Dass die Bildung eine ganz entscheidende Rolle für die Zukunft des Landkreises Kronach spielen wird, ist in den vergangenen Jahren klar geworden. Die Beamtenfachhochschule ist im Bau, die letzten Weichen für den Lucas-Cranach-Campus werden gestellt. Nun wurde für den Hochschul-Campus auch das dritte Standbein neben der Kooperation mit mehreren Bildungseinrichtungen und dem Kommunalunternehmen aufgestellt.

"Wir haben uns nicht nur auf Corona konzentriert", versicherte Landrat Klaus Löffler (CSU) am Dienstag in einem Pressegespräch zu einer Campus-Klausurtagung in Banz, dass in den zuletzt schwierigen Zeiten eben auch die anderen heißen Eisen für die Region weiter geschmiedet wurden. Im engen Schulterschluss zwischen den politischen Gruppierungen und Vertretern der Wirtschaft sei bei der Tagung der nächste entscheidende Schritt gelungen, um aus einer Vision Realität werden zu lassen. Der Campus sei ein Meilenstein, denn "wir verbinden damit erstmals die Elemente Wissenschaft, Wirtschaft und Politik".

32 Teilnehmer bei Klausurtagung

Die 32 Teilnehmer der Tagung hatten ein Ziel, das der Landrat auf den Punkt brachte: "Wir wollen dem Lucas-Cranach-Campus eine Stiftung an die Seite stellen." Diese Einrichtung ermögliche es neben der öffentlichen Hand auch der Privatwirtschaft, sich in das große Vorhaben einzubringen. Ein entsprechendes Interesse sei vorhanden. "Man spürt, dass die Region im Aufbruch ist."

Den Brückenschlag zwischen der Stiftung, der Wirtschaft, den beteiligten Hochschulen und dem Kommunalunternehmen soll Hans Rebhan schaffen. Der Vizepräsident der IHK für Oberfranken strahlte nach der Klausurtagung mit Vertretern aus allen beteiligten Gruppen über eine "sehr heterogene Zusammensetzung, die sehr homogen gearbeitet und in den zwei Tagen viel erreicht hat". Ein "Kronacher Spirit" habe sich in Banz breit gemacht. Unter anderem wurden die Strukturen und die vielfältigen Aufgabenfelder der Stiftung festgelegt, die in weiteren Arbeitsschritten aber noch präzisiert werden müssen.

"Wir brauchen kluge Köpfe, Ideen und Räumlichkeiten - aber wir brauchen auch Mittel", stellte Rebhan fest. Diese sollen auch, aber eben nicht nur aus München fließen. Die Region selbst soll über die Stiftung ihren finanziellen Beitrag leisten und mitarbeiten können sowie sich mit dem Vorhaben identifizieren. Schließlich könnten auch alle einen Nutzen aus dem Campus ziehen.

Start noch in diesem Jahr

Losgehen soll es mit der Stiftungsarbeit noch im vierten Quartal dieses Jahres. Die ersten Studiengänge sollen im März beziehungsweise Oktober 2021 starten. "Wir sind gut unterwegs", versicherte Rebhan. Auf den Lorbeeren dürften sich die Beteiligten jedoch nicht ausruhen. "Wir dürfen jetzt keine Zeit verlieren! Wir müssen unseren Vorsprung halten!", forderte er ein zielstrebiges Fortsetzen der Planungen und Arbeiten für das Zukunftsprojekt des Landkreises schlechthin.

Damit griff er eine Äußerung von Geschäftsführer Parag Shah (Dr. Schneider) auf. Er sah im Campus die beste, wenn nicht gar die einzige Chance, den Landkreis auf lange Sicht nach vorne zu bringen. Mit einzigartigen technologie- und zukunftsorientierten Studiengänge könne Kronach gar zum Hotspot werden. "Es wird sicher viele Nachahmer geben", betonte er. Deshalb müsse das herausragende Miteinander weiter gepflegt werden, um diese nicht vorbeiziehen zu lassen.

"Wenn eine gute Idee auf einen mutigen Landrat und einen Ministerpräsidenten trifft, der ganz Bayern im Blick hat, kann so etwas entstehen", freute sich der Geschäftsführer des Campus-Kommunalunternehmens, Jürgen Baumgärtner, über die guten Fortschritte der Hochschulprojekte. Er versicherte, dass wirklich alle gesellschaftlichen Gruppen vom Campus profitieren sollen - und dass Sorge dafür getragen werde, "dass es ein Wir-Projekt bleibt".

Das erhofft sich Jens Korn (CSU) ganz besonders vom Campus, denn dieser entstehe in einer Region, die sich von Gemeinde zu Gemeinde sehr differenziert entwickle. "Wir müssen deshalb eine flächendeckend gute Entwicklung erreichen!" Doch die positiven Eindrücke bei der Klausurtagung stimmten ihn in dieser Hinsicht sehr positiv.

Der "Kronacher Spirit"

Auch Oliver Skall (SPD) nahm dort einen "guten Geist" wahr. Bis in die Nacht hinein hätten sich die Teilnehmer mit großem Engagement zusammengesetzt und diskutiert, um den Campus und die Stiftung in eine perfekte Form zu gießen. "Das Besondere dabei war für mich, wie sich auch die Professoren eingebracht haben, damit der Campus kein Papiertiger wird. Ich hatte den Eindruck, sie wollen nicht nur pro forma etwas nach Kronach bringen, sondern hier einen Schwerpunkt setzen."

Stefan Wicklein (FW) sprach von einem unheimlichen Aufbruchswillen, der zu einer der grundlegendsten Veränderungen im Landkreis seit der Industrialisierung führen kann. Das Erfolgsrezept sei, dass alle von Anfang an einbezogen wurden. Für die Stiftung hatte er der Rat, dass sie nicht nur dafür da sei, dass Geld gestiftet werden kann. Sie sei auch dafür da, eine Identität zu stiften.

Potenzial für junge Leute

Markus Oesterlein (JU) hielt den Campus gerade aus der Sicht der jüngeren Generation für "das Mammutprojekt schlechthin". An einigen Stellschrauben, wie einem attraktiveren Nachtleben in Kronach, müsse zwar noch gedreht werden, doch insgesamt zeige die Kreisstadt durch die Hochschule eine Zukunftsperspektive auf.

Das habe er auch im Gespräch mit mehreren Studierenden in Banz erfahren, die ihm gesagt hätten: "Leute, das wird geil! Was ihr hier auf die Beine stellt, das wird eine Vorzeigeeinrichtung."