Beim ehemaligen Bundesliga-Transfermeister VfL Wolfsburg ist unter dem Duo Klaus Allofs/Dieter Hecking die Vernunft zurückgekehrt. Die Zeiten, in denen die Niedersachsen die meisten Fußballprofis ein- oder verkauften und dabei sehr viel Geld bewegten, sind vorbei.

Bisher hat der ambitionierte Europa-League-Teilnehmer in Aaron Hunt und Sebastian Jung erst zwei Zugänge verpflichtet, von denen der Ex-Bremer Hunt sogar ablösefrei kam.

«Beide sollen uns in der Spitze verbessern», erläuterte Trainer Hecking die Philosophie, die hinter der neuen Transferpolitik steht. Mit gezielten Verstärkungen will der VfL als Tabellenfünfter der vergangenen Saison die Lücke zum Spitzen-Quartett kleiner machen. Für viele Konkurrenten sind die Wolfsburger schon jetzt ein ernsthafter Kandidat auf einen Champions-League-Platz.

Allerdings verläuft die Saison-Vorbereitung nicht ganz nach Wunsch. Bereits beim Auftakttraining in Wolfsburg zog sich Patrick Ochs eine langwierige Kreuzband-Verletzung zu. Ex-Nationalspieler Christian Träsch konnte nicht mit ins Trainingslager nach Bad Ragaz in die Schweiz fahren. Er hat im Testspiel in Bochum eine schwere Schulterverletzung erlitten. Träsch muss operiert werden und rund acht Wochen pausieren.

Der Ausfall der beiden Defensivspieler zwingt die Sportliche Leitung zu einer nicht geplanten Spielersuche. «Christian war für hinten rechts oder als Sechser ein Thema. Unsere Pläne sind durchkreuzt worden. Im Defensivbereich sollten wir nun schauen», erklärte Manager Allofs. Bisher stand die Verpflichtung eines neuen Top-Stürmers oben auf der Prioritätenliste. Der belgische WM-Teilnehmer Romelu Lukaku vom FC Chelsea gilt weiterhin als Kandidat.

Mit WM-Teilnehmern sind die Wolfsburger ohnehin gut bestückt. Gleich sieben VfL-Profis spielten für ihre Heimatländer in Brasilien. In Torwart Diego Benaglio und Verteidiger Ricardo Rodríguez (beide Schweiz) stiegen am Dienstag bei miesem Regenwetter in Bad Ragaz die Rückkehrer vier und fünf in das Training ein. Damit fehlen Hecking in der Vorbereitung neben den Verletzten nur noch die Mittelfeld-Asse Kevin De Bruyne (Belgien) und Luiz Gustavo (Brasilien).

Ob Luiz Gustavo die nächste Saison im Wolfsburger Trikot absolviert, ist allerdings noch offen. Der frühere Bayern-Spieler konnte zwar seinen Marktwert bei der Heim-WM nicht unbedingt erhöhen, gilt aber weiterhin als ein Top-Mann auf der Sechser-Position. Er soll eine Ausstiegsklausel besitzen, zu der sich Allofs bedeckt hält. Ob mit oder ohne Luiz Gustavo - der VfL sieht sich gut aufgestellt und ist in der Lage, jederzeit auf dem Transfermarkt zu reagieren. «Wir haben noch sechs Wochen Zeit», erklärte Hecking.