Das scheint wichtig zu sein, wegen Fluchtweg, Sicherheit und so weiter. Also ist Frau During auf dieser Treppe unterwegs. Hoch, runter, hoch, runter, zwischendurch scheucht sie Fans von den Stufen. Freundlich, aber die Handbewegung ist bestimmt. Und zwischendurch entfernt sie eine Fahne von einem offiziellen Schriftzug. Die Fahne hängt ins Uefa-Lila. Das darf nicht sein. Ein paar Zentimeter zwar nur, trotzdem. Frau During lupft das Tuch ein Stückchen. Besser. Wieder alles zu lesen. Y79 steht da. Ein Treppenaufgang. Das scheint wichtig zu sein.

Unten auf dem Feld spielt Russland gegen Tschechien. Frau During hat keinen Blick für das Spiel, nur für die Treppe. Und auch an der Familie in Block 335, Reihe 36, Sitze 1 bis 3 scheint das Spiel vorbeizulaufen. Die Mutter will den historischen Stadionmoment mit dem Handy festhalten, der Sohn versucht seinen kleinen Kopf in einen viel zu großen Zylinder zu stecken und der Vater müht sich mit einer Tüte Chips ab. Chips und Popcorn scheinen die Snacks dieser Europameisterschaft zu sein, für den großen Hunger gibt es Hotdog. Wer mehrere kauft, bekommt eine clever gefaltete Schachtel dazu für den Weg von der Bude zum Sitz. Alles sehr amerikanisch.

Das Rahmenprogramm beginnt fast 40 Minuten vor dem Spiel, die UEFA hat zwei Fans of the Match bestimmt, Tänzerinnen toben über den Rasen, verbiegen riesige Papiertafeln. Als die Mannschaften vorgestellt werden, sieht man Cheerleader tanzen. Football stelle ich mir so vor. Hinsetzen, berieseln lassen, heimgehen. Zur Sicherheit wird in der Halbzeit eingeblendet, dass jetzt Halbzeit ist. Viel falsch machen kann man da als Zuschauer nicht mehr.

Die Fußball-Europameisterschaft zieht drei Wochen lang alles in ihren Bann - auch unsere Redakteure Tobias Köpplinger und Leopold Teuscher. Was die beiden rund um die Spiele und am Rande des Wettbewerbs so erleben, bloggen sie als "Einwurf" und "Abseits" auf em.infranken.de.