Angeklagter Vater freigesprochen: Das Landgericht Aschaffenburg hat einen wegen Mordes an seiner Tochter angeklagten Vater freigesprochen. Dies teilte der Vorsitzende Richter Sebastian Geis am Donnerstag (22.04.21) mit.

Laut Anklage hat der Mann seine Tochter getötet oder seinem damals 13 Jahre alten Sohn befohlen, sie zu töten. Der nach eigenen Angaben konservativ eingestellte 46-Jährige soll sich nicht mit der weltoffenen Lebensweise seiner Tochter in Deutschland abgefunden haben.

Update vom 22.04.2021, 16 Uhr: Gericht spricht angeklagten Vater vom Mordvorwurf frei

Die Kammer sei nicht überzeugt, dass der 46-Jährige im Mai 2017 die 19-Jährige tötete und sie in einem Betonschacht im Wald bei Aschaffenburg ablegte. Die Leiche war erst im Dezember 2018 zufällig gefunden worden. Die Todesursache konnte nicht geklärt werden.

Auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten im Zuge des Prozesses keine handfesten Beweise für die Täterschaft des Syrers gesehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Alter des Opfers war von den Ermittlern zunächst mit 16 angegeben worden. Ein Altersbestimmungsgutachten kam später zu dem Schluss, dass die junge Frau wahrscheinlich 19 Jahre alt war.

Der 46-Jährige war auch wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er soll wenige Wochen nach dem Verschwinden der Frau im Juni 2017 deren angeblich unliebsamen Freund mit einem Messer attackiert haben. Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten in diesem Fall zu einer Haftstrafe von acht Jahren und neun Monaten. Zudem müsse er an das Opfer 6000 Euro Schmerzensgeld plus Zinsen zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Anklagepunkt auf elf Jahre Haft plädiert, die Verteidigung auf Freispruch mangels Beweisen.

Update vom 21.04.2021, 13.30 Uhr: Zeuge im Mordprozess - Angeklagter hat mir Tat gestanden

Ein wegen Mordes an seiner Tochter angeklagter Mann hat nach Angaben eines Gefängnisinsassen ihm gegenüber die Tat gestanden. Das sagte der Zeuge am Mittwoch vor dem Landgericht Aschaffenburg. Der 46-Jährige habe ihm im März auf seine Frage, warum er inhaftiert sei, gesagt, er habe die 19-Jährige umgebracht.

Auch habe der Syrer den Mordversuch am Freund der Tochter zugegeben, sagte der Zellennachbar des Angeklagten. Er selbst hoffe durch seine Aussage auf eine geringere Strafe in seinem eigenen Strafverfahren. Der 21-Jährige sitzt nach eigenen Worten wegen Diebstahls und eines Sexualdelikts in Haft.

Der Vorsitzende Richter machte dem Zeugen mehrfach deutlich, dass eine Falschaussage massive Konsequenzen für ihn haben werde. Der junge Mann blieb allerdings bei seiner Darstellung.

Vater soll eigene Tochter getötet haben, um Ehre wieder herzustellen

Das Opfer - die 19-Jährige - war im Mai 2017 verschwunden und erst Ende 2018 tot in einem Betonschacht in einem Wald bei Aschaffenburg gefunden worden. Der Angeklagte, der im Juni 2017 auch den Freund der jungen Frau mit einem Messer schwer verletzt haben soll, hat sich im Prozess bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Familie war 2015 nach Deutschland gekommen. Dass die Jugendliche schnell das westliche Leben genoss, passte dem konservativ eingestellten Vater laut Anklage nicht. Mehrfach soll er die Schülerin geschlagen haben - dafür war er auch rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Mit dem Tod der 19-Jährigen wollte er nach Worten des Anklägers vermeintlich seine Ehre wieder herstellen.

Ob die für Mittwoch geplanten Plädoyers gehalten werden, stand zunächst nicht fest. Die Beweisaufnahme war kurzfristig wieder aufgenommen worden. Der Verdächtige hat sich vor der Kammer bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.