Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat am Montag in einer Pressemitteilung zum Amoklauf in Leutershausen weitere Informationen bekanntgegeben:

Vorfall in Klinik in Bad Windsheim
Der Beschuldigte Bernd G. war bis zum Februar 2015 in der Kiliani-Klinik in Bad Windsheim beschäftigt gewesen, nach einem Vorfall bei dem er einem Patienten die Hand verdreht haben soll, wurde das Arbeitsverhältnis jedoch beendet.

Anschließend war der Beschuldigte über das Pflegewerk Ansbach im Haus Vitalis in Ansbach beschäftigt. Dieses Arbeitsverhältnis endete im Juni 2015 aus bislang nicht bekannten Gründen. Seitdem ist der Beschuldigte arbeitslos. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten wurden Unterlagen aufgefunden, aus denen der Schluss gezogen werden kann, dass der Beschuldigte bereits seit über 10 Jahren psychische Probleme gehabt haben dürfte.

Der Beschuldigte lebte allein in einer Eigentumswohnung, die seinen Eltern gehört. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden 18 Cannabispflanzen gefunden. Hinweise auf andere Betäubungsmittel haben sich nicht ergeben. Ob der Beschuldigte zur Tatzeit unter dem Einfluss von Drogen stand, steht noch nicht fest. Dem Beschuldigten wurde nach der Tat eine Blutprobe entnommen, die derzeit ausgewertet wird.

Auf dem Laptop des Beschuldigten wurden bislang keine Hinweise darauf gefunden, dass er die Tat angekündigt hätte. Auch die bislang vernommenen Zeugen, die den Beschuldigten kennen, haben diesbezüglich keine Äußerungen des Beschuldigten erwähnt.

Bilder vom Polizeieinsatz in Mittelfranken


Mitglied im Schützenverein seit 2008
Der Beschuldigte war seit 2008 Mitglied eines Schützenvereins in Heilsbronn. Die hierzu durchgeführten Ermittlungen haben ergeben, dass er im ersten Jahr seiner Mitgliedschaft regelmäßig beim Übungsschießen war. Im Jahr 2009 erhielt er dann die bereits angesprochene Waffenbesitzkarte und erwarb eine Pistole, Kaliber .45 Automatik und einen Revolver, Kaliber .357 Magnum.

Den durchgeführten Ermittlungen zu Folge nahm die Häufigkeit der Besuche im Schützenverein in der letzten Zeit kontinuierlich ab. Zu anderen Vereinsmitgliedern hatte der Beschuldigte nahezu keinen Kontakt. Die beiden genannten Waffen wurden am Tattag in Bad Windsheim sichergestellt. Im Fahrzeug befanden sich noch ca. 200 Schuss Munition, je ca. 100 Schuss für den Revolver und für die Pistole.

Aktuelle Erkenntnisse zum Tatablauf
Momentan haben sich noch keine Zeugen gemeldet, die den Täter vor 10 Uhr am Freitag gesehen haben. Daher gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob er vor dem Vorfall gegen 10.00 Uhr in Tiefenthal bereits mit anderen Menschen gesprochen hat. Es gibt insbesondere keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Täter eines seiner Opfer gekannt hat. Ein Zusammenhang der Taten mit dem gleichzeitig verübten Banküberfall in Wörnitz kann ausgeschlossen werden.

Bisherige Erkenntnisse: So lief die Tat zwischen 10 und 11.45 Uhr ab
Tiefenthal, etwa 10 Uhr: Die Tat wird von einer Zeugin beobachtet, die angeben kann , dass der Täter vor dem Schuss kurz mit der 82-jährigen Frau gesprochen hat. Das Opfer stirbt noch am Tatort.

Rammersdorf, etwa 10.15 Uhr: Der Täter gibt drei Schüsse auf den 72-jährigen Fahrradfahrer ab, der ebenfalls kurze Zeit später noch am Tatort stirbt.

Winden, etwa 10.20 Uhr: Der Täter schießt aus seinem Fahrzeug auf eine andere Pkw-Fahrerin. Er verfehlt jedoch das Fahrzeug, so dass die Pkw-Fahrerin unverletzt bleibt. Die Pkw-Fahrerin flüchtet daraufhin mit ihrem Fahrzeug.

Hinterholz, ca. 10.25 Uhr: Der Täter schießt auf eine Hauswand. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich Menschen in der Schussrichtung befunden haben. Da der Hausbesitzer Hunde hält und der Schuss ca. 30 Zentimeter über dem Boden in die Hauswand einschlägt, bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Täter einen Hund treffen wollte.

Binzwangen, ca. 10.30 Uhr: Der Täter bedroht zwei vor einem Grundstück stehende Personen und fordert sie auf, die Hände hoch zu nehmen. Diese halten das für einen Scherz. Der Täter fährt daraufhin weiter, ohne einen Schuss abzugeben.

Hainklingen, Parkplatz Schmalnbühl ca. 10.45 Uhr: Der Täter schießt einmal auf einen Traktorfahrer, trifft jedoch lediglich die Frontscheibe des Fahrzeugs. Der Traktorfahrer wird durch umherfliegende Splitter am Arm leicht verletzt. Er wird nach ambulanter Versorgung aus dem Klinikum entlassen.

Rappenau, ca. 11.30 Uhr: Der Täter bedroht an einer Baustelle einen Bauarbeiter einer Pistole. Der Geschädigte nimmt die Bedrohung jedoch nicht Ernst und hält das Ganze für einen schlechten Scherz. Nach einem kurzen Wortwechsel fährt der Täter weiter, ohne einen Schuss abzugeben.

Esso Tankstelle, Bad Windsheim, ca. 11.45 Uhr: Der Täter betritt die Tankstelle und bedroht die Anwesenden mit seiner Pistole. Er wird dabei von einer ca. 60 - 70 Jahre alten Kundin angesprochen, die sinngemäß äußert, er solle die Waffe wegtun, mit so etwas laufe man nicht herum. Darauf soll der Täter geäußert haben, sie solle doch rausgehen, sie könne ja die Polizei anrufen. Nachdem die Frau weiter auf den Täter eingeredet hat, soll dieser geäußert haben, sie solle jetzt ruhig sein oder er knalle alle ab. Diese Zeugin verlässt daraufhin die Tankstelle.

Kurze Zeit später legt der Täter seine Pistole auf den Tresen und greift in seine Hosentasche. Diesen Moment nutzt die Kassiererin, um die Waffe an sich zu bringen und zu fliehen. Der Täter rennt daraufhin zu seinem Auto, in dem sich der Revolver befindet, wird jedoch von zwei Mechanikern überwältigt, bevor er sein Auto erreicht.

Anhaltspunkte dafür, dass der Täter in der Tankstelle einen Raub begehen wollte, haben sich nicht ergeben.
Die oben genannte 60 - 70 Jahre alte Kundin konnte bislang noch nicht ermittelt werden. Da ihre Aussage von erheblicher Bedeutung ist, wird sie gebeten, sich mit der Kriminalpolizei Ansbach in Verbindung zu setzen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen davon auszugehen ist, dass der Täter zwischen 10.00 Uhr und 11.45 Uhr insgesamt mindestens 7 Schüsse abgegeben hat.

Motiv weiter unklar
Ein genaues Motiv für den Amoklauf ist noch unklar, auch könne laut Staatsanwaltschaft auch noch nicht beantworten, ob sich diese Frage im Lauf der Ermittlungen klären wird.



Die Chronologie der Ermittlungen:

Sonntagmittag: Amokläufer wurde 2013 vom Innenministerium überprüft
Der Amokläufer ist dem bayerischen Innenministerium zufolge zuletzt im Jahr 2013 von den zuständigen Behörden überprüft worden. "Da war alles in Ordnung", sagte ein Ministeriumssprecher am Sonntag. Der nächste Check wäre turnusgemäß Ende 2016 fällig gewesen.

Die Behörden müssen Sportschützen wie ihn nach Ministeriumsangaben alle drei Jahren auf ihre Zuverlässigkeit, persönliche Eignung, Sachkunde und das Vorliegen eines "berechtigten Bedürfnisses" überprüfen.

Fällt eines dieser Kriterien weg, etwa weil ein Schütze psychisch erkrankt, wird die Waffenbesitzkarte ungültig. Der Ministeriumssprecher räumte jedoch ein, dass es schwer sei, vor einer Aufmerksamkeit erregenden Tat von einer solchen Störung zu erfahren - zumal die Betroffenen für die Überprüfung nicht persönlich beim Amt vorsprechen müssen.

Deshalb sei man auf die Mitarbeit der Schützenvereine angewiesen, erläuterte der Sprecher. Sie seien angehalten, Auffälligkeiten zu melden. Zumindest in seiner Heimatstadt aber war der 47-Jährige nach Angaben der örtlichen Vereine nicht aktiv. Dies sei aber wenig verwunderlich, weil dort mit dessen Waffenarten nicht geschossen werde, erklärte der Ministeriumssprecher. Der Mann könne deshalb auch einem anderen, überregionalen Verein angehören




Samstagnachmittag: Täter war nicht in Schützenverein in Ansbach
Nach Angaben örtlicher Schützenvereine ward er 47-Jährige kein Mitglied. "Der ist in ganz Ansbach nicht bekannt", sagte Norbert Rzychon vom SV Germania 1882 am Samstag.

Wenige Stunden nach der Tat am Freitag im mittelfränkischen Leutershausen hätten sich die Vereine aus Ansbach und den Ortsteilen zusammengeschaltet. Doch niemand kannte Rzychon zufolge den Mann, der zuletzt in Ansbach wohnhaft war und eine Waffenbesitzkarte hat. Er besaß seine Pistole und seinen Revolver somit legal, hätte sie aber nur in einem Sportheim benutzen dürfen.


Samstagmittag: Psychiatrischer Sachverständiger überprüft den Mann
Am Samstagmittag hat die Staatsanwaltschaft Ansbach eine Pressemitteilung in Sachen des Amoklaufs im Landkreis Ansbach herausgegeben.

Der Beschuldigte wurde von einem psychiatrischen Sachverständigen untersucht. Dieser geht davon aus, dass bei dem Beschuldigten eine akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem vorliegt.

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit zumindest erheblich vermindert war", heißt es in der Mitteilung weiter. Weitere Untersuchungen sind notwendig. Das Sachverständigengutachten wird erst ein zwei bis drei Monaten vorliegen.

Der Beschuldigte ist am Samstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Er wird von einem Rechtsanwalt aus Nürnberg verteidigt.

Der Ermittlungsrichter erließ einen Unterbringungsbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes in zwei Fällen, des versuchten Mordes in zwei Fällen sowie der Bedrohung und der Nötigung. Der Beschuldigte wurde in das Bezirkskrankenhaus Ansbach gebracht.

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Samstagmittag: Mann äußert sich nicht zur Tat, 25-köpfige Ermittlungskommission
Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab der Beschuldigte an, Gesundheits- und Krankenpfleger zu sein. Gerüchteweise soll der 47-Jährige zuletzt in Bad Windsheim gearbeitet haben. Seinen Angaben zu Folge sei er jedoch seit ein bis zwei Monaten arbeitslos. Den letzten Arbeitgeber ausfindig zu machen, sei nun Sache der 25-köpfigen Ermittlungskommission, sagte Oberstaatsanwalt Alfred Huber im Gespräch mit inFranken.de. Insbesondere werde untersucht, ob es bei der ehemaligen Arbeitsstelle "schon Hinweise auf auffälliges Verhalten" bei dem mutmaßlichen Amokschützen gegeben habe.


Freitagnachmittag: Kirchweihzug und Bieranstich in Ansbach abgesagt
Der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Hess (CSU), zeigte sich entsetzt von der Tat. "In einem Ort mit 5500 Einwohnern, in dem wie immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen", sagte Hess.

Er sei "fassungslos und von den Socken". In so einem ländlichen Gebiet könne man sich so etwas gar nicht vorstellen. "Und dann passiert so etwas vor der Haustür. Da fällt einem nichts mehr ein." Er habe den Hinterbliebenen bereits kondoliert.

"Wir waren völlig geschockt, als ich den Anruf von Herrn Landrat Dr. Ludwig und die weiteren Informationen von unserer Integrierten Leitstelle sowie der Polizei in einer Sitzung erhielt", so Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer und allen Betroffenen."

Aufgrund der tragischen Vorfälle verzichtet die Stadt am Freitag auf den geplanten Kirchweihzug und den offiziellen Bieranstich der Oberbürgermeisterin. Zusammen mit Dekan Hans Stiegler wird Oberbürgermeisterin Seidel um 17 Uhr eine Gedenkminute abhalten und um Anteilnahme bitten. Der Kirchweihbaum wird still aufgerichtet.


Freitagnachmittag: Auf der Pressekonferenz werden erste Details bekannt
Innenminister Joachim Herrmann gibt auf der Pressekonferenz bekannt, dass der Täter Jahrgang 47 Jahre alt und aus Ansbach stammt. 47-Jährige verhielt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft psychisch auffällig. Im Polizeiauto habe er "wirre Äußerungen" ohne erkennbaren Zusammenhang von sich gegeben. Das Auto sei auf seinen Vaterzugelassen.

Bisher sei der Beschuldigte kriminalpolizeilich nicht aufgefallen. Der Sportschütze habe legal einen Revolver und eine Pistole besessen, für die er eine sogenannte Waffenbesitzkarte gehabt habe. Diese berechtige ihn zur Nutzung der Waffe im Sportheim, verbiete aber ein ständiges Bei-Sich-Tragen.

Details über den Verlauf des Freitags werden bekannt gegeben. Die Täter und das erste Opfer, eine Rentnerin, haben sich gekannt. Der getötete 72-jährige Fahrradfahrer stammt aus dem Ortskern von Leutershausen.

Das Motiv des Mannes ist unklar. Nach ersten Erkenntnissen gibt es keine Beziehung zwischen dem Täter und seinen Opfern. Er habe "willkürlich, aber gezielt" auf sie geschossen. "Es ist daher von einem Amoklauf auszugehen", sagt Herrmann. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Täter Beziehungen zu den beiden Opfern hatte", ergänzt die Polizei.


Freitagmittag: Täter wird an einer Tankstelle festgenommen
Der Täter kann an einer Tankstelle in Bad Windsheim festgenommen werden.

Der Amokschütze sei mit gezogener Waffe in die Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt gekommen und habe das Personal bedroht. Als er die Waffe kurz auf dem Tresen abgelegte, schnappte eine Kassiererin die Pistole und versteckte sich damit. Daraufhin hätten die Mechaniker den Mann überwältigt und festgehalten, bis die Polizei kam.


Freitagvormittag: Großfahndung der Polizei
Die Polizei sucht nach dem flüchtigen Mercedes und bietet Zeugen, die das Fahrzeug gesehen haben, sich mit dem Polizeinotruf 110 in Verbindung zu setzen. Niemand soll sich dem Mann nähern, er ist bewaffnet. Insgesamt vier Polizeihubschrauber sind im Einsatz, um nach dem Amokläufer zu fahnden.


Freitagvormittag: Amoklauf im Kreis Ansbach
Ein Mann schießt aus seinem silbernen Mercedes-Cabrio heraus auf eine 82 Jahre alte Rentnerin in Tiefenthal. Die Frau stirbt, der Mann flüchtet.Unweit des ersten Tatorts wird in Rammersdorf auf einen Fahrradfahrer geschossen, der wenig später stirbt. Ein Landwirt wir d beschossen. Das Geschoss traf nur die Scheibe des Traktors; der Bauer wurden von den Glassplittern leicht verletzt. Ein weiterer Autofahrer sei bedroht worden.

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