Mittlerweile sind im Landkreis Lichtenfels seit fast einem Jahr auch die sogenannten Rufbusse auf verschiedenen Linien unterwegs. Die Busse fahren wesentlich öfter - in bestimmten Zeitlagen aber nur, wenn tatsächlich Bedarf da ist. "Ziel war es, die Fahrmöglichkeiten zu erhöhen. Die Busse fahren ganz normal nach Fahrplan und kosten dasselbe wie eine normale Busfahrt", erklärt Helmut Kurz, Sachgebietsleiter Öffentlicher Nahverkehr beim Landratsamt Lichtenfels. Wer mitfahren will, muss sich im Vorfeld Bescheid geben: "Wenn nur wenige Personen mitfahren, kann der Bus

auch ein Taxi sein. Deshalb müssen sich auch größere Gruppen im Vorfeld anmelden."

Die Organisation läuft über eine Firma in Aschaffenburg. "Dort werden rund um die Uhr Anrufe entgegengenommen - wer anruft, wählt aber eine Lichtenfelser Telefonnummer", berichtet Kurz. Davon, dass manche Linien bis zu 30 Prozent ausgelastet werden, sei vor der Einführung des Projekts nicht gerechnet worden. "Durch den Tourismus kommen aber viele Gäste in die Region, die es gewohnt sind, mit dem Bus zu fahren", resümiert Kurz.

Vier neue Buslinien

Wie der Sachgebietsleiter weiß, baut Bad Staffelstein die Angebote für die Touristen beständig aus. "Seit dem 1. Januar können die Touristen mit ihrer Gästekarte kostenlos den Bus nach Kloster Banz nutzen, ab dem 1. September werden sie auch die Linie 1212, die unter anderem Vierzehnheiligen, Klosterlangheim und Romansthal anfährt, kostenlos nutzen dürfen - das ist ein großer Zugewinn an Nutzen und Attraktivität." Möglich sei dieses Angebot nur, weil die Stadt Bad Staffelstein sich dazu entschieden hat, die Hälfte der anfallenden Kosten zu tragen. "Im Nahverkehrsplan ist festgelegt, dass der Landkreis die Grundversorgung übernimmt. Alles was darüber hinausgeht, müssen die Kommunen mitfinanzieren", erklärt Kurz die Regelung. Ab September 2020 werden insgesamt vier weitere VGN-Linien, teils neu teils überarbeitet, im Landkreis fahren.

Der Nahverkehrsplan wurde im Jahr 2016 aufgestellt. Bereits seit dem 1. Januar 2015 ist der Landkreis laut Kurz Mitglied im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). "Damals war das Angebot noch nicht mit dem heutigen vergleichbar", sagt Kurz. Als der Nahverkehrsplan aufgestellt wurde, habe man festgestellt, dass die Konzessionen der einzelnen Buslinien, die die regionalen Unternehmen besitzen, unterschiedlich lange Laufzeiten hatten. "Die längsten laufen 2025 aus. Zum VGN-Start hatten sich damals bereits einige dazu entschieden, ihre Konzessionen mit in den VGN-Start einzubringen."

Weitere Änderungen geplant

Ab 2025 hat der Landkreis die Möglichkeit, den Fahrplan noch besser abzustimmen. "Auch die noch fehlenden Linien sollen bis dahin untereinander auch mit dem guten Zugangebot abgestimmt werden. Aktuell gibt es noch Stadtteile, in denen mit dem Schülerverkehr kurz nach 17 Uhr Schluss ist mit Busangeboten. Das soll sich nach 2025 ändern", kündigt Kurz an. "Aktuell sind drei Linien noch nicht im VGN-Verbund", beschreibt Kurz die momentane Verteilung. Bereits jetzt arbeiten er und seine Kollegen an den Fahrplänen für 2024 und 2025, da das offizielle Verfahren zur EU-weiten Ausschreibung durch den Landkreis mindestens zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Den Mittelstand fördern

"Weil auch mittelständische Unternehmen aus der Region die Chance bekommen sollten, sich um die neuen Linien bewerben zu können, wurde 2016 beschlossen, die einzelnen Linien in Bündeln auszuschreiben. Der Zuschnitt der neuen Linienbündel erfolgte unter Beachtung der Laufzeit der Konzessionen", sagt Kurz. Der Landkreis übernimmt die Organisation mit den Busunternehmern und den Rufbussen, kümmert sich um Fahrpläne und Haltestellenausstattung und ist Ansprechpartner bei Änderungswünschen sowie möglicher Beschwerden der Nutzer. "Wir richten uns nach den Vorgaben des VGN. Dieser Verkehrsverbund ermöglicht es uns, dass wir ab 1. August 2020 das 365-Euro-Ticket für Schüler sowie Auszubildende auch bei uns anbieten können. Sie können mit diesem Ticket verbundweit fahren." Buslinien, die nicht dem VGN beigetreten sind und damit auch nicht den VGN-Tarif anbieten, können an diesem Angebot nicht partizipieren.

Ein Projekt für die Bürger

Neben den regulären Linien, fahren im Landkreis außerdem Bürgerbusse. Der erste wurde 1996 im Markt Ebensfeld eingeführt. "Damals war ich neu im Haus und hatte den Auftrag bekommen, die Ortschaften an den Hauptort anzubinden", erinnert sich Kurz. Die Bewohner kleinerer Ortsteile waren vor allem auf die Schulbusse angewiesen. Mit den Bürgerbussen sollte ein Mehrangebot an Vor- und Nachmittagsfahrten geschaffen werden.

Um das Projekt zu testen, wurde Ebensfeld ausgewählt. "Nachdem der Plan ein Jahr vorher stand, haben wir Werbung in der Gemeinde gemacht und nach ehrenamtlichen Fahrern gesucht. Der Bürgerbus ist damals dreimal pro Woche gefahren", sagt Kurz. Fahrten wurden für eine D-Mark angeboten. Sukzessive hätten sich immer wieder Fahrerinnen und Fahrer gefunden, sodass die Gemeinde sich dazu entschieden habe, in die Organisation einzusteigen. "Das Landratsamt übernahm weiter die Abrechnung, vor Ort organisierten sich die Fahrer selbst."

Durch die regelmäßigen Fahrten mit dem Bürgerbus haben sich, so erzählt Kurz, Freundschaften gebildet. "Der Bus ist zu einer Art Kommunikationspunkt für die Menschen geworden, die sonst auf ihre Kinder oder Dritte hätten warten müssen, um aus ihrem Dorf zu kommen." Nach und nach wurden in den vergangenen Jahrzehnten in Anlehnung auch Projekte in Weismain, Burgkunstadt, Redwitz und Bad Staffelstein geschaffen. "In Bad Staffelstein wird der Bürgerbus zum 31. August allerdings eingestellt, weil die Strecke durch die neue Linie 1212 abgedeckt wird", berichtet Kurz.