«Der deutsche Schiedsrichter darf immer pfeifen, wo er will. Aber wenn er 2014 zur Weltmeisterschaft kommen will, muss er einen Status als Profi haben», sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes in einem Interview des Fachmagazins «Kicker». Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müsse «ein System aufbauen, in dem der Schiedsrichter als Angestellter des Verbandes vertraglich gebunden ist», forderte Blatter unmissverständlich.

Bislang lehnt der DFB Vollprofis an der Pfeife ab, denkt aber über neue Honorar- und Einstufungssysteme nach. Lutz-Michael Fröhlich, Leiter der Schiedsrichter-Abteilung beim DFB, hatte zuletzt eine «Grundabsicherung» ins Spiel gebracht. Bislang sind die Spieleinsätze die Haupteinnahmequelle für die deutschen Referees.

«Klar, sie kriegen Geld. Aber sie stehen unter dem Druck, dass sie nur dann Geld bekommen, wenn sie gut pfeifen», betonte Blatter. «Gelingt das nicht, werden sie abgestuft in die 2. oder 3. Liga. Ich will, dass der Schiedsrichter wie der Profi einen Vertrag hat.» Blatter betonte auch den «psychologischen Faktor». «Ich meine, dass der Spieler den Schiedsrichter besser annimmt, wenn auch dieser ein Profi ist», sagte der 75 Jahre alte Schweizer und ergänzte: «Ich bin überzeugt davon, dass Deutschland eine Lösung finden wird.»

Die jüngsten Korruptionsvorwürfe seines früheren Vizepräsidenten Jack Warner wies Blatter zurück. «Es gibt keinen Tsunami», sagte er. Die Behauptung Warners, er habe ihm 1998 bei seiner ersten Wahl in das Amt des FIFA-Präsidenten die TV-Rechte für Trinidad für einen Dollar überlassen, stimme nicht, erklärte Blatter. «Auf die Vergabe dieser Rechte hatten wir keinen Einfluss.» Der Ex-Funktionär aus Trinidad & Tobago war im Zuge der Korruptionsvorwürfe um die Präsidentschaftskandidatur von Mohamed bin Hammam im Juni 2011 zurückgetreten und hatte anschließend einen «Tsunami» angekündigt.