Den Wald bewusst mit allen Sinnen wahrnehmen und dabei gesundheitlich profitieren - darum geht es beim Waldbaden. "Die Gehstrecke sollte einen bis maximal fünf Kilometer lang sein. Ganz wichtig sind die Pausen", erklärt Naturheilpraktikerin Margit Schreppel. Auf dem Weg werden Bewegung und Atemübungen miteinander verbunden. Die Strecke wird dabei nicht nur einfach so gegangen: "Bäume und Pflanzen geben Terpene ab, die wir durch eine ruhige, tiefe Atmung und über die Haut aufnehmen. Je höher die Konzentration ist, desto größer ist die Wirkung auf unser Immunsystem."

Das Waldbaden kommt Ursprünglich aus Japan und Südkorea. Ein dahingehendes Berufsbild gibt es laut Schreppel hierzulande nicht. "Vor über zwei Jahren habe ich eine Ausbildung zur Shirin-Yoku-Trainerin in Nordrhein-Westfalen gemacht - seitdem biete ich Kurse an", berichtet die Naturheilpraktikerin, die das Waldbaden als eine Therapieform ihres Fachgebiets einordnet. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Shirin-Yoku, in den Wald abzutauchen und dessen gesundheitliche Aspekte zu nutzen.

Das Immunsystem stärken

Dass Terpene sich positiv auf das Immunsystem auswirken, wurde unter anderem in Japan und durch die Ludwigs-Maximilians-Universität München nachgewiesen. "Die Anzahl der natürlichen Killerzellen und deren Aktivität steigt durch die Aufnahme von Terpenen", erläutert Schreppel. Wie die 53-Jährige erklärt, helfen Killerzellen dabei, Viren, Bakterien und Tumorzellen zu erkennen und abzutöten. "Die beste Art, Gegner aller Art zu schwächen, ist, sich selbst stark zu machen - je besser unser Immunsystem ist, desto weniger Chancen hat jedes Virus."

Dem Stress vorbeugen

Das Waldbaden hat nicht nur einen positiven Effekt auf das Immunsystem. "Weil die Stresshormone heruntergefahren werden, wirkt sich Waldbaden auch positiv auf Schlafstörungen aus. Außerdem wird der Teil des vegetativen Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist, aktiviert", zählt Schreppel auf. Für die Lunge und das Atemsystem sei das Waldbaden ohnehin gut. Auch auf die Stimmung hat das Waldbaden eine positive Wirkung: "Weil wir ein Teil der Natur sind, verbinden wir uns beim Waldbaden ein Stück weit mit uns selbst."

Um sich mit dem Wald zu verbinden, werden die Sinne nacheinander aktiviert. Dazu werden auf der Strecke regelmäßig Pausen eingelegt. "Es geht nicht nur um das Sehen. Wir gehen in die Stille und hören die Waldgeräusche, auch riechen, schmecken und fühlen wir den Wald", erzählt die Islingerin. Dadurch, dass der Fokus immer auf einem einzelnen Sinn liegt, werde die Umgebung ganz anders wahrgenommen. "Selbst Leute, die täglich mit dem Hund im Wald unterwegs sind, nehmen diesen anders wahr." Je nachdem, was gerade im Wald wächst, gibt sie den Teilnehmern etwas zum Schmecken oder Riechen in die Hand. "Waldklee schmeckt zum Beispiel sehr zitronig, gerade sind auch Holunderblüten und Waldmeister sehr präsent", sagt Schreppel. Auf diese Weise komme man mit dem Duft- und Geschmackserlebnis in Verbindung.

Die Geräusche und auch der Geruch des Waldes verändern sich mit den Jahreszeiten: "Jede Jahreszeit hat etwas Besonderes. Im Wald verändern die Pilze den Geruch der Luft. Wenn es im Frühjahr gerade geregnet hat, sind die Geräusche des Wassers präsent." Im Winter gibt es wegen der Kälte weniger Pausen. "Es gibt Teilnehmer, die im Sommer da sind und dann im September wiederkommen und den Weg kaum wiedererkennen, weil er völlig anders aussieht", berichtet Schreppel aus ihrem Alltag.

Zeit und Alltag vergessen

Als ausgebildete Märchenerzählerin lässt sie außerdem oft Märchen zu Bäumen, Pflanzen oder der aktuellen Jahreszeit mit einfließen. "Das fördert die Entspannung der Teilnehmer." Auch meditative Einheiten und Bewegungsabläufe, wie sie auch in Japan beim Qui Gong oder Thai Chi praktiziert werden, fließen auf den Routen mit ein.

"Es ist schade, dass wir in Deutschland den therapeutischen Blick auf den Wald verloren und die Forschung dahingehend vernachlässigt haben, schließlich ist man seit Grimms Märchen eng mit dem Wald verbunden", findet Schreppel. Umso mehr weiß sie es zu schätzen, wie sich die Teilnehmer ihrer Kurse aufs Neue mit dem Wald verbinden. "Zeit und Alltag werden komplett vergessen - am Ende weiß keiner mehr, wie lange er unterwegs war." Dafür ist die Achtsamkeit unerlässlich: "Für den Effekt ist es entscheidend, im Hier und Jetzt präsent zu sein." Damit sie individuell auf die Teilnehmer eingehen kann, ist deren Anzahl begrenzt. "Beim Ganztageswaldbaden nehme ich maximal acht und bei den dreistündigen Kursen maximal sechs Teilnehmer - je weniger desto intensiver ist der Kurs", berichtet Schreppel. Sie hofft, dass das Naturerleben in Zukunft wieder prägender wird. "Vor allem Kinder gehen im Wald auf - sie suchen Käfer und stellen Dinge aus den natürlichen Materialien her."

Angebot Margit Schreppel bietet über das Tourismuscenter Bad Staffelstein und das Diözesanhaus Vierzehnheiligen regelmäßig Kursee an. Wer teilnehmen möchte oder weitere Fragen hat, kann sich mitder Naturheilpraktikerin in Verbindung setzen (Tel.: 0176 41602346).