So eine Schnapsidee. Auf die Arbeit fahren mit dem Fahrrad. Das machen junge Leute, die bei Triathlons antreten wie die eine Kollegin aus der Oberpfalz. Für eine 58-jährige Büromaus ist das nichts. Oder?

Die Fridays-for-Future-Diskussion hat Spuren hinterlassen. Den Lebensstil ändern und umdenken, das sind Erkenntnisse, die dazu führen, dass sie immer tiefer in die Materie dringen, die Recherchen nach einem Fahrrad, das das inzwischen zehn Jahre alte Pedelec ersetzen könnte. Und so könnte es auch gelingen, den Weg von und nach Bamberg Richtung Zeil täglich zu bewältigen, auch ohne Auto und wenigstens im Sommer.

Speed-Pedelec: Vollgas mit 45 km/h

Der Motorradführerschein aus den 80er Jahren ist so gut wie neu, ein paar Jahre mit Maschine und zuletzt zehn Jahre mit dem E-Bike, da erscheint so ein Pedelec als gute Wahl. Satte 45 Stundenkilometer bringt es auf die Straße - wenn man sportlich ist. Im Gegensatz zu früher sind die modernen Speedpedelecs gedrosselt, selbst auf der höchsten Unterstützungsstufe muss ordentlich getreten werden, um überhaupt nahe der 45 Stundenkilometer zu kommen.

"Du spinnst, du fährst dich um Kopf und Kragen!" Nicht nur der Ehemann ("du fällst nicht mehr geschmeidig wie eine Junge") ist gegen das Vorhaben, auch die Schwester ("bist du verrückt?"), die Tochter der Schwester ("des wär nix für mich"), der Sohn der Schwester ("das ist doch viel zu gefährlich. Was wir da in München für schwere Unfälle haben"), die Freunde - eigentlich alle.

Testfahrten im Landkreis Haßberge kaum möglich

Dazu kommt die Hürde, überhaupt mit einem 45-Stunden-Kilometer-Geschoss Probe fahren zu dürfen. Im Landkreis? Fehlanzeige. Übrigens sieht es, das zeigt ein Rundruf bei gut 25 Händlern von Kulmbach über Lichtenfels, Bamberg und Nürnberg bis nach Würzburg und ins Taubertal, woanders nicht auch so aus. Will man ein in Deutschland gefertigtes Rad, wird die Auswahl sehr karg. "Riese & Müller" winkt ab: Ein 45er-Rad fahren? Man würde auch zum Werksitz anreisen? Ne, geht nur beim Händler. Doch die stellen sich selten solch ein Teil hin, weil es dafür zu wenig Kundschaft gibt.

Da sorgt ein Link im Internet für Freude: "HNF Nikolai", ebenfalls eine deutsche Manufaktur, bietet tatsächlich Hausbesuch an. Ein Mitarbeiter kommt mit einem Kleinbus voller Räder vorbei. Das klingt unglaublich, doch es läuft tatsächlich so. Der Fahrradspezialist Florin Räthel erklärt das Rad, stellt alles so ein, dass man losfahren kann ... und ab dafür.

Die Entscheidung fällt schnell, das wird's. Wenig Heckmeck, dafür die besten wartungsarmen Bestandteile, die der Markt zu bieten hat. Vier Wochen Warten, dann steht der große Karton vor der Haustüre. Selbst in Corona-Zeiten wird pünktlich geliefert. Nach den ersten Schnupperfahrten offenbart es sich als Schmuckstückla. 20 Kilometer fährt selbst die Büromaus in knapp einer Stunde. Die ersten Male allerdings mit einem Muskelkater.

Grundsätze im Handling

Der Bosch-Motor entfaltet seine Kraft in vier Stufen und der Turbo will mit Bedacht eingesetzt sein. Wie überhaupt das ganze Rad mit Bedacht gefahren sein will. Die Unfallgefahr ist grundsätzlich bei E-Bikes hoch. Wer ein solch schnelles und gleichzeitig schweres Zweirad bewegen will, tut gut daran, vor dem Kauf dem Rahmen Aufmerksamkeit zu schenken. Wer möchte runter zum Zeiler Kreisel bei 55 Stundenkilometern ins Schlingern kommen? Besser nicht.

"HNF Nikolai" baute das weltweit erste serienmäßige e-Motorbike. Seit 2008 stellen Michael Hecken, Kalle Nicolai und Benjamin Börries neuartige Konzepte her, die Rahmen der Räder sind selbst entwickelt und jeder von Hand gebaut. Das "XD3" liegt denn auch bergab wie ein Brett. Die Scheibenbremsen vorne und hinten fangen das Tempo sanft ab. Wie ist es nach den ersten vier Wochen? Es ist das geilste Rad der Welt.

Mit Ruhe und Bedacht

Allerdings: Nicht von Null auf Hundert. Jeder, der sich solch ein Rad anschafft - und das gilt für ältere Menschen auch beim normalen E-Bike - sollte sich die Zeit nehmen, Untersatz und Handling gründlich kennenzulernen. Wichtig ist die passende Einstellung von Sattel, Brems- und anderen Bedienhebeln, Lenkerhöhe und -winkel. Nur dann funktioniert der schnelle Reflex. Man muss Gespür für die Bremswirkung sowie für die Beschleunigung in den verschiedenen Geschwindigkeitsstufen entwickeln. Gerade Strecken wie die von Haßfurt nach Zeil oder von Eltmann nach Limbach sind da gut. Und besonders für die Fahrt bergauf muss man sich Zeit zum Üben nehmen. Wer zu spät runterschaltet, steht am Berg mit einem schweren Rad und kippt ganz schnell um.

 

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