Die Sonne scheint, der Nachmittagskaffee samt Torte steht servierfertig auf dem Balkon, die Sommeridylle ist perfekt - bis sich etwas Schwarz-Gelb-Gestreiftes lautstark surrend herabstürzt. Die warmen Temperaturen locken derzeit auch allerlei Insekten hervor. Gefährlich wird es jedoch bei größeren Kalibern wie Wespen und Hornissen, besonders für Allergiker. Der Landkreis Haßberge hat daher zwei Berater entsandt, die bei Insektenbefall helfen sollen.

Mit Uwe Hegenbart und Andreas Gagel konnte das Landratsamt zwei erfahrene Feuerwehrmänner für die Beraterstelle gewinnen, die durch ihre langjährige Tätigkeit bei der Feuerwehr bereits viel Wissen zum Umgang mit den Insekten sammeln konnten. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe und bin mir sicher, dass ich durch meine Erfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr Hofheim den Bürgern bei ihren Wespen- und Hornissenproblemen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann", sagt Hegenbart. Aus beruflichen Gründen teilt er sich den Posten mit Gagel, da die beiden Berater ausschließlich ehrenamtlich und in ihrer Freizeit tätig sind.

Aufwendige Beratung zum Thema Wespen

 

Die Nachfrage nach einem solchen Angebot sei groß: "In den vergangenen Jahren hat es immer mehr Probleme mit Wespen und Hornissen gegeben. Wir werden mit vielen Telefonaten bombardiert, gerade in den Sommermonaten, weil viele Bürger einfach nicht wissen, was sie machen sollen", erklärte Ramona Hauck von der Unteren Naturschutzbehörde bereits in der Kreistagssitzung, in der die Bestellung des Beraters einstimmig beschlossen wurde. Gagel und Hegenbart können der Naturschutzbehörde nun einiges an Arbeit abnehmen, ist sich Hauck sicher. "Oft sind es zeitaufwendige Beratungsgespräche, die unsere Mitarbeiter sehr lange aufhalten."

Die Berater werden für einen Zeitraum von sechs Monaten bestellt, von Anfang April bis Ende September, da es sich bei der Versetzung von Wespen- und Hornissennestern um ein saisonales Problem handle. Als Aufwandsentschädigung stehen ihnen monatlich 150 Euro zu, was sich an der Naturschutzrechte-Entschädigung orientiert, die beispielsweise auch der Biberberater des Landkreises erhält. Sie soll zum Ausgleich von Fahrtkosten oder dem Kauf von Schutzkleidung dienen. Genau wie der Biberberater werden auch die beiden Wespenberater über den Landkreis versichert.

Wespen- und Hornissenberater könne grundsätzlich jeder werden, der eine entsprechende Sachkenntnis nachweisen kann oder diese bei einer Schulung an der Bayerischen Akademie für Natur und Landschaftspflege in Laufen (Oberbayern) erwirbt, teilt das Landratsamt weiter mit. Aufgrund der Corona-Krise habe sich die Besetzung der Beraterstelle allerdings anders als geplant gestaltet. Da keine Schulungen mehr stattfinden konnten, musste mit Hegenbart und Gagel auf bereits sachkundige Personen zurückgegriffen werden.

"Natürlich soll der Hornissenberater kein Kammerjäger sein und die Feuerwehren nicht ersetzen", betont Hauck. "Er soll koordinieren und in erster Linie beratend tätig werden, sowohl telefonisch als auch direkt vor Ort bei den Bürgern." Außerdem soll er an die örtlichen Ansprechpartner der Feuerwehren verweisen und gegebenenfalls die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen beschleunigen.

Hornissen unter besonderem Schutz

 

Eine solche Ausnahmegenehmigung erteilt die Untere Naturschutzbehörde, falls ganze Wespen- oder Hornissennester beseitigt oder umgesetzt werden müssen. Vor allem Hornissen gelten rechtlich als besonders geschützt, weshalb bei den Insekten kein ungenehmigter Eingriff in die Nester stattfinden darf. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen kommen besonders in den Sommermonaten ihrer Schlüsselrolle im ökologischen Kreislauf nach. Sie bestäuben beispielsweise zahlreiche Wild- und Kulturpflanzen und üben zudem eine wichtige Bestandsregelung bei Forst- und Ernteschädlingen aus.

Doch trotz ihres wichtigen Nutzens für die Natur und Umwelt kommt es besonders im Sommer und Herbst immer wieder dazu, dass Menschen von Wespen und Hornissen belästigt, sogar angegriffen und gestochen werden. Dabei sind die Insekten friedfertige Tiere - solange sie in Ruhe gelassen werden. Kein Grund zur Panik also, wenn sich ein Nest in unmittelbarer Nähe des eigenen Hauses oder an anderen Stellen im Hof oder Garten befindet, an denen man sich oft aufhält. Wer einfache Verhaltensregeln beachtet und außerdem zusätzliche Hilfsmittel nutzt, sollte die kurze Zeit bis zum Ende der Wespen- und Hornissensaison in der Regel problemlos überstehen.

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"Aufklärung ist hier das A und O", erinnert Hauck. "Denn dadurch können wir die Bevölkerung gegenüber ihrer Umwelt sensibilisieren." Das Absperren des Nestbereiches und Freihalten des Einflugbereiches, Verschließen oder Verhängen von Fenstern und Türen sowie das Abdecken von Essen und Getränken könne verhindern, dass sich Mensch und Insekt in die Quere kommen.

Zusammenarbeit mit Imkern erwünscht

 

Bereits in der Kreistagssitzung Anfang März, in der die Beraterfunktion vorgestellt wurde, waren sich die Räte einig, dass eine Zusammenarbeit der Wespenberater mit den lokalen Imkern von Vorteil wäre. "Der neue Berater soll Kontakt zum Imkerverein aufnehmen, weil es doch öfter mal Schwärme gibt, die irgendwo rumhängen. Dann könnte man koordinieren, dass die Imker hinzugezogen werden, weil sie meist fachkundig sind", schlug Harald Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen) als Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Haßfurt-Zeil vor. Auch Eberns Erster Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) plädierte für eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wespenberater, Feuerwehren und dem Imkerverein, um zukünftige Feuerwehreinsätze aufgrund von Insektennestern gering zu halten.

Keine Gebühren für Beratung geplant

 

Von Seiten der SPD-Fraktion kam zudem die Frage auf, ob die Untere Naturschutzbehörde in Erwägung ziehe, die Dienstleistung des Beraters mit einer gewissen Gebührensatzung zu versehen. "Weil sich der Bürger ja sonst anderweitig teure Beratung holen müsste", merkte Stephan Schneider an. Da die Stelle nur als beratende Funktion dienen solle und die Berater selbst keine Versetzung der Wespen- und Hornissennester vernehmen dürfen, sei eine derartige Gebühr jedoch nicht geplant, entgegnete Hauck. "Man kann da natürlich auch gewerbliche Experten zur Hand ziehen, da kostet es zum Teil eine große Summe Geld und das wollen wir nicht ersetzen. Der Berater soll das koordinieren und an die entsprechenden Ansprechpartner verweisen.

6 ehrenamtliche Helfer gab es bisher an der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Haßberge: fünf Naturschutzwachtmitglieder sowie einen Biberberater. Nun kommen noch die beiden Wespenberater hinzu.

119Beratungsgespräche zum Thema Wespen und Hornissen musste ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde 2018 insgesamt führen. "Das rechnet sich schon wahnsinnig", sagt Kollegin Ramona Hauck.

500Gramm Schädlinge erbeutet ein Hornissenvolk täglich, darunter auch Wespen. Innerhalb von sechs Stunden fängt ein Wespenvolk mit 300 bis 400 Arbeiterinnen rund 2500 Fliegen sowie 650 Schnaken und Mücken.

Wichtige Kontaktdaten zum Thema Wespen und Hornissen

Wespenberater Wer sich von Wespen oder Hornissen belästigt fühlt und bei wem einfache Maßnahmen bisher keine Abhilfe geschaffen haben, kann mit den beiden ehrenamtlichen Wespen- und Hornissenberatern des Landkreises Haßberge Kontakt aufnehmen: Uwe Hegenbart ist unter der Telefonnummer 09521/27-9101 und Andreas Gagel unter der Rufnummer 09521/27-9100 erreichbar.

Naturschutzbehörde Darüber hinaus steht während der Dienstzeiten des Haßfurter Landratsamtes auch weiterhin die zuständige amtliche Fachkraft für Naturschutz, Manfred Husslein, zur Verfügung. Er ist telefonisch erreichbar unter der Rufnummer 09521/27-321. Die Ansprechpartner des Landratsamtes beraten die Bürger telefonisch und falls notwendig auch direkt vor Ort. Die Beratungen sind jeweils kostenlos. Im Vordergrund stehe dabei die Aufklärung über die Lebensgewohnheiten und das Verhalten von Wespen und Hornissen. Es solle mehr Verständnis für die Tiere geweckt und verhindert werden, dass grundlos Nester zerstört werden. So werde oftmals ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Tier in der ohnehin kurzen Flugsaison der Wespen und Hornissen erreicht.

Im Zweifelsfall koordinieren die Berater auch die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen, beispielsweise für die Beseitigung oder Umsetzung eines Hornissennestes. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass die Wespen- und Hornissenberater selbst keine Umsiedlungen oder Vernichtungen vornehmen dürfen. Hierfür muss auf die örtliche Feuerwehr oder einen Schädlingsbekämpfer zurückgegriffen werden, die die Maßnahmen gegebenenfalls gegen eine Gebühr übernehmen.

Falsch verbunden Der Notruf der Polizei sowie der Feuerwehrnotruf über die Integrierte Leitstelle sind nicht die richtigen Adressen für derartige Probleme und sollten nicht in Anspruch genommen werden.