In Wolframs-Eschenbach (Landkreis Ansbach) hat am Montag (14. September 2020) die Stadtbäckerei eröffnet. Den Namen trägt der Laden nicht von ungefähr, vielmehr handelt es sich um ein einmaliges Projekt: Es handelt sich um die erste kommunale Bäckerei Bayerns. 

Hinter der neuen Bäckerei in öffentlicher Hand steckt die Schließung der örtlichen Traditionsbäckerei, wie der br.de berichtet. Seit dem Jahr 1598 habe diese die Bürger mit Backwaren versorgt. Die Tradition endete im Jahr 2016, woraufhin ein Bäcker-Filialist das Geschäft übernahm. Bereits 2018 musste er wegen Personalmangels schließen. 

Weil die Bäckerei seit 2018 leer stand: Stadt nimmt Angelegenheit in die Hand

Seitdem stand der Laden leer. Weil sämtliche Bemühungen, einen neuen Bäcker zu finden, erfolglos blieben, nach die Stadt die Angelegenheit in die eigene Hand: Wie Bürgermeister Michael Dörr gegenüber br.de erklärt, seien eine städtische Firma gegründet und 50.000 Euro in die Hand genommen worden.

Dörrs Argumentation: Eine Bäckerei sei wichtig für die Belebung der Innenstadt. Zum anderen bräuchten neben den rund 3200 Einwohner der mittelfränkischen Landschaft  auch die vielen Touristen (derzeit zählt Wolframs-Eschenbach jährlich mehr als 30.000 Übernachtungen) eine Bäckerei.  

Dem Bürgermeister zufolge wäre es zu aufwändig, in der neuen Bäckerei selbst zu backen. Deshalb werden die Backwaren täglich von der acht Kilometer entfernten Bäckerei des Sozialunternehmens Diakoneo geliefert, verrät er br.de. Die ersten Brötchen des Tages würden dort gebacken, die restlichen kommen als Teiglinge und werden in der Stadtbäckerei aufgebacken. Dafür wurde eigens ein gebrauchter Backofen angeschafft. 

Gemeindetag-Direktor sieht Projekt kritisch

Die Idee einer kommunalen Bäckerei stößt nicht überall auf Zustimmung. Dass eine Kommune einspringe, wenn ein Handwerksbetrieb schließen muss, sei in Bayern ein absoluter Einzelfall, äußerte der Direktor des bayerischen Gemeindetags, Wilfried Schober, gegenüber den deutschen Presse-Agentur (dpa). Schober sieht das Projekt in Wolframs-Eschenbach kritisch: "Die Versorgung der Bevölkerung mit Backwaren zählt nicht zur Daseinsvorsorge." Nur in Ausnahmen könne es infrage kommen, dass eine Kommune zum Beispiel einen Dorfladen betreibe. "Die Öffentliche Hand hat sich aber grundsätzlich aus dem privaten Wirtschaftsleben herauszuhalten", betonte er im dpa-Gespräch.

Bürgermeister Dörr sieht das anders. Auch die Kommunalaufsicht habe grünes Licht für das Vorhaben gegeben, versicherte er der dpa.

Mit kommunalen Unternehmen habe die Stadt Wolframs-Eschenbach schon einige Erfahrungen gesammelt. Acht kommunale Unternehmen zählt sie inzwischen, unter anderem betreibt sie eine Postfiliale, was es auch in anderen Orten in Deutschland gibt.

Stadtbäckerei und Café in Wolframs-Eschenbach: Das sind die Öffnungszeiten

  • Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: 6.30 Uhr bis 18 Uhr
  • Mittwoch und Samstag: 6.30 Uhr bis 12 Uhr 

Laut dpa ist Wolframs-Eschenbach nicht der einzige Ort in Deutschland, in dem Bäcker aufgeben und sich kein Nachfolger findet. Dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks zufolge ist die Zahl der Handwerksbäckereien von rund 13.600 im Jahr 2012 auf fast 10.500 im vergangenen Jahr gesunken. Wie erst vor kurzem bekannt wurde, schließt eine fränkische Traditionsbäckerei nach über 100 Jahren noch in diesem Monat - und das nicht nur wegen der Corona-Krise.