenntnisse und "kreative Abwesenheits-Gründe" kamen zur Sprache und das Fazit: "Nach all dem Trubel stehen wir jetzt hier und sagen ,Danke‘." Und - in Anlehnung an so manches Referat: "Wenn jetzt keine Fragen mehr sind, war's das jetzt."