Noch vor zwei Monaten war Daniela Beck als Diabetes-Beraterin am Bamberger Klinikum tätig. Nun arbeitet sie dort auf der internistischen Intensivstation für Corona-Kranke. Becks Arbeitsalltag hat sich dadurch drastisch verändert: Vor dem Wechsel arbeitete die 48-Jährige in Gleitzeit und konnte sich ihre Arbeit selbst einteilen. Nun ist ihr Leben im Drei-Schicht-Betrieb getaktet.

"Schon bevor der Katastrophenalarm in der Klinik ausgerufen wurde, wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, wieder in der Krankenpflege zu arbeiten. Für mich war das überhaupt kein Thema. Wenn ich auf Station gebraucht werde, gehe ich dorthin", erzählt die gelernte Krankenschwester. Maximal zwölf Tage am Stück darf Daniela Beck als Intensivpflegerin eingesetzt werden. Dann hat sie ein paar Tage frei. Die Ehefrau und Mutter übernimmt meistens den Spätdienst von 13.30 bis 21.30 Uhr. "Meine Kinder sind glücklicherweise fast erwachsen und können sich selbst versorgen", lacht sie. Tochter Nele ist 15, Sohn Nils 19. Beide besuchen die Schule.

Und wie sieht der Tag einer Intensivpflegerin aus?

Um spätestens 9 Uhr steht die Hobby-Sportlerin und Fitness-Kursleiterin auf. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit ihrem Mann erledigt sie das "bisschen Haushalt", der in einem Vier-Personen-Haushalt anfällt. Dann fährt sie um 12.30 Uhr mit dem Familienauto ans Klinikum Bamberg. Auf der Corona-Isolierstation im fünften Stock führt Becks Weg direkt in die Umkleidekabine. Dort schlüpft sie in die blaue Intensiv-Schwesterntracht.

Um 13.30 Uhr findet sich die Ebelsbacherin mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Stationsstützpunkt zur Übergabe ein. Alle tragen Mundschutz - wie im gesamten Klinikum. Auf der Corona-Intensivstation stehen insgesamt neun Zimmer mit 17 Betten für schwerkranke Menschen bereit. Corona-Kranke, die keine Intensivpflege benötigen, sind isoliert im siebten Stockwerk untergebracht.

Vor jedem Patientenzimmer im Intensivbereich befindet sich eine Sicherheitsschleuse. Bevor Pfleger und Ärzte eintreten dürfen, müssen sie sich die Hände waschen, desinfizieren und sich umkleiden. Die Schutzuniform besteht aus Socken, Gummischuhen, Schutzkittel aus Plastik, zwei Paar Handschuhen, Schutzbrille, Atemmaske und einer Haarhaube. "Unsere Sicherheit steht an erster Stelle. Darum habe ich auch keine Angst, meine Familie zuhause anzustecken", erzählt Beck. Doch diese Sicherheit hat einen Preis. "Man schwitzt ganz entsetzlich", verrät sie.

Nach der Übergabe im Stützpunkt betritt Beck gegen 14 Uhr das erste Mal ein Patientenzimmer. Jeder Pfleger betreut maximal drei Patienten. "Die Pflege ist sehr aufwenig: Mundpflege, Medikamentengabe, Schläuche wechseln, absaugen, die Patienten umlagern ... Auch wenn sie nicht mehr beatmet werden, sind die Menschen schwer krank, sehr schwach und brauchen sehr viel Pflege", sagt Daniela Beck. Da passiert es schnell, dass sie bis zu drei Stunden in einem Zimmer mit drei Kranken verbringt, bevor sie gegen 17 Uhr die erste Kaffeepause einlegt.

Aufgrund der genauso lästigen wie sinnvollen Prozedur des Umziehens sind Pfleger und Ärzte bemüht, die Zimmer so selten wie möglich zu betreten, um dann dort so effektiv als möglich zu arbeiten. Beck erzählt: "Vor den Zimmern werden phasenweise Helfer nur dafür eingesetzt, um fehlende Dinge, wie Medikamente, Lagerungsmittel und Zubehör aller Art, zu holen. So können die Intensivpfleger und Ärzte im Zimmer reibungslos arbeiten und müssen nicht ständig raus - und sich dann wieder aufs Neue vermummen."

Beck ist zwar gelernte Krankenschwester, hat aber in einer anderen Fachrichtung gearbeitet. Vor ihrem freiwilligen Einsatz auf der Corona-Isolierstation hat sie deshalb eine Schulung durchlaufen. Danach wurde sie - immer an der Seite eines Intensivpflegers - eingesetzt. Zuerst für kleinere Hilfsdienste, dann übernahm sie immer mehr Verantwortung. Mittlerweile arbeitet sie direkt am Patienten.

Auswirkungen der Ausgangssperre spürbar

"Zu Beginn der Corona-Welle war es sehr anstrengend auf Station, da immer wieder Patienten mit Covid-19 eingeliefert wurden und beatmet werden mussten. Aktuell brauchen nur noch wenige Beatmung", erzählt Beck. Ihrer persönlichen Meinung nach hat die Ausgangssperre gewirkt: Die Patientenzahlen gingen deutlich nach unten. Aufgrund der erfreulichen Entwicklung geht Beck davon aus, dass ihr Sondereinsatz auf der Intensivstation nur bis Ende Mai dauern wird. "Ursprünglich war bis Ende Juli geplant", erklärt sie.

Während ihres Dienstes stehen der Intensivpflegerin mindestens 30 Minuten Pause zu. "Unser Chef ermuntert uns aber, uns so viel Zeit zu nehmen, wie wir brauchen", sagt Daniela Beck. Denn unter der Schutzkleidung schwitzt man nicht nur fürchterlich - die Atemschutzmaske erschwert auch das Atmen. "Ich hatte schon ein paar Mal fürchterliche Kopfschmerzen, aber man gewöhnt sich an alles", gibt sich Beck tapfer.

Gegen 17.30 Uhr tritt die 48-Jährige die nächste Patientenrunde an. Doch die Intensivpfleger versorgen die Patienten nicht nur körperlich - sie spenden ihnen auch Trost, hören zu und halten den Telefonhörer, wenn der Patient dafür noch zu schwach ist.

Die Schwerkranken dürfen keinen Besuch bekommen. Darum werden ihre Angehörigen ein Mal täglich telefonisch über ihren Gesundheitszustand informiert. "Vor Corona habe ich jeden Tag Sport gemacht oder einen Sportkurs geleitet. Das brauche ich jetzt nicht mehr", sagt Beck und ergänzt: "Ich bin abends fix und fertig." Den nötigen Ausgleich findet sie an freien Tagen bei Wanderungen mit ihrem Mann, der Gartenarbeit und bei Spieleabenden mit der ganzen Familie.

Um 21 Uhr findet sich Beck schließlich wieder mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Stationszimmer ein: Übergabe an den Nachtdienst. Und dann - endlich - raus aus der Schutzkleidung, rein in die Dusche und dann ab nach Hause. Gegen 22.30 Uhr wird Daniela Beck von ihrem Ehemann in Ebelsbach begrüßt. Noch ein kurzer Wortwechsel, dann fällt sie todmüde ins Bett - um am folgenden Morgen erneut ihren Dienst am Nächsten anzutreten.