Ein Haken nach rechts, ein Haken nach links, dann ist der Weg aufs Tor frei: Alexander Esswein zieht ab, und nach seinem flachen Schuss ins lange Eck landet der Ball im Tor. "Ein Hauch von Messi" umschrieb später ein Radioreporter das Tor des Tages zum 1:0-Sieg des 1. FC Nürnberg im ersten fränkisch-schwäbischen Bundesliga-Derby über den FC Augsburg. Der Vergleich mit dem Weltfußballer des Jahres ist zwar übertrieben, sehenswert war es aber allemal, wie der nach einer Stunde eingewechselte "Essi" in der 76. Minute nach Zuspiel von Tomas Pekhart in vollem Lauf FCA-Verteidiger Gibril Sankoh austanzte und auch noch Torhüter Simon Jentzsch verlud.
"Ich habe mich sehr über mein Tor gefreut. Da sind mir einige Steine vom Herzen gefallen", meinte der letztjährige Drittliga-Torschützenkönig nach seinem ersten Bundesligatreffer. Schließlich war der U-21-Nationalspieler schon heilfroh darüber, überhaupt im Aufgebot für das Derby zu stehen, nachdem er in der Woche zuvor von Trainer Dieter Hecking erst gar nicht in den Kader für die Partie in Dortmund berufen worden war. "Er war im Training nicht präsent genug. Wenn dann von einem Spieler so eine Reaktion kommt wie in dieser Woche von Alex, ist alles in Ordnung", meinte Hecking zufrieden.
Während der 21-jährige Esswein als Joker ran durfte, stand mit Julian Wießmeier ein weiteres Talent aus der blutjungen Club-Truppe überraschend sogar in der Startelf. Der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler ersetzte Markus Feulner, der wegen einer im Abschlusstraining erlittenen Adduktorenzerrung passen musste. Das FCN-Eigengewächs machte seine Sache im erst zweiten Bundesliga-Spiel zwar gut, doch als Team konnten die Nürnberger am Samstag nur in wenigen Phasen überzeugen. "Mit einer so jungen Mannschaft zu gewinnen, ist nicht selbstverständlich", warb Hecking nach der Partie um Verständnis für die oft ideenlos vorgetragenen Angriffe seiner Elf und lenkte nach dem ersten Heimsieg seit dem 5. März dieses Jahres lieber den Blick aufs Wesentliche: "Unsere Ausbeute ist aller Ehren wert. Mit sechs Punkten aus vier Spielen können wir sehr gut leben."
Die erste Zwischenbilanz nach dem Saisonstart fällt für den Aufsteiger dagegen enttäuschender aus. Durch die zweite Niederlage in Folge sind die Schwaben erstmals auf den Relegationsplatz zurückgefallen. "Wir haben zwar wieder über 90 Minuten eine gute Ordnung gefunden, aber im Spiel nach vorne fehlt uns die Qualität. Da zahlen wir zur Zeit einfach Lehrgeld", analysierte der Augsburger Trainer Jos Luhukay, ließ aber offen, ob sein Verein bis zum Ende der Transferperiode noch einmal tätig wird.

Mölders vergibt große Chance


Die Partie in Nürnberg hätte aber auch anders enden können, hätte Sascha Mölders in der 53. Minute besser gezielt. Da hatte sich der Angreifer, der bisher alle drei Tore für die Schwaben in dieser Saison erzielte, gegen die beiden Innenverteidiger Philipp Wollscheid und Timm Klose durchgesetzt. Seinen unplatzierten Schuss von der Strafraumgrenze konnte Torhüter Patrick Rakovsky aber mit den Fäusten abwehren.
Auch Dominik Reinhardt versuchte sich in der Schlussphase als Stürmer, konnte aber den Ausgleich nicht mehr erzielen. Nach 15-monatiger Zwangspause wegen einer Knieverletzung kam der ehemalige Nürnberger an alter Wirkungsstätte zu einem neunminütigem Kurzeinsatz, den der Rechtsverteidiger mit sichtlichem Engagement bestritt. "Ich habe zehn Jahre hier gespielt. Das kann man nicht einfach so ausblenden", meinte Reinhardt, der allerdings vergeblich darauf hoffte, dass ihm in den letzten Minuten "im Strafraum der Ball auf den Kopf fällt."

1. FC Nürnberg: Rakovsky - Chandler, Wollscheid, Klose, Pinola - Simons - Hegeler (73. Mendler), Wießmeier (85. Maroh), Cohen, Eigler (60. Esswein) - Pekhart / FC Augsburg: Jentzsch - Callsen-Bracker, Sankoh, de Roeck, Davids - Hosogai (81. Reinhardt), Sinkala - Ndjeng (61. Gogia), Baier (81. Kapllani), Bellinghausen - Mölders / SR: Kinhöfer (Herne) / Zuschauer: 43 071 / Tor: 1:0 Esswein (76.) / Gelbe Karten: Cohen (2), Pekhart (1), Rakovsky (1), Wießmeier (1) - Callsen-Bracker (1), Hosogai (1) / Beste Spieler: Esswein, Klose - Mölders