Wie einst das erlegte Mammut den Jäger und Sammler, macht heute der Baumarkt vor allem die männliche Kundschaft glücklich. Wer die Schraube, Bohrmaschine und Farbe der Wahl ergattert hat, schiebt den Einkaufswagen zufrieden zum Auto. Auch wenn man das glückliche Lächeln wegen Mundschutz jetzt nicht mehr sieht: Corona-Zeit ist Heimwerker-Zeit!

Homeoffice ist nicht immer nur lustig, Kurzarbeit gleich gar nicht. Aber die Verbannung in die eigenen vier Wände muss man ja nicht tatenlos hinnehmen. Immer nur Fenster putzen und Brot backen? Warum nicht mal größere Projekte in Angriff nehmen! Jetzt ist die ideale Zeit, um aus dem Frühjahrsputz eine Frischzellenkur zu machen; wenn schon nicht gleich für das ganze Haus, dann wenigstens für das ein oder andere Zimmer.

Habe ich noch nie gemacht, kann ich nicht ... Ausreden wie diese zählen nicht mehr. Das Internet ist eine Fundgrube für Anleitungen, wie man auf den ersten Blick schwierige Dinge selber machen kann. Nicht alle diese Tipps sind wirklich seriös und manche buchstäblich haarsträubend, etwa, wenn es um Arbeiten an Stromleitungen geht; aber auf bewährten Seiten wie www.selbermachen.de oder bei der Verbraucherzentrale findet man zuverlässige und fundierte Tipps. Zum Beispiel für:

Zimmerdecken

Wenn das Weiß gelblich grau geworden ist, die Farbe blättert oder die Kunststoff-Paneele in Auflösung begriffen sind, wird es Zeit, den Blick nach oben zu richten: Eine neue Decke kann Wunder wirken, ein Zimmer viel höher, heller und freundlicher wirken lassen.

Im einfachsten Fall tut es ein Anstrich, nachdem man lose Stellen beseitigt und verspachtelt und den Schmutz der Jahre abgewaschen hat. Mehr Aufwand erfordert der Ersatz einer in die Jahre gekommen Deckenverkleidung. Bei ausreichend Raumhöhe ist die abgehängte Decke, kreuzweise verschraubte und mit Dübeln fixierte Latten, das Mittel der Wahl. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unbegrenzt. Besonderer Mehrwert: Unter der Decke lassen sich Stromkabel verstecken und so auch die Beleuchtung erneuern.

Was man an Werkzeug braucht: Schlagbohrmaschine, besser noch Bohrhammer (kann man in Baumärkten leihen), Akkuschrauber, diverse Bohrer und Schraubeinsätze, das gängige Handwerkszeug, eine stabile Leiter oder eventuell ein Leichtgerüst, helfende Hände oder Stützfüße, Pinsel.

Die Wände

Auf sie fällt der Blick zuerst, und wenn man sie ständig vor Augen hat, sieht man oft nicht mehr, wie der Zahn der Zeit an Farben, Putz und Tapeten nagt. Hier kann der Heimwerker mit relativ wenig Aufwand viel erreichen. Farben können einen Raum verzaubern.

Die Verbraucherzentrale rät, nicht zur billigsten Farbe aus dem Baumarkt zu greifen. Anders als bei Lebensmitteln, müssen bei Baustoffen potenziell gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe nicht deklariert werden. Wer selber pinselt, hat die Möglichkeit, zu zertifizierten (Natur-) Farben zu greifen und so auch noch etwas für ein gesundes Wohnklima zu tun.

Empfohlen werden reine Lehmfarben (die gibt es nur in gedeckten Farbtönen), Kalkfarben (nicht leicht zu verarbeiten) oder Silikat-Anstriche anstelle der gängigen Dispersionsfarben.

Was man an Werkzeug braucht: Pinsel, Schwämme, Lappen und Eimer, Spachtel und Bürsten für Ausbesserungsarbeiten am Putz, Abdeckmaterial und eine stabile Leiter/Gerüst.

Der Fußboden

Ein narbiger, knarzender alter Holzfußboden hat seinen Charme, der verschimmelte Teppichboden oder der zerfallende Belag aus PVC aber nicht. Auch hier schlägt man mit der grundlegenden Erneuerung mehrere Fliegen mit einer Klappe: optischer Gewinn, mehr Wohnwert, mehr Gesundheit.

Vinyl oder Laminat sind oft gar nicht billig, wegen der dünnen Nutzschicht aber nicht nur in stark beanspruchten Räumen nicht lange haltbar. Und dass sich in Teppichböden vor allem Milben und anderes Getier wohl fühlen, ist bekannt.

Baubiologisch ist der Holzfußboden die erste Wahl. Entweder massiv, was wegen der begrenzten Einbauhöhe (Türen) im Nachhinein meist nicht in Frage kommt. Oder als Fertigparkett oder Fertigdiele, wobei man darauf achten sollte, dass die Nutzschicht aus Echtholz nicht zu dünn ist. Drei Millimeter sollten es mindestens sein; einen solchen Boden kann man später bei Bedarf abschleifen.

Fertigparkett kann wie Laminat "schwimmend" auf bestehenden Böden verlegt werden. Eine Unterlage, beispielsweise aus Kork, koppelt den neuen vom alten Boden ab. Meist ist der Aufbau nicht höher als 15 Millimeter. Sollte es trotzdem Probleme mit den Türen geben, muss der Schreiner ran.

Was man an Werkzeug braucht: Zollstock, Richtlatte, Wasserwaage, Hammer und Schlagklötze oder spezielles Verlege-Werkzeug, Holzkeile, Bohrmaschine und Akkuschrauber.

Egal welche Arbeit in den nächsten Tagen zuhause angegangen wird, oder vielleicht auch schon beendet wurde, dem Experten Heinz Schmidt, Geschäftsführer von AKW die Raumausstatter, fällt eines auf: Die Produkte werden nachhaltiger.

Bio nicht nur im Kühlschrank

"Die Bio-Welle geht von den Lebensmitteln auf die Wohnungen über", sagt Schmidt. Bei Bodenbelägen wird nun noch mehr auf die Qualität geachtet. Parkettboden in hochwertiger und nachhaltiger Ausführung spielt eine immer größere Rolle. Auch Tapeten erhalten laut dem Raumausstatter vermehrt Rückkehr in die Wohnungen und Häuser.

Hoch im Kurs liegt derzeit aber auch ein ganz anderes Produkt: "Wegen des guten Wetters ist Sonnenschutz momentan Vorreiter." Die vergangenen Wochen waren geprägt von Sonnenschein. Ausgeblichene Gardinen will keiner haben, so dass nach neuen Möglichkeiten des modernen und schönen Schutzes vor zu viel Sonnenlicht in den eigenen vier Wänden gesucht wird. Gerade weil, trotz des guten Wetters, wegen der Corona-Krise viele Leute zuhause sind.