Wenn der neue Bürgermeister der bisherige Stellvertreter des alten ist und auch noch derselben politischen Fraktion angehört, dann ist ein reibungsloser Übergang zu erwarten. Max Zeulner (CSU) folgt auf Thomas Kneipp, die Hochstadter haben ihn mit 77,4 Prozent gewählt. Seit seiner Heirat mit einer Hochstadterin 1993 ist er einer von ihnen.

Eine offizielle Übergabe der Amtsgeschäfte findet dieser Tage statt; die konstituierende Sitzung des Gemeinderats ist für den 12. Mai geplant - in der Katzogelhalle. Daran wird deutlich, dass auch in Hochstadt, drittkleinste Gemeinde im Landkreis, in Corona-Zeiten nicht alles im gewohnten Modus laufen kann. Mit dem neuen Chef an der Spitze zählt das Ratsgremium nur 13 Personen. Da lassen sich die Reihen in der Mehrzweckhalle leicht großzügig auf Abstand stellen, vielleicht besteht sogar für einige Besucher die Möglichkeit dabeizusein.

Was das Miteinander in dem zu einem Drittel veränderten Gemeinderat anbelangt, möchte Zeulner gerne auf Bewährtem aufbauen und keine Beschlüsse mit der absoluten Mehrheit der eigenen Fraktion durchdrücken. "Es hat in Hochstadt in der Vergangenheit häufig 13:0-Beschlüsse gegeben", sagt er, "und auch in Zukunft ist es mir wichtig, Lösungen zu finden, die alle mittragen können." Übung im Vermitteln und Kommunizieren darf man bei ihm voraussetzen. Schließlich war er zuletzt als Gruppenleiter in der Rechtsschutzversicherung auch für Beschwerdemanagement zuständig und hat diesen Job eigenem Bekunden zufolge sehr gern gemacht. Nach fast 35 Jahren bei der HUK war es ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn Bürgermeister ist er auch gern, konnte sich in den vergangenen sechs Jahren darin ja schon ein bisschen üben.

Was die Schwester betrifft...

Aus der Politik ist der Name Zeulner über Hochstadt hinaus ein Begriff - durch die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). Na klar werde er oft auf seine Schwester angesprochen, antwortet Max Zeulner auf unsere Frage. Er macht aber auch deutlich: "Wir sind in manchen Bereichen unterschiedlicher Meinung, halten aber auch sehr gut zusammen. Sie ist für mich eine Ansprechpartnerin und ich bin für sie ein Ansprechpartner."

Notwendiges und Wünsche

Die Lebensqualität in Hochstadt erhalten und wenn möglich verbessern - das war sein Wahlkampfmotto und ist sein Anspruch. Versprechungen macht Zeulner keine. Gerade jetzt in der Krise gehe es darum, die bestehende Infrastruktur zu erhalten. Die eigene Wasserversorgung etwa. Da gibt es derzeit nicht etwa Probleme in Sachen Nitratbelastung wie in manch anderen Orten, es stehen aber nötige Sanierungen an am Hochbehälter, der Aufbereitung sowie am Leitungssystem. All das kostet viel Geld.

Eine große Investition war für Hochstadt auch der Neubau des Bauhofes und das damit einhergehende Zusammenfügen des alten Gebäudes zu einem vergrößerten Feuerwehrhaus. Die Kosten belaufen sich auf eine halbe Million Euro.

Kinderbetreuung

Die auf mehrere Gebäude verteilten Kindergarten-, Krippen- und Hortgruppen in einem Neubau im nahen Umfeld zu vereinen, wäre ein Wunsch, der nur mit einer sehr hohen staatlichen Förderung in Erfüllung gehen könnte, wie Zeulner einräumt. "Darum will ich mich in den nächsten Jahren bemühen."

Heimat für Ältere

Klasse würde er auch eine Art "Alters-WG" finden. Doch könne die Gemeinde für betreutes Wohnen und/oder eine Tagespflege allenfalls das Grundstück stellen und sei ansonsten auf einen Investor und Träger angewiesen.

Den Bahnhof aufwerten

Das Umfeld des Hochstadter Bahnhofs ist nicht schön. Schon die Beleuchtung zu verbessern, wäre ein erster Schritt, um das Areal aufzuwerten. "Da gibt es bereits Gespräche mit dem Eigentümer", berichtet Max Zeulner. Ein Zugang von der Katzogelhalle aus sowie Barrierefreiheit sind weitere Punkte, die dazu beitragen könnten, dass der Bahnhof wieder als das wahrgenommen werden könnte, was er eigentlich ist: ein Standortvorteil für Hochstadt. Nun ist das Gebäude ja erst einmal vom Staatlichen Bauamt angemietet, das während der Bauphase der B 173 neu dort ein Büro einrichten wird.

Was danach kommt? Von Bürgern vorgebrachte Ideen reichten schon vom Fitnessstudio bis hin zur Gaststätte. Auch eine Wohnnutzung wären möglich, wobei insgesamt erheblicher Umbaubedarf besteht, wie der neue Bürgermeister anmerkt. Aber bei ihm ist nicht nur Vorstellungskraft vorhanden, sondern sogar das Wissen darüber, wie es einmal war, denn er war schon Gast in den einstigen Räumen: "Verwandte meiner Frau waren bei der Bahn beschäftigt und haben dort gewohnt."

Ortsteile

Verbesserungen schweben Zeulner nicht nur für den Kernort vor. In den Ortsteilen Obersdorf oder Wolfsloch wäre vielleicht ein neues Baugebiet machbar, denn die Gemeinde habe so gut wie keine Bauplätze mehr anzubieten. Aber die Finanzierbarkeit steht auch hier im Vordergrund. Es wäre nur unter der Voraussetzung machbar, dass die Kapazität des vorhandenen Kanalsystems ausreicht. An der ein oder anderen Stelle gelte es, die Verkehrssicherheit zu verbessern. Und in Obersdorf könnte man etwas in Richtung Dorferneuerung auf den Weg bringen.

B 173 neu

Nach langem Gezerre stehen die Beschlüsse zur B 173 neu samt der ersehnten Ortsumgehungen für Trieb und Hochstadt; im Mai soll der Trassenneubau starten. Bürgerbegehren, die einen anderen Verlauf zum Ziel hatten, waren gescheitert und Max Zeulner hat sich darauf eingestellt, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als die Baumaßnahmen intensiv zu begleiten, gut mit dem Bauamt zusammenzuarbeiten, um für Hochstadt bestmöglichen Lärmschutz zu erreichen.

Dass jüngst eine neue Diskussion angestoßen wurde, hat auch ihn überrascht. "Ich hätte nicht gedacht, dass das noch einmal in dieser Form diskutiert werden würde", sagt er. Gleichwohl wisse er natürlich, dass sich nach wie vor viele Bürger noch nicht mit der Südtrasse abfinden können. "Ich eigentlich auch nicht", räumt er ein. Es gebe aber ein Urteil, wonach Alternativen verworfen und die Südtrasse planfestgestellt wurde und diese nun gebaut werden kann. Nach den ersten Rodungen sehe man die Dimension dieser Trasse und den Flächenverbrauch. "Von dieser Seite her ist es legitim, da noch mal zu diskutieren. Aber ich weiß nicht, ob und was da überhaupt noch möglich wäre."

Dass Hochstadt eine Umgehung braucht, ist seiner Meinung nach unbestritten. "Dass für Hochstadt auch eine zweispurige Straße reichen würde, ist, denke ich, auch vielen bewusst", setzt er hinzu. Und: "Betroffen wird immer jemand sein."

Zur Person

Max Zeulner 51 Jahre, Versicherungskaufmann, verheiratet, zwei Kinder (20 und 25 Jahre); seit 1. Mai 2020 Bürgermeister von Hochstadt und neu gewählter Kreisrat (als einziger Vertreter aus dem Raum Redwitz-Hochstadt-Marktzeuln-Marktgraitz); Bisheriges Engagement Gemeinderat in Hochstadt und Zweiter Bürgermeister seit sechs Jahren, stellvertretender Vorsitzender des CSU-Ortsverbands;

Hobbys Mountainbiken, Skifahren