Sie liebt Tiere, ist sportlich und fit, und sie sieht ihr Gegenüber immer mit menschlichem Blick. Auf Miteinander, Herz und Verstand setzt die 51-jährige Ruth Frank, die sich am Montag einer öffentlichen Veranstaltung in Breitbrunn vorgestellt hat mit dem Wunsch, bei der Kommunalwahl am 15. März Bürgermeisterin werden zu wollen.

Der ursprüngliche Bürgermeister-Kandidat hatte in der zweiten Adventswoche aus gesundheitlichen Gründen seine Kandidatur zurückgezogen. Zuletzt waren alle Fristen verstrichen, ohne dass Breitbrunn einen offiziellen Bürgermeisterkandidaten hätte benennen können. Damit werden in Breitbrunn Wahlzettel ausgegeben, auf die jeder seinen Kandidatenvorschlag schreiben kann. Bei Ruth Frank wissen die Bürger nun schon, dass sie offiziell für das Amt zur Verfügung steht.

Warum erst jetzt?

Es gibt einige Impulse, die Ruth Frank im Laufe der Zeit zu ihrer Entscheidung geführt haben. Da war zum Beispiel der Vortrag, den sie selbst im letzten Jahr im Generationencafe in Breitbrunn hielt, "Wir sind unseres Glückes Schmied", und da ging es auch um den Weg des Dienens.

"Ich habe in mich hineingehört." Und immer wieder kam ihr der Gedanke: "Vielleicht ist das gerade doch die Stelle, wo ich gebraucht werde?" Ein Anstoß war ferner der Bericht über Breitbrunn im Bayerischen Fernsehen, wo es darum geht, dass sich kein Bürgermeister findet.

Tiefergehende Gespräche

Und schließlich lief Ruth Frank einmal mehr Gertrud Bühl über den Weg und die beiden Frauen tauschten sich aus. Vor allem auch über die Aufgaben und Projekte, die in der Gemeinde bereits erledigt wurden, die angegangen oder die gerade in der Arbeit sind.

Ein wichtiger Beweggrund war zuletzt für Ruth Frank die Erkenntnis: "Ich kann mit Unterstützung von sehr vielen Leuten rechnen", darunter der Bürgermeisterin, die nun aus Altersgründen aus dem Amt ausscheidet.

So trat Ruth Frank jetzt am Rosenmontag bei der Faschingsveranstaltung vor viele Breitbrunner und erklärte als Bürgermeister-Kandidatin ohne Nominierung ihren Willen, bei der Kommunalwahl den Bürgermeisterposten anzustreben. Die amtierende Bürgermeisterin Gertrud Bühl freut es natürlich, "dass wir eine Frau aus Breitbrunn haben, die sich gerne als Bürgermeisterin wählen lassen würde."

Ruth Frank möchte, sagt sie, "den Bürgern das Gefühl geben, sie können sich verbunden fühlen mit den Bürgern und der Gemeinde." Und: "Beziehungen sind meine Stärke", sagt die Heilpraktikerin zu der Frage, wie sie das früher manchmal nicht ganz so harmonische Arbeitsklima im Gemeinderat angehen will. Dass es inzwischen eine einheitliche Liste, die "Bürgergemeinschaft", gibt, in der je sechs Vertreter der früheren Gemeinderatslisten CSU, Freie Wähler, Bürgernahe Liste, Unabhängige Kandidaten aufgegangen sind, wertet sie als erstes gutes Zeichen und "Signal in die richtige Richtung". Daran kann man anknüpfen.

Sie bemüht sich um eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge. Ist so weit aber nicht weg von den ganz handfesten Grundlagen, die solch ein Posten erfordert: Die Diplom-Verwaltungswirtin kennt sich im Verwaltungswesen aus. Ob es darum geht, zu wissen, welche Ansprechpartner es gibt oder wie ein Gesetzestext zu verstehen ist.

Verwaltung im Griff

Gelernt hat Ruth Frank seinerzeit bei der Telekom den Beruf als Verwaltungswirtin, und noch in der Ausbildung lernte sie ihren damaligen Chef und heutigen Landrat Wilhelm Schneider kurz kennen. In den letzten Jahren kam der zweite Beruf Heilpraktikerin für Psychotherapie hinzu. Seit gut einem Jahr übt Ruth Frank diesen Beruf aus. Auch als ehrenamtliche Bürgermeisterin möchte sie ihre bisherigen Klienten weiter betreuen.

Ehrenamtlich ist sie seit 2012 im Bürgerdienst als Busfahrerin tätig sowie als Musikerin, sie spielt Saxophon, bei den Köhlertaler Musikanten. Den Kopf frei bekommt sie bei ihren regelmäßigen Joggingrunden und die Erdung gibt der vierfachen Mutter die Familie und ihre Tiere, denn im Förstersgrund hält die Familie Pferde, Hunde, Katzen und Meerschweinchen.

Name auf den Zettel schreiben

Gertrud Bühl hat sie 2017 mit ihrem Lebenspartner Karl-Heinz Eichinger als Bürgermeisterin getraut. Jetzt will Ruth Frank ihre Kraft geben. Sie möchte sich für die Gemeinde Breitbrunn und ihre Bürger einsetzen. Die Breitbrunner erhalten zur Bürgermeisterwahl am Sonntag, 15. Februar, ein leeres Blatt, worauf sie einen Namen schreiben können. Ruth Frank ist schon einmal einverstanden mit ihrer Nennung.

Über 50 Prozent?

Rein rechtlich ist alles kein Problem. Wie der Verwaltungsgemeinschaftsvertreter Matthias Klauda auf unsere Anfrage schmunzelnd erläuterte, gibt es kein Problem bei der Nachnominierung: "Ich als Wahlsachbearbeiter freu' mich, wenn ich keine Wiederholungswahl organisieren muss." Das klappt aber nur, wenn Ruth Frank über 50 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen für sich verbuchen kann.

Manko: Die ersten Wahlbriefe sind laut Klauda schon seit einer Woche raus und wieder in die Verwaltungsgemeinschaft zurückgekommen. Hier war die Kandidatur von Ruth Frank noch nicht bekannt.