Eine Bahnstrecke an der bayerisch-hessischen Landesgrenze: Männer arbeiten neben den Gleisen. Niemand sperrt die Strecke für die Bauarbeiter, damit sie sicher arbeiten können. Ein fataler Fehler.

Zwei Menschen sterben daraufhin - sie werden vom Zug erfasst. Nun stand der angeklagte Mitarbeiter, der die Strecke hätte sperren sollen, vor Gericht. Das Schöffengericht kam zu dem Schluss: "Es ist eine fahrlässige Tötung in zwei Fällen."

Prozess um Zugunglück bei Mainaschaff

Der Mann, gebürtig aus Rheinland-Pfalz, musste sich am Mittwoch (2. März 2022) wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen verantworten. Die Anklage warf ihm vor, daran schuld zu sein, dass Arbeiter an Bahngleisen an der bayerisch-hessischen Landesgrenze von einem Zug erfasst und getötet wurden.

Auch das Schöffengericht kam zu diesem Schluss. "Es ist eine fahrlässige Tötung in zwei Fällen", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Burghardt. Letztendlich entschied sich das Gericht für eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt.

Zudem muss der damals als Sicherungsaufsichtskraft eingesetzte 29-Jährige eine Geldauflage von je 2000 Euro an zwei Hinterbliebene zahlen, in Raten von je 100 Euro monatlich. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. 

Kollege des Angeklagten: "Er war am Handy, als der Zug kam"

Im Prozess um ein tödliches Zugunglück in Unterfranken hat ein Kollege des Angeklagten ausgesagt, dass sich der 29-Jährige zum Unglückszeitpunkt mit seinem Telefon beschäftigt habe. "Er war am Handy, als der Zug kam", sagte der 26 Jahre alte Zeuge am Mittwoch (2. März 2022) vor dem Amtsgericht Aschaffenburg. Zudem habe der als Sicherheitsaufsichtskraft eingesetzte Verdächtige nicht auf seinem zugeteilten Posten an der Bahnstrecke gestanden, um die in Gleisnähe arbeiteten Männer vor Zügen zu warnen oder die Strecke sperren zu lassen.

Der Lokführer will nach dem Zugunglück seinen Job wechseln. Er habe kein Vertrauen mehr "in das ganze System der Bahn".

Zeuge im Prozess um Zugunglück: Angeklagter spielte am Handy

Der Angeklagte soll bei den Bauarbeiten an der bayerisch-hessischen Landesgrenze zwischen Mainaschaff und Stockstadt am Main als Aufsichtsperson seine Pflichten verletzt haben - die Anklage wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Zwei Arbeiter wurden bei dem Unglück am 1. September 2020 von einer Regionalbahn erfasst und getötet.

"Er (der Angeklagte) hat es am Anfang nicht mitbekommen, dass ein Zug auf meiner Seite kam", sagte der Zeuge, der am Unfalltag als Sicherungsposten eingesetzt war. Eigentlich hätte der 29-Jährige zu diesem Zeitpunkt auf der gegenüberliegenden Seite stehen müssen. "Genau in diesem Moment kam von der anderen Seite auch ein Zug" - dies habe der Angeklagte nicht bemerkt.

Als der Güterzug und die Regionalbahn weg gewesen sein, "habe ich gesehen, dass zwei Leute auf dem Boden liegen", schilderte der 26-Jährige. "Als die zwei gestorben sind, hat er (der Angeklagte) das gar nicht mitbekommen."

Angeklagter: "Bedauert Fehlentscheidung extrem"

Der angeklagte Mann hat über seinen Verteidiger von einem fatalen Fehler am Unglückstag gesprochen. "Er bedauert seine Fehlentscheidung an dem Tag auch ganz extrem", sagte Rechtsanwalt Christian Giloth am Mittwoch zu Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Aschaffenburg.

Der Angeklagte hätte die Arbeiter warnen sollen, "wenn ein Zug von Mainaschaff über den Main in Fahrtrichtung Stockstadt fuhr", sagte Oberstaatsanwalt Marco Schmitt.

"Es war immer Druck und Durcheinander auf der Baustelle. Die haben immer gesagt, wir müssen fertigmachen", versuchte der 29-Jährige dem Gericht zu erklären, warum er die Strecke nicht gesperrt hatte, obwohl die Bauarbeiter den erforderlichen Sicherheitsabstand zu den Gleisen nicht einhielten.

Lokführer will nach Zugunglück den Job wechseln: "Will auf jeden Fall nichts mehr mit der Bahn zu tun haben"

Der damalige Lokführer hat Zweifel an seiner Arbeit. "Ich bin gerade dabei, den Job zu wechseln", sagte der 32-Jährige am Mittwoch vor dem Amtsgericht Aschaffenburg. Er habe kein Vertrauen mehr "in das ganze System der Bahn", auch weil er nach dem Unfall am 1. September 2020 mit zwei toten Bauarbeitern später Zeuge eines Beinaheunglücks geworden sei, bei dem ein Fahrdienstleiter Fehler gemacht habe. "Ich will auf jeden Fall nichts mehr mit der Bahn zu tun haben." Bisher sei er noch bei der Hessischen Landesbahn angestellt. Was er künftig machen wolle, wisse er noch nicht.

"Ich bin ein sehr pingeliger Mensch geworden. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch geworden", sagte der Lokführer. "Ich habe einfach kein Vertrauen mehr in alles." Dass er die 22 und 34 Jahre alten Arbeiter mit der Regionalbahn auf der Strecke an der bayerisch- hessischen Landesgrenze erfasste, habe er gar nicht mitbekommen, lediglich ein Geräusch gehört.