Normalerweise macht er so was nicht. Sakko aus. Im Hemd an der Linie. Wie sieht das aus, im Play-off-Halbfinale? Aber was blieb Thorsten Leibe-nath übrig? Würzburg hatte gegen Ulm gerade einen 21-Punkte-Rückstand aufgeholt. Dem Ulmer Trainer war nicht nur von den Temperaturen in der Halle heiß geworden.
Mit einer typischen Chris-Kramer-Aktion hatte Würzburg gerade auf 60:63 verkürzt. Kurzer Stopp an der Dreipunktelinie, schauen, Zunge raus und starten. Kramer stürzte direkt Richtung Korb, die Verteidiger sind normalerweise zu langsam für den 23-Jährigen. Kramer traf. Die Ulmer Deckung kam nicht mit. Tommy Mason-Griffin erwischte den Arm des Würzburgers. Freiwurf zusätzlich. Auch der saß. 61:63. Würzburg war wieder da. Die 500 Unterfranken, die mit nach Ulm gefahren waren, tobten. Und wie. Für einen Moment waren die Ulmer nicht mehr zu hören.
Thorsten Leibenath unterbrach den Würzburger Lauf mit einer Auszeit, die half aber nichts. Ben Jacobson holte erst einen Rebound, dann traf er. 63:63. Das Spiel schien für einen Moment zu kippen.

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, dass wir uns so zurückgekämpft haben", sagte Würzburgs Trainer John Patrick.


"Aber dann traf Steven Esterkamp zwei wichtige Dreier." Und die brachen die Würzburger: Den Unterfranken gelangen in den letzten drei Minuten nur noch zwei Punkte, Ulm zog zum 77:65-Sieg davon.
"Wir haben das Spiel in den ersten 14 Minuten verloren", sagte John Patrick. Da führte Ulm bereits mit 33:12. Die Würzburger Fans standen mit offenen Mündern im Block, mussten mit ansehen, wie die S.Oliver Baskets nur 21 Prozent ihrer Würfe trafen und kaum ein Mittel gegen Ulm fanden. "Wir wussten, Würzburg spielt mit unglaublicher Intensität, das müssen wir matchen", sagte Thorsten Leibenath. Und meinte: dagegenhalten. Und das sei seiner Mannschaft gelungen, fand Leibenath: Insgesamt holte Würzburg im gesamten Spiel nur sechs offensive Rebounds, weil bei den Ulmern Per Günther (6 Rebounds) und Steven Esterkamp (8) aufpassten. Würzburg konnte die Ulmer kaum im Spielaufbau stören, eigentlich spielte nur Ulm.

"Wir wussten, wenn die einen Lauf haben, sind sie schwer zu kontrollieren", sagte John Patrick.

Der Ulmer Lauf hielt genau bis zu diesem 33:12. Der Tabellenzweite unternahm dann nicht mehr viel: Stattdessen bäumte sich Würzburg auf: Jason Boone holte Rebounds. Chester Frazier trieb die Unterfranken in der Offensive an. 19 Punkte erzielte Würzburg in Serie, zur Pause war Ulm nur noch sechs Punkte entfernt. Im Basketball eigentlich gar nichts. Plötzlich waren auch die Würzburger Fans wieder lauter: "Ulmer, wir hören nichts." Mit der Pausensirene warf Alex King den Ball aus der eigenen Hälfte in den Ulmer Korb, allerdings Sekundenbruchteile zu spät. Der Korb zählte nicht, aber die Unterfranken waren wieder da.

Es war jetzt das schwere Spiel, das beide Trainer erwartet hatten.

Beide Mannschaften nahmen die schweren Würfe: Ben Jacobson traf per Dreier. Bei Ulm punktete Tommy Mason-Griffin, traf aus dem Feld.
Da hatte Thorsten Leibenath sein Jacket noch an. Sechs Punkte lagen seine Ulmer am Ende des dritten Viertels noch vorne, noch war alles in Ordnung. Und auch als Würzburg ausglich, verlor Leibenath nicht die Nerven. "Das mit dem Sakko war ein taktischer Fehler. Ich hatte ein T-Shirt unter dem Hemd, das war einfach zu warm", sagte er. Das Sakko blieb in diesem ersten Halbfinale der einzige Fehler des Ulmers