Kaum ein Jahrzehnt war von solch nachhaltigen Veränderungen geprägt wie die "Siebziger". Die Computer-Ära beginnt, spätere Weltfirmen wie Apple oder Microsoft werden gegründet. Es ist die Zeit der Schlaghosen, Langhaar-Frisuren und Plateauschuhe. Die Ölpreiskrise sorgt 1973/1974 für das Aus des Kultautos VW Käfer. Sein Nachfolger, der Golf, definiert eine neue Fahrzeugklasse, die den Sparzwängen geschuldet ist. Aber: Mit über 30 Millionen Exemplaren wird er der meistgebaute Pkw der Welt.

Dass viele Autos aus dieser Zeit 40 Jahre später teils wertvolle Raritäten sein werden, daran denken die Wenigsten. Die Fahrzeuge sind - wie die aktuellen Modelle - Gebrauchsgegenstände, das Thema Oldtimer ist nicht relevant.

Im Vergleich zu heute hat das Auto jedoch einen größeren Stellenwert, wie Walter Schaller vom Oldtimer Stammtisch Kulmbach bestätigt: "Es wurde gehegt und gepflegt, es war ein Statussymbol. Wer es sich leisten konnte, hat schon drauf geschaut, was der Nachbar fährt, und überlegt, wie viel mehr er beim nächsten Autokauf drauflegen könnte. Das Auto war ein Spiegelbild dessen, was man sein wollte."


Teurer als heute

Ein möglicher Grund: Die Fahrzeuge waren teurer als heute. "Ein Normalverdiener hatte 1972 um die 500 Mark im Monat. Für einen Golf L ist ein guter Jahresverdienst draufgegangen", erinnert sich der 67-Jährige, dessen erstes Auto ein fast 20 Jahre alter Mercedes 170 S war. Im Fahrzeugschein war dem Namen des Erstbesitzers die Bezeichnung "Fabrikdirektor" beigefügt. Nach dessen Tod war die Zweitbesitzerin die "Fabrikdirektorswitwe", der dann "Walter Schaller, Soldat" folgte.

"Der Mercedes stand über zehn Jahre im Garten. Er kostete 250 Mark und hat mich ein halbes Jahr lang problemlos von Kulmbach nach München gebracht." Heute wäre der "Benz" im Zustand 2 rund 35 000 Euro wert.

Für Schaller, der sich danach mit einem Fiat 124 Spider sein Traumauto der 70er Jahre gönnte, später noch einen Triumph TR6 und als "Vernunftauto" einen Renault R4 fuhr, war es eine "sehr interessante, markante Zeit", in der die Formensprache noch klar gewesen sei. "Heute kann man die Autos von hinten teilweise gar nicht mehr unterscheiden."

Bestens in Erinnerung ist ihm die Ölkrise. Am ersten Wochenende des Monats durften nur die Autos mit geraden Endziffern im Kennzeichen fahren, am zweiten nur die mit ungeraden. "Gottseidank hatten wir damals zwei Autos, eines mit der Endziffer sieben, das andere mit der Zwei."

Trotz der Ölkrise - der Kraftstoff verteuerte sich in zwei Jahren um 50 Prozent - hatten Motorsportveranstaltungen Hochkonjunktur. Zum Beispiel das Bergrennen in Stadtsteinach, das ab 1974 die Brüder Karl und Alfons Burger vom MSC Presseck organisierten. Tausende von Fans pilgerten Anfang Mai zur Strecke zwischen dem Steinbruch und dem Einzel Große Birken.


Simca Rallye 2 hat überlebt

Einer der Fahrer war Richard Feulner. Der 69-jährige Kulmbacher besitzt immer noch seinen Rennwagen, einen Simca Rallye II. Zweimal startete er mit dem kleinen Flitzer in Stadtsteinach, einmal errang er den Siegerkranz. "Das Auto gab es zum Neupreis von 6990 Mark, damit konnte man relativ günstig Motorsport betreiben. Und er war mit seinen 87 PS der Schnellste in der 1300er-Klasse - noch vor dem NSU TT", erzählt Feulner. Seinen Simca erwarb der gelernte Motorenbauer jedoch als Unfallwagen, den er für Bergrennen und Slalom-Veranstaltungen wieder aufbaute.

Heute ist der Kleinwagen vom Straßenbild verschwunden. "Die sind alle weggerostet oder wurden bei Rallyes verheizt", weiß Feulner, der seinen grünen Floh nie im Winter fährt. "Ich hab' das Auto so geliebt, dass ich es bis heute behalten habe. Viele wollten es mir schon abkaufen, aber ich gebe es nicht mehr her."

Sein erstes Rennen fuhr Feulner, der bereits 1968 die Fahrerlizenz erwarb und Mitglied des MSC Presseck war, mit einem Fiat Abarth am Ellerberg in der Fränkischen Schweiz. "Motorsport war damals sehr aktuell. Überall wurden Clubs gegründet, die jedes Wochenende Slaloms, Rallyes oder Orientierungsfahrten organisierten. Die Leute strömten zu Tausenden dorthin."


MSC-Mitglieder als Statisten

Feulner, der später auf Auto-Cross umstieg und seit Mitte der 80er Jahre historischen Motorsport betreibt, war mit weiteren MSC-Mitgliedern sogar einmal Statist in der ARD-Fernsehserie "Auf Achse": Für den ersten Teil mit dem Titel "Vollgas" drehte das TV-Team einige Szenen beim Frankenwald-Bergrennen 1979.


Ölpreiskrise

1973 wurde die erste Ölpreiskrise anlässlich des Jom-Kippur-Krieges ausgelöst. Die Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) drosselten die Fördermengen um etwa fünf Prozent, um die westlichen Länder wegen ihrer Unterstützung Israels unter Druck zu setzen. Am 17. Oktober 1973 stieg der Ölpreis von rund drei US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf über fünf Dollar, 1974 sogar auf über zwölf Dollar.

In Deutschland waren ein Energiesicherungsgesetz sowie vier autofreie Sonntage und Tempolimits die Folgen. Quelle: Wikipedia