«Wo ist denn jetzt Ailton», quengelt ein kleiner Junge und prellt ungeduldig immer wieder seinen mitgebrachten Fußball auf den Boden. Aber der Papa des Kleinen weiß es nicht, und der Manager von Ailtons neuem Verein Hassia Bingen wusste es gut eine Stunde vor Anpfiff auch noch nicht. «Er hat gestern angerufen und gesagt, dass er noch in Berlin ist. Er hofft aber, dass er es zum Spiel schafft», sagt Stefan Seidel mit einem milden Lächeln: «So ist er halt. Es wird nie langweilig mit Ailton.»

1998 hatte der Brasilianer seine Karriere in Deutschland bei Werder Bremen begonnen. Mit seiner trotz des runden Bauchs beeindruckend explosiven Schnelligkeit bekam er den Spitznamen «Kugelblitz» und brachte Trainer und Vereinsbosse andauernd mit eigenmächtig verlängerten Heimaturlauben zur Verzweiflung. Er war Bundesliga-Torschützenkönig, wurde als erster ausländischer Profi in Deutschland zum Spieler des Jahres gewählt und flirtete sich im RTL-Dschungelcamp in die Herzen der Zuschauer.