Die länderübergreifende Corona-Pandemie sorgt für Turbulenzen in allen Lebensbereichen. Schon längst befinden sich weite Teile der Wirtschaft auf der Intensivstation. Nicht anders ergeht es den unterschiedlichsten Freizeitgestaltungen im kulturellen Bereich. Zu den Betroffenen zählen ebenfalls die Frankenwaldflößerei.

Corona hat die Aktivitäten der einsatzfreudigen Floßvereine in Wallenfels, Unterrodach, Friesen und Neuses vorerst abrupt beendet. Zumindest jedoch besteht die vage Hoffnung, dass nach dem Lockdown irgendwann noch in diesem Jahr eine Lockerung möglich sein wird. Niemand ist derzeit in der Lage, seriöse Prognosen zu veröffentlichen.

Zum Nichtstun verurteilt: In Wallenfels wurden 15 Floßfahrten abgesagt

Die Flößergemeinschaft Wallenfels mit Vorsitzendem Andreas Buckreus sowie Bürgermeister Jens Korn haben aus diesem Dilemma die Konsequenzen gezogen und die 15 Floßfahrten für dieses Jahr abgesagt. Dies trifft besonders hart die Wirte und Gastgeber im Oberen Rodachtal. Schließlich sind an die 6000 Gäste für die Gastronomie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Alle bereits gebuchten Fahrten können auf einen neuen Termin 2021 umgebucht werden. Zudem besteht die Möglichkeit, einen Gutschein über den bezahlten Betrag zu bekommen oder sich das Geld rückerstatten zu lassen, so die Stadt Wallenfels.

Zum Nichtstun verurteilt sind derzeit die Aktiven des 192 Mitglieder starken Flößervereins Neuses mit Vorsitzendem Dieter Endres. Normalerweise stand das 18 Tonnen schwere Mainfloß Ende April startklar für die Gäste (Saisoneröffnung 8. Mai) an der Zollschere. Immerhin habe man, so Endres, im verflossenen Jahr trotz der Trockenperiode auf der Rodach 62 Floßfahrten durchführen können. Ob sich das beliebte Flößerfest am 4. Juli realisieren lasse, sei unklar. "Denn niemand kann heute einschätzen, wie sich die Lage weiter entwickeln wird."

Der Vorsitzende der Flößervereinigung Friesen, Georg Geiger, sieht ebenfalls kaum Möglichkeiten, die Friesener Flößertag am 1. und 2. August zu organisieren. Allerdings zeigt sich Geiger optimistisch, dass zumindest das Kreisflößertreffen am 10. Oktober in Friesen stattfinden wird.

Das Prinzip Hoffnung: Floßvereine im Frankenwald hoffen auf Zurück in die Normalität

Ein weiterer attraktiver Termin ist am 2. August die Flößerkirchweih in Unterrodach mit ihren spektakulären Floßfahrten. Zur Realisierung bestehe, so Vorsitzender Fritz Fricke, lediglich das Prinzip Hoffnung. Schließlich leide auch das Unterrodacher Flößermuseum derzeit unter der Corona-Krise. Ob nun die zünftige Flößerkirchweih in Wallenfels am 21. Dezember durchgeführt werden kann, steht ebenfalls in den Sternen. Alle vier Floßvereine des Frankenwaldes hoffen deshalb auf ein baldiges Zurück in die Normalität.

Hoher Stellenwert im Landkreis

Schließlich nimmt die Flößerei im Landkreis Kronach nach wie vor einen hohen Stellenwert ein. Landrat Klaus Löffler zufolge haben alle vier Flößervereinigungen in den vergangenen Jahren stets Flagge gezeigt. Vor allem werde die regionale Identität des Landkreises Kronach ganz wesentlich gestärkt. Davon habe ganz erheblich der Fremdenverkehr profitiert.

Dazu die historischen Fakten: Wohl selten hat ein Wirtschaftszweig eine Region so intensiv geprägt wie die Flößerei den Frankenwald. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert entwickelten sich Holzhandel und Flößerei hier zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Um dem steigenden Holzbedarf gerecht werden zu können, wurden umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen vorgenommen. Die Flößerei war nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern sie beeinflusste Landschaft, Ortsbilder, das gesellschaftliche und kulturelle Leben und den Menschenschlag des Frankenwaldes nachhaltig. So gehört die Flößerlandschaft im Kreis Kronach zu den bedeutsamen Kulturlandschaften Bayerns. Immerhin wurden 200 Kilometer Fluß- und Bachläufe floßgerecht ausgebaut sowie 44 Floßteiche angelegt.