Luuk de Jong verwandelte vor 30 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion De Grolsch Veste einen unberechtigten Foulelfmeter (61. Minute). Für Schalke war es die erste Pleite im zehnten Spiel in Serie in der Europa League.

In der 60. Minute war dem schottischen Schiedsrichter Craig Thomson die folgenschwere Fehlentscheidung unterlaufen. Torjäger de Jong war im Laufduell mit Joel Matip hingefallen. Thomson entschied prompt auf Elfmeter, obwohl de Jong gestolpert war - und das sogar noch außerhalb des Strafraums. Der Gefoulte verwandelte selbst zum 1:0. «Der fällt über seine eigenen Füße. Das ist eine Vollkatastrophe. So macht das echt keinen Spaß, wenn da solche Amateure stehen», schimpfte der erzürnte Schalker Manager Horst Heldt auf die Schiedsrichter. «Da war gar nichts», meinte auch Verteidiger Christian Fuchs.

Matip wird nach seiner Roten Karte auch im Rückspiel in einer Woche in Gelsenkirchen fehlen. Die nächste Baustelle für Trainer Huub Stevens. Denn schon in Enschede musste er die beiden verletzten Innenverteidiger Benedikt Höwedes und Christoph Metzelder ersetzen. Schmerzlich vermisst wurde vor allem aber Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, der in der Europa League bislang sechs Tore erzielte. Huntelaar hatte sich vor einer Woche im Länderspiel mit der niederländischen Nationalmannschaft gegen England eine Gehirnerschütterung zugezogen. Auch den gelbgesperrten Jefferson Farfan musste Stevens ersetzen.

In der Not rückte Lewis Holtby in die Startelf, im Angriff stürmte Ciprian Marica neben Chinedu Obasi. Schalke ließ Enschede zu Beginn viel Raum. Schon in der 10. Minute musste Torhüter Timo Hildebrand beherzt zugreifen, als der Japaner Atsuto Uchida Stürmer de Jong nicht von einem gefährlichen Kopfball abhalten konnte. Drei Minuten später kam Nacer Chadli, von der gesamten Schalker Abwehr unbehelligt, zum Kopfball. Hildebrand parierte abermals.

Erst nach 20 Minuten wurden die Schalker mutiger. Nach drei Auswärtspleiten in der Bundesliga, zuletzt sogar beim Tabellenletzten Freiburg, ging es für sie in Enschede schließlich auch um Wiedergutmachung. Der von einer Erkältung wiedergenesene Jermaine Jones sorgte für die beste Schalker Chance. Nach Sololauf und Doppelpass mit Obasi strich sein Schuss nur knapp über das Tor (24.). Die offensiven Schalker liefen nun Gefahr, ausgekontert zu werden. Leroy Fers Schuss (32.) wehrte wiederum Hildebrand ab.

Die Niederländer gingen fahrlässig mit ihren Chancen um. In der Liga hatten sie zuletzt noch den PSV Eindhoven 6:2 deklassiert - vor den Augen von Trainer Stevens. Gegen Schalke blieb der Sturmlauf aus. Auch die Gelsenkirchener spielten nicht voll auf Risiko, sondern warteten vielmehr auf den einen erfolgreichen Konter, der für das wichtige Auswärtstor sorgen sollte.

«Wir müssen besser nach vorne spielen», forderte Manager Horst Heldt in der Halbzeit. Seine Spieler taten ihm den Gefallen jedoch nicht. Nicht einmal Superstar Raul, in Enschede Kapitän anstelle von Höwedes. Er blieb auf der 10er-Position in der Raute unauffällig. Nach dem Elfmeter ging es für die dezimierten Schalker nur noch um Schadensbegrenzung vor dem Rückspiel. «Zu Hause sind wir wieder zu elft. Und 1:0 ist nicht das beste Ergebnis für Twente», sagte Fuchs.