Nach den kargen Nachkriegsjahren kam das Wirtschaftswunder. Und mit der Wohlstandsgesellschaft kamen die Probleme: Gutes Leben, übermäßiger Konsum, in der Folge davon zu viele dicke Menschen und zu viele, die einem Herzinfarkt zum Opfer fielen. Mehr Bewegung musste her!
Unter dem Motto "Trimm Dich - durch Sport" startete der Deutsche Sportbund 1970 ein Präventionsprogramm. Die Botschaft "Ein Schlauer trimmt die Ausdauer" wurde durch Werbespots im Fernsehen unter die Leute gebracht.
Die Werbung zeigte auch in Kulmbach Wirkung. Zum Beispiel in Forstlahm, wo sich 1974 ein Trimm-Dich-Club gründete, der heute noch besteht. Man verabredete sich zum Volleyballspielen und zum Hockey, radelte gemeinsam, ging wandern, aber man feierte auch gemeinsam, wie Hartmut Rochholz, einer der Gründer, berichtet. Das Sonnwendfeuer im Steinbruch Grüner war bald beliebt weit über Forstlahm hinaus.
Der Buchwald wurde in jenen Jahren zum Dorado vieler Hobbyläufer, die sich auf der Plassenburg zum "Trimm-Trab" trafen. Ins Leben gerufen hatte den "Lauf-Treff" wie er sich offiziell nannte, die Leichtathletikabteilung des ATS Kulmbach. Gelaufen wurde auf unterschiedlich langen Strecken.Die längste, elf Kilometer lange Runde, führte durch den nördlichen Buchwald bis Ebersbach, dann auf die Höhe hinauf zum Tierheim und zurück zur Plassenburg. Erkennungszeichen der Läufer: bunte Kleidung und bisweilen auch brandneue, farbenfrohe "Trimm-Trab"-Schuhe, die Adidas eigens für die neue Disziplin entwickelt hatte.
Sport wurde nun nicht mehr nur in Vereinen betrieben. Die Sport- und Fremdenverkehrsabteilung der Stadt bot in Zusammenarbeit mit dem Verein "Naturfreunde" Trimm-Kurse an. Start war im Oktober 1974 mit der Skigymnastik. Zeitgleich wurde im Spitalwald der Trimm-Dich-Pfad eröffnet, für den damals die SPD-Stadtratsfraktion die Idee geliefert hatte. Fit bleiben durch Laufen und Sporteln an verschiedenen Geräten - das war die Idee für diese Freizeiteinrichtung, die heute noch ein beliebtes Ziel für viele Kulmbacher ist.
Schon 1969 freuten sich die Kulmbacher über ein neues Hallenbad. Für die Schwimmer des ATS Kulmbach bot sich damit erstmals die Möglichkeit, auch im Winter zu trainieren - was zu einer merklichen Leistungssteigerung führte, wie sich der langjährige Leiter der Schwimmabteilung, Günter Limmer, erinnert.
Mit der Einweihung des neuen Freibads hatte der ATS ab 1972 dann auch die Möglichkeit, große Schwimmveranstaltungen auszurichten - auch wenn bei der ersten Bayerischen Meisterschaft in Kulmbach der deutsche Rekord einer Würzburgerin nicht anerkannt wurde, weil das neue Acht-Bahnen-Becken noch nicht nach den Regeln des Deutschen Schwimmverbandes vermessen war.
In den Jahren nach der Freibad-Eröffnung waren viele Stars des Schwimmsports in Kulmbach zu Gast: Olympia-Teilnehmerin Heidi Reineck, der mehrfache deutsche Meister Lutz Stocklasa oder die Schwimm-Legende Werner Lampe, die sich nicht zu fein war, bei Kinder-Wettkämpfen den Kleinsten ihre Urkunden zu überreichen.
Die nicht im ATS organisierten Kulmbacher Schwimmer wussten das neue Freibad übrigens auch zu schätzen: Gerhard Spindler, langjähriger Schwimmmeister, berichtet von einem festen Stamm von Frühschwimmern, die schon morgens vor der Arbeit ihre Bahnen für die Fitness zogen.
Gesund war dieses Frühschwimmen allemal. Spaß scheinte es auch zu machen. Einige der Frühschwimmer von damals jedenfalls sind auch heute noch regelmäßig dabei.