Es klingt einfach: 40 Tage selbstgewählter Verzicht eines Lasters, und wenn es noch so klein ist. Weniger Schokolade, Süßigkeiten, kein Autofahren, möglicherweise sogar das Smartphone für mehrere Wochen beiseite legen, das sind häufige Vorsätze für die Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch vor sechs Tagen bereits begonnen hat. Im Landkreis wird die Fastenzeit unterschiedlich wahrgenommen.

Markus Schäfer ist Inhaber von "Schäfers Café" in der Bad Staffelsteiner Bahnhofstraße. Anhand dessen, was über die Theke wandert oder auch im kurzen Plausch mit den Gästen hat er bemerkt, dass sich nicht mehr so viele an einen strikten Verzicht bestimmter Leckereien halten, wie es früher der Fall war. Lediglich am Aschermittwoch habe er mehr vegetarische Frühstücke herausgegeben als sonst.

"Was aber öfter vorkommt ist, dass jemand während der Fastenzeit keinen Alkohol trinkt", sagt der Gastronom. Ob religiöse Gründe dahinter steckten, bezweifelt er. Vielmehr gehe es wohl um den Anlass, sich selbst zu testen, ob sieben Wochen "ohne" möglich seien.

Fleisch wird trotzdem gegessen

In der Metzgerei Seidel ist von Fastenstimmung wenig zu spüren, meint Verkaufsleiterin Ines Vorig. In vergangenen Jahren habe sie angenommen, dass die Kunden möglicherweise eher mageres Fleisch nach dem Aschermittwoch bevorzugen würden und das deshalb vermehrt ins Angebot aufgenommen. Mit wenig Unterschied: "Das fettere Fleisch ist halt doch der Geschmacksträger."

Anders hingegen empfindet das Margit Schnapp, die im Verkauf der Fischzucht Hopfenmühle arbeitet. "Speziell am Aschermittwoch wird mehr Fisch gekauft", sagt sie. Bemerkbar mache sich ein leichter Anstieg im Verkauf allerdings schon nach Neujahr, sagt Margit Schnapp, wenn sich einige den Neujahrsvorsatz der gesünderen Ernährung gesetzt haben. Ihre eigenen Vorsätze für die Fastenzeit hat sie auch schon gefasst: Alles ein wenig ruhiger angehen lassen nach Fasching.

Das Fasten mit dem gänzlichen Verzicht auf Nahrung ist allerdings noch einmal eine andere Sache. "Richtig zu fasten ist drei, maximal fünf Tage angemessen", sagt Nicole Hornung, Diätassistentin am Bezirksklinikum in Kutzenberg. Das sei aber mit verschiedenen Vorbereitungen wie der Reduzierung von Salz oder Alkohol verbunden, um den Körper langsam auf die Leere im Magen vorzubereiten. Aus körperlicher Sicht sei es immer gut, Genussmittel zu reduzieren, sagt sie in Bezug auf die Fastenzeit. Langfristig gesehen habe das aber nicht den großen Effekt auf den Körper.

Tiefgehend und persönlich

Um Essen und Trinken dreht es sich bei den jährlich wechselnden Mottos der Kirchen nicht in erster Linie. Der Leitgedanke der katholischen Kirche dazu lautet "Gib Frieden", die evangelische Kirche ruft in diesem Jahr zu "Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus" auf.

Der Bad Staffelsteiner Pfarrer Matthias Hagen findet solche gezielten Anregungen für das eigene Verhalten hilfreich. Sich mit seiner grundlegenden Lebenshaltung auseinanderzusetzen sei tiefergehend und persönlicher als der bloße Verzicht einzelner Nahrungsmittel. "Man hat ein Stück des Lebens im Blick", sagt er, könne den jeweiligen Lebenskontext betrachten.

Auf pessimistische Stimmung in seinem Alltag zu achten hat sich Hagen für die Fastenzeit fest vorgenommen. Für die Umsetzung gebe es zwar keine Checkliste, soviel sei klar, aber der Pfarrer erinnert sich hier gerne an die folgende Redensart: "Es geht alles, wenn man will. So nehme ich es gerne wahr."

Kommentare

Pro von Matthias Einwag: Freude am Fasten

Wir sind völlig reizüberflutet. Ja, gewiss, das ist eine Binsenweisheit. Diese Reizüberflutung veranlasst mich, wenigstens in der Fastenzeit auf einiges zu verzichten. Zum Beispiel auf Alkohol und auf allzu üppige Mahlzeiten. Das ist wohltuend für Körper und Seele. Ich muss nicht erst in den zahlreichen Büchern des Benediktinerpaters Anselm Grün nachlesen, um die Vorteile des Fastens zu erfahren. Fasten soll freiwillig und aus Freude geschehen. Damit kann man prüfen, wie abhängig man ist vom Alkohol, vom Handy, vom Fernseher. Fasten bedeutet aber auch, bewusster zu leben, sich ganz auf das zu konzentrieren, was man gerade tut. Ganz nach dem Beispiel des Zen-Meisters, der von einem Schüler gefragt wird: "Was unterscheidet den Zen-Meister von einem Zen-Schüler?" Der Meister antwortet: " Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich."

Contra von Mirjam Stumpf: Immer weniger Konsum

Was faste ich wohl dieses Jahr? Ach ja! Ich faste das Fasten. Die Zeit des maßvollen Genusses zwischen Fasching und Ostern mag ihren religiösen Hintergrund haben (Jesus hat schließlich auch 40 Tage lang in der Wüste dem Teufel widerstanden!). Wer mit der Fastenzeit aber keine religiösen Gedanken verbindet, für den verhält sie sich eher wie eine grundlos selbstauferlegte Fessel. Man versucht, sieben Wochen einem gewählten Genussmittel zu entsagen, um am Ostersonntag alle Hemmungen fallen zu lassen und stolz auf sich selbst so weiterzumachen wie den Rest des Jahres.

Nur, stolz worauf? Das Bewusstsein für den eigenen Konsum sollte das ganze Jahr präsent sein. Den Beginn der Fastenzeit als Impuls für eine langfristige Veränderung zu nutzen - das macht in meinen Augen Sinn. In allen anderen Fällen können die sieben Wochen ansonsten vor allem eins bewirken: Frust.