"An die Instrumente: Laienmusiker dürfen ab dem 8. Juni wieder eingeschränkt proben." Der Titel der Pressemitteilung aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst klang nach Aufbruchstimmung. Mit Abständen von zwei Metern und unter "Beachtung strenger Schutz- und Hygienemaßnahmen" dürfen Laiengruppen seither wieder musizieren.

Für Nautilus war das bereits vorher möglich. Die Band ist ein reines Studioprojekt, die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Bundesländern – und haben sich teilweise noch nie zu Gesicht bekommen: "Wir sind total verstreut", erklärt Werner Strätz und schmunzelt.

Der Kirchlauterer Gitarrist und seine Bandkollegen machen elektronischen Sound aus Synthesizern, Keyboard Samples und Gitarrenriffs. Wegen der räumlichen Trennung durchläuft jede Idee die verschiedenen Produktionsorte der jeweiligen Mitglieder. Dort steuert jeder seinen Teil dazu bei und so wird peu á peu aus einem musikalischen Gerüst ein fertiges Lied. "Das ist ein blindes Vertrauen. Wenn ich etwas einspiele, dann muss es dem Song dienlich sein – das steht an erster Stelle", erklärt Strätz.

Musikalische Kindheit

Der 56-Jährige kommt eigentlich aus der Bluesszene. Seine musikalischen Anfänge liegen weit zurück: "Als 6-Jähriger habe ich mit zwei Kochlöffeln auf einem Resi-Schmelz-Eimer angefangen zu trommeln", witzelt er. Mit zwölf Jahren habe er sich ein Lehrbuch von Bob Dylan gekauft und sich so das Gitarrespielen beigebracht. Anschließend spielte der Kirchlauterer in einer Band. Noch vor der Jahrtausendwende traf er den ehemaligen Eberner Martin Ludwig, ein Gründungsmitglied von Nautilus. Der lud ihn ein, als Gastmusiker an einem Album mitzuwirken. "Ich habe meinen Part in Hagen im Woodhouse Studio eingespielt. Kurz zuvor war Peter Maffay dort. Sein Schweiß war noch an der Türklinke", berichtet Strätz mit einem Augenzwinkern.

Bei den folgenden Nautilus-Alben stieg er als Vollmitglied ins Boot – im wahrsten Wortsinn: Der Bandname ist eine Hommage an das U-Boot aus Jules Vernes Roman "20 000 Meilen unter dem Meer". Der spielt auch auf dem neuen Album "The mystery of waterfalls" eine große Rolle. So sind beispielsweise Teile der Liedtexte dem Roman des französischen Autors entnommen – Bandmitglied Meiko Reichert singt sie ein. Das ist eine Besonderheit des neuen Werks. Zuvor waren die Lieder von Martin Ludwig, Jürgen Dürbeck, Ralf Obel und Werner Strätz rein instrumental.

Comeback nach zwölf Jahren

Die vergangenen zwölf Jahre war Nautilus buchstäblich abgetaucht. Beruflich bedingt gab es keine neuen Produktionen. Verlernt haben sie es dennoch nicht – das neue Album ist für Strätz das bisher beste. Es zeichne sich durch "die Vielfalt" aber auch die Stimmigkeit aus, erklärt er. Beim Hörer solle es "ein Stück weit Entspannung, Ruhe und Gelassenheit" hervorrufen und Bilder transportieren: "Bei bestimmten Stellen sehe ich einen beruhigenden Wasserfall", gibt der Gitarrist ein Beispiel. Die so projizierten Eindrücke halten auf dem Album lange an – nur wenige Stücke sind kürzer als fünf Minuten. Einzige Ausnahme: Das Stück "In your eyes", das kürzer, aber dafür umso intensiver ist. Strätz schrieb es für seine Freundin Sybille. In ihm zeigt sich sein Motto: "Musik besteht nicht aus Noten, sondern aus Leidenschaft.”

Die zeigt der Kirchlauterer täglich, wenn er mehr als zwei Stunden auf seinen Gitarren übt. Das ist auch nötig, denn Nautilus verwendet kein computergestütztes System, das Fehler beim Einspielen rausrechnen könnte. Das bedeutet für den Gitarristen bei einem Fehler: Neu ansetzen und wieder in die Saiten langen, wenn er die Akkorde zuhause in sein Acht-Spur-Aufnahmegerät einspielt. Das war auch nötig, als während einer Aufnahme die Glocken des Kirchlauterer Kirchturms läuteten. "Wenn es ins Lied gepasst hätte, hätten wir es gelassen. Ich musste aber noch einmal drüber spielen", sagt Strätz und lacht.

Fernbedienung fällt aus der Hand

Chartplatzierungen oder hohe Verkaufszahlen sind für die Bandmitglieder kein Thema. Vielmehr freuen sie sich an den kleinen Erfolgen. So gewannen die Musiker beispielsweise im Jahr 2000 mit ihrem Album "Solar Moon" bei einer Preisverleihung der Elektronik-Hörfunksendung "Schwingungen". Für Strätz eine angenehme Überraschung. Ähnlich sei es ihm gegangen als ein Lied von Nautilus bei der Fernsehsendung Sonnenklar-TV zu hören war. "Mir ist fast die Fernbedienung aus der Hand gefallen", berichtet er und lacht erneut hell auf.