Wenn Steffen H. durch seine Heimatstadt läuft, schert sich kaum jemand um den 25-Jährigen, im Internet dagegen ist er ein Star, und auf der Gamescom, der größten Spielemesse der Welt, in Köln reißen sich Fans um seine Autogramm-Karten. Im Schnitt 40.000 Mal am Tag wird eines seiner mehr als 800 Videos im Internet aufgerufen, demnächst knackt er die 13-Millionen-Klicks-Grenze. Was als Spielerei begann, beschert Steffen H. mittlerweile ein stabiles Einkommen, von dem er halbwegs leben kann. Auf Dauer ist diese YouTube-Karriere aber nicht angelegt: "Die Schule ist jetzt das Wichtigste", betont er, dass die virtuelle Welt nicht alles ist.



Der Weg zum Klein-Unternehmer als Spieleerklärer im Internet war lang: Erste Erfahrungen mit YouTube sammelte er, weil seine damalige Freundin sich Schmink-Tipps aus dem Netz holte. "YouTube ist für viele mittlerweile die Alternative zum Fernseher", berichtet Steffen H.. Vorteil: "Die User können das Programm mitbestimmen." Zudem holen sich viele Anregungen für Spiele oder schauen einfach anderen zu, wie sie reaktionsschnell durch irgendwelche Welten laufen und mit anderen kämpfen.

Er selbst stellte vor einigen Jahren erste Clips ein. Am Anfang habe er sich über zehn Klicks gefreut. Regelmäßig erklärte er anderen vor allem das Computerspiel "Minecraft". Darin werden in einer Art virtuellem Lego-Baukasten ganze Welten gebaut. "Früher hatten die Leute eine Eisenbahn im Keller, heute modellieren sie eben solche Welten", erzählt der 25-Jährige. Und: "Das ist nicht nur ein reines Ermorden von Pixelhaufen", handle es sich um kein klassisches Baller-Spiel.

"Ab einem gewissen Punkt ist das zum Selbstläufer geworden", sagt H. über den Aufstieg in YouTube. 2011 gründete er den Kanal "D4LMinecraft", wobei D4L für "Down for Life" steht. Erst nach und nach fand er heraus, dass die Google-Tochter YouTube einen Teil der Werbeerlöse an die Macher der Videos weitergibt. Wie viel er als Partner genau verdient, darf er nicht verraten, aber das Internet-Portal "Socialblade.com" schätzt sein Einkommen auf mindestens 7000 und bis zu 60.000 Euro im Jahr. "Das war halt ein Hobby, und jetzt kann ich einigermaßen davon leben", sagt der 25-Jährige.

Und außer dem Geld gibt's viel Anerkennung: Der gelernte Werkzeugmechaniker tingelte einige Jahre von Firma zu Firma, war dann arbeitslos. "Ich habe mich völlig entwertet gefühlt", erzählt er. Der Erfolg in der virtuellen Welt baute ihn auf: "Referate in der Schule sind heute keine Probleme mehr", hat er etwa seine Nervosität vor Menschenmengen abgebaut. Schließlich schauen ihm bei Online-Spielen oft 400 User zu, tausende sehen ihn jeden Tag in den Videos.

Englische und selbst lateinische Ausdrücke lernt er über die Arbeit kennen, und: "Den Quali habe ich gerade so geschafft, jetzt habe ich eine gute Mittlere Reife abgelegt", kommen auch die Erfolge in der realen Welt dazu. Über die Abendschule arbeitet er auf sein Ziel hin: ein Studium im Bereich Medien-Management.

Obwohl er sein Geld damit verdient, bewegt sich Steffen H. im Internet seit einiger Zeit sehr vorsichtig. In seinem Facebook-Profil gibt er nichts Privates preis und tritt sogar unter dem Pseudonym Steffen H. Jackson auf. Auch sonst versucht er, seine Daten aus dem Netz rauszuhalten. Daran halten auch wir uns: Während in unserer Print-Ausgabe der volle Name steht, wurde der Nachname auf infranken.de abgekürzt.