Versteinerte Miene und wenig gesprächig - das muss jemand aus Franken sein. So viel zu den Vorurteilen. Dass Franken vor allem sehr vielfältig ist, zeigt die diesjährige bayerische Landesausstellung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wird am Dienstag (16.00 Uhr) die diesjährige Landesausstellung in Ansbach eröffnen. Das Thema könnte nicht besser zu dem Franken passen, denn die Schau geht unter dem Titel "Typisch Franken?" der Frage nach, was die Region im Norden Bayerns ausmacht. Anhand von 150 Exponaten zeigt sie vor allem die Vielfalt Frankens, spielt aber auch mit Klischees und Vorurteilen.

"Typisch Franken?": vom 25. Mai bis 6. November in Ansbacher Orangerie

Auf rund 1000 Quadratmetern schickt die Ausstellung die Besucherinnen und Besucher vom 25. Mai bis zum 6. November auf eine Zeitreise durch neun fränkische Regionen, jeweils drei aus den Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken. Der Schwerpunkt liege dabei auf der Zeit zwischen dem Mittelalter und 1800, es gebe aber auch immer wieder Bezüge zur Gegenwart, erläuterte Ausstellungsleiter Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte.

Für die einen ist der Wein im Bocksbeutel typisch für Franken. Die anderen denken bei Franken an die wohl weltweit größte Brauereidichte. Für die einen ist Franken eine Protestanten-Hochburg, die anderen halten es für überwiegend katholisch. Die Bratwurst zumindest ist ganz eindeutig typisch fränkisch. Doch in welcher Variante? Diesen Fragen geht die diesjährige bayerische Landesausstellung "Typisch Franken?" nach, die vom 25. Mai bis 6. November in der Orangerie in Ansbach zu sehen ist. Der Versuch einer Annäherung:

Geografie:

Wo fängt Franken an, wo hört es auf? Auf den ersten Blick ist diese Frage einfach zu beantwortet: Franken besteht aus den drei Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken. Doch Franken mache an der bayerischen Landesgrenze nicht halt, sagt der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, der an der Ausstellung mitgearbeitet hat. Sprachlich reiche Franken zum Beispiel bis zum Höhenkamm des Thüringer Waldes. Außerdem gebe es Übergangsräume in Richtung Schwaben. Im oberfränkischen Wunsiedel spreche man dagegen eher nordbayerisch und in Aschaffenburg schon rheinfränkisch.

Mentalität:

Einen typischen fränkischen Charakter gibt es mit Sicherheit ebenso wenig wie einen ostfriesischen. Trotzdem: "Ein durchgehender Zug scheint mir schon ein unterentwickeltes Selbstbewusstsein zu sein", sagt Dippold. "Die Einstellung, das Eigene ist nicht viel wert, das Jammernde, wenig Stolze." Darauf spielt auch die Ausstellung an, in der man an einem Bildschirm Aussprüchen wie "Franken sind keine Bayern" und «Franken - Stiefkind Bayerns» nachgehen kann.

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Evangelisch versus Katholisch:

Von Außenstehenden wird Franken oft als Protestanten-Hochburg wahrgenommen - auch wegen Martin Luthers Zeit in Coburg. "Doch der Anteil an Katholiken und Protestanten ist in etwa gleich groß, wenn auch von Region zu Region verschieden", heißt es in der Ausstellung. Zum Teil sei es sogar von Dorf zu Dorf unterschiedlich, sagt der Historiker Dippold. "Das macht etwas mit den Konfessionen. Man ist das andere gewohnter. Es gibt wunderbare Akte der Ökumene, bei Konfrontationen sind aber auch die Ausschläge größer."

Wein versus Bier:

Was ist nun wichtiger für Franken, das Bier oder der Wein? Eine Aussage dazu will die Ausstellung nicht treffen. «Das muss jeder selbst entscheiden», sagt Ausstellungsleiter Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte. Auch Dippold meint: "Der Franke ist gewissermaßen in dieser Hinsicht bilingual." Im Osten Frankens gebe es wahrscheinlich mehr Biertrinker, in Unterfranken mehr Weinliebhaber. Aber es gebe auch Regionen, wo man gutes Bier und guten Wein bekomme, wie im Landkreis Haßberge.

Bratwurst:

Die Bratwurst ist wahrscheinlich für viele Menschen das Typischste für Franken. Doch Franken wäre nicht Franken, wenn es auch hierbei nicht große Unterschiede gäbe. So kommt die Nürnberger Bratwurst gerade mal auf sieben bis neun Zentimeter, während die Coburger stolze 31 Zentimeter misst, wie die Ausstellung zeigt. Sowohl in Nürnberg als auch in Coburg isst man diese im "Weggla" beziehungsweise in der Semmel. In Coburg werde diese aber vertikal aufgeschnitten, erläutert Dippold. Und in Kulmbach gibt es zur Bratwurst einen eigens dafür gebackenen Stollen.

Tradition:

Die Kirchweih, die Kärwa, hat nach Angaben von Dippold noch heute vor allem in ländlichen Regionen eine große Bedeutung. "Sie ist das Hochfest des Jahres." Oft sieht man dort Frauen, Männer und Kinder in Tracht. Doch typisch fränkisch ist das nicht. Die Original-Trachten wie die Bamberger Haube seien aus heutiger Sicht unpraktisch und nicht straßentauglich, sagt Dippold. Stattdessen habe sich eine heruntergebrochene, altbayerische Tracht durchgesetzt. Das zeigt sich auch beispielhaft in der Ausstellung: 1842 sollten zur Hochzeit von Kronprinz Maximilian II. Trachten aus allen fränkischen Regionen zu sehen sein. "Es war schwierig, Leute zu bekommen, die wirklich noch alte Tracht getragen haben", sagt Riepertinger.

Franken versus Altbayern:

Ob das wirklich immer so ein starker Kontrast ist, das hinterfragt auch der Franke Dippold. "Das Bayerische ist in Franken auch beifällig aufgenommen worden." So gebe es in Franken Zittervereine und Gebirgstrachtengruppen, in den Wirtshäusern stehen Schmankerl und Obazda auf der Speisekarte. Auch in der Ausstellung stoßen Besucherinnen und Besucher gleich zu Beginn auf ein Bild einer fränkischen Kapelle um 1900 in bayerischer Tracht und ein Werbeschild eines oberfränkischen Biers, das mit dem Bild des Münchner Kindls spielt. "Natürlich gibt es auch Elemente, die einen als Franken verdrießen", sagt Dippold mit Blick auf manche politische Entscheidung. Doch die Ausstellung zeigt auch, dass schon im 19. Jahrhundert viele Franken im bayerischen Kabinett saßen, woher der Ausspruch kommt "Bayern wird von Franken regiert". Und mit Markus Söder (CSU) wird dieses gerade sogar von einem Mittelfranken geleitet.

Berühmte Franken:

Aus Franken stammen Persönlichkeiten wie der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, der frühere Bundeskanzler Ludwig Erhard, Showmaster Thomas Gottschalk oder Ex-Basketballer Dirk Nowitzki. Dieser reist mit seiner Familie immer wieder in seine Heimat Würzburg, wie man in der Ausstellung lesen kann: "Ich genieße dann die Freunde, das Essen meiner Mutter, die Sprache und fühle mich im fränkischen Würzburg sehr wohl. Da steckt noch sehr viele Franke in mir!". Und der aus Oberfranken stammende Sternekoch Alexander Herrmann sagt in der Ausstellung: "Die typische Haltung eines Originalfranken wird so beschrieben: Versteinerte Miene, aber innerlich tobt die Heiterkeit! Aus diesem Grund werden die Franken oftmals verkannt."

Zu den herausragenden Exponaten gehören unter anderem der Fußballschuh mit dem innovativen Nylon-Schraubstollen aus Herzogenaurach, mit dem Nürnbergs Mittelstürmer Max Morlock bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern im Endspiel das erste Tor für die deutsche Nationalmannschaft schoss. Auch die Pistole, mit der ein Attentäter 1874 im Kurort Bad Kissingen zwei Schüsse auf Reichskanzler Otto von Bismarck feuerte, ist zu sehen.

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