Ben Jacobson hat sie dann alle zusammen gewunken. So etwas macht man nicht. Nicht in fremder Halle. Nicht nach einer Niederlage. Und nicht wenn Ulm drüben auf der anderen Seite den Einzug in das Finale um die Deutsche Basketballmeisterschaft feiert. "Hinsetzen", schrien die mehreren hundert Würzburger Fans nach der 88:80-Niederlage der s.oliver Baskets am Sonntag. Robert Tomaszek hätte sich hingesetzt. Humba gemacht, gefeiert. Er strahlte und jubelte den Würzburger Zuschauern zu. Aber dann folgte er Kapitän Jacobson in die Kabine.

Die Würzburger Zuschauer feierten ihre Mannschaft. Trotz der Niederlage.

Den Aufsteiger, der in fünf Jahren aus der Regionalliga in die Basketball-Bundesliga marschierte und plötzlich zu den vier besten Mannschaften in Deutschland zählt. Und jetzt standen die Würzburger Spieler auf dem Ulmer Parket, hielten ein Transparent vor den Bäuchen. "Danke Fans. Jetzt ruft Europa", stand darauf. Die unglaubliche Geschichte der Würzburger Basketballer geht weiter.

Vielleicht kann man diese Geschichte am besten an Robert Tomaszek erzählen. Tomaszek, 2,04 Meter groß, 112 Kilo schwer, kahl rasierter Schädel. Sein Spitzname ist Gentleman, aber wenn der der Würzburger Center unter dem Korb arbeitet, kann man Angst bekommen. Er beißt dann die Zähne aufeinander, kneift die Augen zusammen, auf seinem Hals zeichnet sich jede Ader ab. Robert Tomaszek sagt: "Ich brauche Ballkontakte, dann drehe ich auf." Gegen Ulm drehte er auf. Hatte Ballkontakte und Kontakt mit dem Gegner. Mit John Bryant. Ulms größtem, dem besten Spieler der abgelaufenen Saison. Tomaszek hatte den Riesen im Griff.Zehn Punkte machte der. Tomaszek stand Bryant dauernd auf den Füßen. Schob, hakte, drückte. Den Ulmer Fans gefiel das nicht. Sie schimpften auf Tomaszek. Aber der hörte das nicht, machte immer weiter, wurde immer besser. Wie seine Würzburger.

"Ich habe gefühlt wir können das heute schaffen", sagte Robert Tomaszek.

Als er ausgewechselt wurde, streckte er die Faust Richtung Hallendecke. Im vierten Viertel war das. Würzburg führte. Ben Jacobson und Ivan Elliott hatten ihre Dreier getroffen: 65:62. Würzburg war zuvor gut in die Partie gestartet, führte nach dem ersten Viertel 18:15. Dann kam Ulm: Ausgleich, Vorsprung, 40:30 zur Pause, Ulm schien sich abzusetzen.

"Aber bei unserer Mannschaft ist bis zur letzten Minute immer alles möglich", sagte Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler. Er sollte Recht behalten. Würzburg kam wieder. Traf die Dreier, kontrollierte Bryant, bremste Per Günther. Ivan Elliot glich aus: 50:50, durch einen Freiwurf, den der Schiedsrichter wiederholen ließ. Dann traf Ben Jacobson zur Führung. Er wartete, bis Keaton Nankivil vorbeigesprungen war, setzte an, schoss, traf. 62:60 nach dem dritten Vertel. Jacobson rannte zur Bank, zeigte den Ulmer Fans die Faust, fletschte die Zähne. Würzburg spielte einfach weiter, bis zum 67:65.Dann war Schluss. "Vielleicht hat uns dann de Konzentration gefehlt", sagte Robert Tomaszek. Denn Ulm blieb cool. Nankivil Dreier. Günther Dreier. Immer wieder Günther. 88:80 siegten die Ulmer und feierten. "Es war eine magische Saison der Ulmer", sagte Würzburgs Trainer John Patrick nach dem Spiel. Er wusste, das trifft auch auf seine Baskets zu. John Patrick lächelte. Er war zufrieden mit dem Würzburger Wunder.