Der eine oder andere hat ihn vielleicht gesehen – oder auch gehört: In den vergangenen Tagen kreiste ein Helikopter über dem Waldgebiet zwischen Sechstal, Krum und Zeil. Er flog im Auftrag des Amtes für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten Schweinfurt (AELF) und hatte ein klares Ziel im Visier: Den Schwammspinner – oder besser gesagt, dessen Raupen.

Die gibt es mancherorts in Massen, auch im Landkreis Haßberge: Die Wälder um Knetzgau, Königsberg, Theres, Wonfurt und eben auch Zeil sind betroffen. Dort verursachen die Raupen, die eine Länge von bis zu 7,5 Zentimetern erreichen können, einen erheblichen Schaden. "Der Schädling befällt vermehrt die Eichen, aber auch teilweise andere Baumarten", erklärt Jürgen Hahn. Der Abteilungsleiter für den Bereich Forsten des AELF Schweinfurt ist zuständig für die Waldgebiete des Landkreises und kennt das Problem. So habe es schon einige Massenvermehrungen gegeben – oftmals habe die Natur die Angelegenheit in Form von Krankheiten unter den Schädlingen selbst geregelt.

"Aktuell breiten sich diese Krankheiten aber nicht so stark aus", sagt Hahn. In der Folge fressen die Schwammspinner-Raupen die Bäume teilweise kahl. Das senkt die Vitalität der Pflanzen und kann zu einem Absterben führen – vor allem bei Bäumen, die durch die vergangenen Hitzesommer ohnehin angeschlagen sind. Vereinzelt sei ein Verzicht auf das Pflanzenschutzmittel deshalb unumgänglich, erklärt der Forstmann.

Gezielter Einsatz

"Die Raupen sitzen hauptsächlich im oberen Baumbereich. Also muss das Pflanzenschutzmittel in den Kronraum – deshalb wird es mit dem Hubschrauber ausgebracht", beschreibt Hahn das Vorgehen. So sei eine gezielte Bekämpfung möglich und der Kollateralschaden halte sich in Grenzen: Das eingesetzte Mittel "Mimic" greift nämlich als Häutungsbeschleuniger auch andere Schmetterlingsraupen an. Nach Angaben Hahns hat sich sein Amt bewusst dafür entschieden, kein Kontaktgift zu verwenden. Dies wäre zwar eine erlaubte und billigere Variante, aber die Nebenschäden wären ungleich größer gewesen. "Das wäre untragbar", betont der Abteilungsleiter Forsten. Das stattdessen angewandte Mittel wirke hingegen nur, wenn es die Schädlinge fressen.

Auch Harald Kuhn, Vorsitzender des Imkervereins Haßfurt-Zeil, weiß um die Schwierigkeiten mit dem Schwammspinner: "Das ist ein Riesenproblem." Der Zeiler gibt jedoch zu bedenken, dass durch solch einen Eingriff stets das natürliche Gleichgewicht gestört wird. Er würde den Einsatz von biologischen Mitteln bevorzugen. Hierzu gebe es ein Bakterium, das bereits die Made des Schwammspinners zerstöre. Der restliche Schaden sei so geringer. Dem entgegnet Hahn, dass diese Variante schwer kalkulierbar sei, da sie sehr stark von den Witterungsverhältnissen abhänge und weniger effizient sei.

Schäden für die Bienen?

In Sorge ist Kuhn aber auch wegen der Bienenvölker in den betroffenen Regionen. So sei das eingesetzte Mittel zwar offiziell nicht bienenschädlich, wie Hahn betont. Dennoch gab er eine Empfehlung an die Imker heraus, ihre Völker für den Zeitraum der Maßnahme einzusperren oder die Bienenkästen vorübergehend umzusetzen. Letzteres sei jedoch nicht möglich, da die Bienen aktuell Honig eintragen und die Kästen dadurch sehr schwer seien, sagt Kuhn. Also schlossen er und seine betroffenen Imkerkollegen ihre Völker für den Zeitraum der Aktion ein. "Die absolute letzte Sicherheit gibt es nicht", räumt auch Hahn ein.

Es gehe ihm auch um die Qualität des Honigs: Der ist ein Naturprodukt – kleine Reste des Schädlingsbekämpfungsmittels darin sollen vermieden werden. Durch Witterungseinflüsse und Abbau verliere "Mimic" allerdings schnell seine Wirkung, erklärte er in einer E-Mail an Kuhn. Die beiden tauschten sich zu dem Thema aus und betonen die jeweilige Kooperationsbereitschaft. Letztlich seien beide an einer optimalen Lösung für die Natur interessiert.

Fehlende Nachwuchs-Imker

Nicht nur der Schwammspinner bereitet aktuell Kopfschmerzen, sondern auch das Coronavirus. Die Imker können zwar ihrer Arbeit nachgehen, durch die Ausgangsbeschränkungen ergibt sich dennoch ein Problem: Die Ausbildung des Imkernachwuchses. Im Normalfall betreue jeder gleich zu Beginn sein eigenes Volk – ein erfahrener Bienenzüchter müsse ihm jedoch dabei über die Schulter schauen, erklärt Kuhn. Das sei aktuell aber nicht möglich, da die Ausgangsbeschränkungen auf das Frühjahr gefallen sind und dies die wichtigste Phase der Bienensaison sei. Eventuell bestehe bald wieder die Möglichkeit, passiv mitzuwirken. Aber: "Selbst machen ist besser, als nur zuschauen", weiß der erfahrene Bienenzüchter. Bei Interesse am Imkern oder Fragen zu seinem Verein ist er unter der Telefonnummer 0171/4984389 erreichbar.