In der Heide spielte der Heimatfilm, den Eduard Nöth als Jugendlicher gesehen hat. Und er erinnert sich auch an den heutigen Klassiker "Ben Hur". Damals war Nöth Jugendlicher und in Forchheim gab es vier Kinos. Neben dem "Union" und dem "Apollo", das die Familie Dengler nun in vierter Generation führt, gab es auch das "Luli", in dem heutigen C&A-Kinderladen in der Wallstraße und das "Capitol" in der Bamberger Straße, jetzt der städtische Kindergarten.


Gut besuchte Vorstellungen

Trotz der vielen Kinos waren die Filmvorführungen gut besucht. "Es waren viele Besucher im Kino. Bei den Großeltern noch mehr. Das Fernsehen war noch nicht so stark entwickelt", sagt Oskar Dengler, der vor die Kinos vor drei Jahren an seine Tochter Manuela Dengler-Rednin übergeben hat. Gegründet hatte das Kino Denglers Großvater Gustav Dengler. Noch vor dem zweiten Weltkrieg hatte er das Kino aufgebaut. Im Krieg war er dann gezwungen, einen Pächter einzusetzen. Das "Union" hat er nach dem Krieg gebaut. Mit dem "Apollo", dem "Union" und dem "Domino" konnten über 800 Plätze für die Besucher angeboten werden.
Die vielen Kinos standen auch in Konkurrenz. "Es war ein Kampf um die Filme. Die Verleiher nutzten das aus", erinnert sich Dengler. Die Kinobesitzer wurde gedrückt, mussten eine gewisse Anzahl an Filmen nehmen. Wenn sie starke Filme wollten, die viel Publikum anlocken, dann mussten die Kinobesitzer auch mehrere schwache Filme abnehmen.
Damals erhielten die Theaterbesitzer Besuch von Vertretern, die für die Filme warben. Als Kleinstadt mussten die Forchheimer Kinobesitzer für einen Disney-Film 50 Prozent der Einnahmen an die Filmverleiher abgeben. Mit 47,7 Prozent den niedrigsten Satz verlangte Warner für seine Filme. "Die Disney-Filme sind die teuersten. Dann wurden die Disney-Filme auf 53 Prozent erhöht", sagt Dengler. Die Kinobesitzer boykottierten daraufhin die Verleiher und wollten keine Disney-Filme mehr. Es änderte nichts. "Man muss eine gewisse Anzahl an Besuchern haben", sagt Dengler. Bei schönem Wetter sind die Kinos weniger gut besucht und wenn Fußball-WM beispielsweise ist, bringen die Filmemacher und Verleiher keine starken Filme heraus. Insofern müssen die Kinobesitzer die starken Filme im Programm haben.
Irgendwann Ende der 60er und in den 70ern begann das große Kinosterben, erinnert sich Dengler. Vor allem in den kleineren Orten schlossen die Kinos.


Zwei Kinos in Gräfenberg

In der kleinen Bergstadt Gräfenberg gab es zu jener Zeit sogar zwei Kinos. Eins in dem Saal der Familie Gundelfinger, das aber nach einem Brand geschlossen wurde, und ein Kino führte die Familie Brehmer. Dort, wo das Lindenbräu-Bier nun abgefüllt wird, war früher der Kinosaal. Treppen führten zum Vorführraum.
Sieglinde Streidel erinnert sich noch an den Film "Der Graf von Monte Christo", den sie im Kino Brehmer geschaut hatte. Und ihre Freundin weiß, dass viele Western gezeigt wurden.
Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) war damals gerade in der zweiten oder dritten Klasse und besuchte mit der Schule das Kino "Brehmer". "Waldbrandgefahr" lautete der Filmtitel, erinnert sich der Bürgermeister. "Unsere ganze Klasse ist den Berg runter ins Kino gewandert. Ich war tief beeindruckt", sagt Nekolla. Nicht nur von dem Film, der auf der richtig großen Leinwand flimmerte, sondern von dem Kino überhaupt. Es wirkte so professionell auf ihn.
Stuhl an Stuhl war dort aneinandergereiht, um die Bevölkerung ein paar vergnügliche Leinwandstunden zu bescheren.
Friedrich Brehmer, der Großvater der Lindenbräu-Chefin Irene Brehmer-Stockum, hatte das Kino mit und Edwin Kellermann betrieben. Die Filme brachte der Seniorchef des Kinos aus Eckental mit oder der Friseurgeselle der Kellermanns musste mit dem Fahrrad nach Nürnberg radeln, um Filme auszuleihen. Doch dann hielten die Fernseher langsam Einzug in die Wohnstuben. "Heute gibt es einfach ein größeres Freizeitangebot", sagt Dengler. Videos, DVDs und Internet sind ebenso Konkurrenz. Einfach bleibt es nicht. Aber auch heute kommen trotz der vielen Freizeitmöglichkeiten und der Konkurrenz in Erlangen und Bamberg viele Kinogänger gerade aus Nürnberg in die Forchheimer Kinos, weil die Vorstellungen preisgünstiger sind, erzählt der Forchheimer Kino-Betreiber.