Drei Täler bestimmen die Geografie des Landkreises Kronach. Zwischen den Tälern liegen Berge. Und da liegt die Schwierigkeit - gerade für den Radfahrer, sagt Angelika Kempf von der Kreisstraßenverwaltung des Landkreises Kronach.

Durch das umfangreiche Radwegenetz sind alle drei Täler gut befahrbar. 330 Kilometer beschilderte Radwege gibt es im gesamten Landkreis. Es könnte natürlich immer noch mehr sein, sagt Kempf. Im laufenden Jahr sollen noch weitere beschilderte Strecken hinzukommen. Neue Bauprojekte laufen oder befinden sich in der Planung. Welche zuerst umgesetzt werden, richtet sich nach der Prioritätenliste, die vom Kreistag festgelegt wird, sowie nach der Förderfähigkeit.

Große Hürde Grunderwerb

Mindestens zwei Jahre dauert es, von der Planung bis zum fertigen Radweg. Was dabei häufiger ein Problem ist: Der Grunderwerb. "Sobald ein Grundstückseigentümer nicht verkauft, kann ein Radweg nicht gebaut werden, auch wenn alle es wollen", erklärt Angelika Kempf. Und auch das Geld spielt eine Rolle. Der Freistaat Bayern baut zwar viele Radwege, unterhalten werden müssen sie dann aber von der jeweiligen Gemeinde.

Ausbesserungsarbeiten und Winterdienste müssen also selbst organisiert werden. Und auch Fördergelder gibt es nicht für alle Radwege. Der Bau eines eigenen Radwegs neben einer Straße wird erst bei einer Auslastung von circa 1500 Autos am Tag gefördert. Sodass es durchaus nicht bei jeder Straße einen abgetrennten Radweg gibt.

Von Kronach bis zur Ködeltalsperre und um die Sperre herum, könne man allerdings komplett auf Radwegen fahren. Bis nach Tschirn sei es gefahrlos möglich, abseits vom großen Verkehr zu radeln. Problematischer ist die Lage im Haßlachtal, meint Kempf. Dort müssen sich die Radfahrer mit Radwegen entlang viel befahrener Straßen anfreunden. Außerdem gibt es noch eine Lücke bei Förtschendorf, in deren Bereich der Radfahrer auf die Bundesstraße ausweichen muss.

Eigenes Konzept erstellt

Zur ständigen Verbesserung der Situation für Radfahrer hat der Landkreis Kronach - als einer der ersten in Oberfranken - ein eigenes Fahrradkonzept ausgearbeitet. Neben einer Bestandsaufnahme wurden sinnvolle Hauptrouten, Nebenrouten und ein Ergänzungsnetz definiert, in die auch alle nationalen und internationalen Radwegrouten eingebunden sind. Das Konzept wird stetig weiterentwickelt, um im Landkreis Kronach ein möglichst verkehrssicheres, zusammenhängendes und landkreisübergreifendes Netz an Radwegen mit Anbindungen an die angrenzenden Landkreise und bis nach Thüringen zu schaffen. Vor allem wurde eine komplett neue, einheitliche Beschilderung vorgenommen, die Nah- und Fernziele ausweisen. Jedes Jahr werden rund 800 Schilder auf Richtigkeit, Sauberkeit und Sichtbarkeit überprüft, damit der Radfahrer im Landkreis Kronach immer den richtigen Weg findet.

Durch die aktuelle Coronakrise sind merklich mehr Radfahrer auf den Wegen unterwegs. Der Radverkehr nimmt zu, was auch daran liegt, dass E-Bikes vielen das Radfahren erleichtern, und sich nun auch jene aufs Rad wagen, die sich viele der Radstrecken im Landkreis nicht zugetraut hätten, meint Kempf.

Radfahren zum Vergnügen

Und trotzdem wird sich der Landkreis Kronach nicht zu einer Hochburg für Radfahrer entwickeln. "Auf dem Land sind die Leute auf das Auto angewiesen", sagt Angelika Kempf. Anders als in großen Städten spart man sich hier keine Zeit, wenn man vom Auto aufs Fahrrad umsteigt, um dem Verkehr zu entgehen. Einkäufe werden hier größtenteils mit dem Auto erledigt, wegen der ländlichen Struktur und wegen der vorhandenen Topographie. Die Gründe um hier Fahrrad zu fahren, sind andere: "Im Landkreis Kronach fährt man Fahrrad, weil man Spaß daran hat."

Wer sich nicht über die Berge quälen möchte, der kann sich mit dem Radbus an vielen Punkten im Frankenwald absetzen lassen und von dort die Täler befahren. Für Auswärtige hat der Landkreis Kronach gemeinsam mit der Deutschen Bahn ein Angebot erstellt; jeder der mit dem Franken-Thüringen-Express unterwegs ist und im Kreis Kronach aussteigt, kann sein Fahrrad kostenlos mitnehmen. Aus Bamberg oder Thüringen kann man so in den Landkreis Kronach bequem mit dem Zug fahren und von dort auf das Fahrrad umsteigen.