Der neue und alte Oberbürgermeister in Forchheim heißt Uwe Kirschstein (SPD). Seit Montag, 30. März 2020, steht fest: Amtsinhaber Kirschstein bleibt mit 55,33 Prozent der Wählerstimmen OB der Stadt Forchheim. CSU-Gegenkandidat Udo Schönfelder musste sich mit 44,67 Prozent der Stimmen geschlagen geben.

Die Zusammenarbeit zwischen OB Kirschstein und großen Teilen des bisherigen Stadtrates war von Differenzen geprägt, die Fronten zwischen OB Kirschstein und einigen Stadtratsfraktionen schienen verhärtet. Wie reagieren Stadtratsmitglieder auf die Wiederwahl? Der FT hat bei FGL, FW, FDP, FBF und REP nachgefragt:

Annette Prechtel (Forchheimer Grüne Liste)

"Ich habe mit diesem Ergebnis gerechnet und gratuliere dem alten und neuen OB zur Wiederwahl. Auch wenn ich mir ein anderes Ergebnis erhofft habe, daraus mache ich keinen Hehl. Ich wünsche mir aber, dass sich die Zusammenarbeit und Kommunikation im Stadtrat verbessert. Ein ,Weiter so' kann es nicht geben. Es wird darum gehen, dem ganzen Stadtrat mehr Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei der Bearbeitung von Anträgen, zu ermöglichen."

Manfred Hümmer (Freie Wähler)

"In seiner Deutlichkeit hat mich das Ergebnis überrascht. Offensichtlich ist es den Grünen nicht gelungen, ihre Wählerschaft geschlossen auf Udo Schönfelder einzustellen. Die Wahl ist eine Persönlichkeitswahl, eventuell hat in der Krise die Sicherheit des Amtsinhabers eine Rolle gespielt. Unabhängig davon ist der Stadtrat jetzt aufgerufen, konstruktiv zusammenzuarbeiten und die Gräben zuzuschütten. Dafür braucht es auch einen aktiven Beitrag des neuen und alten OB."

Sebastian Körber (FDP)

"Ich gratuliere dem Oberbürgermeister Uwe Kirschstein für die Wiederwahl und das doch klare Votum. Wir bei der FDP machen themenorientierte Stadtpolitik. Da gab es mehr Überschneidungen mit Udo Schönfelder. Aber alle Fraktionen müssen nun auch die Bilanz der vergangenen Jahre kritisch betrachten und Verbesserungen anstoßen. Wir Liberalen machen es immer an den Themen fest und werden die Stadtratsarbeit weiter konstruktiv und auch kritisch begleiten."

Manfred Mauser (Forchheimer Bürgerforum)

"Ein kleines bisschen hat mich das Wahlergebnis überrascht. Ich bin ein alteingesessener Forchheimer und nach vielen Gesprächen mit Wählern habe ich die Wiederwahl geahnt. Wir von der FBF haben uns bei der Stichwahl ja neutral verhalten. Ich habe überhaupt kein Problem mit OB Kirschstein. Ich denke sogar, dass die Stadtratsarbeit nun ruhiger weitergeht als vorher. Als einziger FBF-Stadtrat habe ich bereits Kontakt mit den meisten Fraktionen aufgenommen."

Franz Noffke (REP)

"Ich ging davon aus, dass Udo Schönfelder gewinnt. Der Schulterschluss von CSU und Grünen könnte ein falscher Schachzug gewesen sein. Man weiß nicht, wie sich das bei den Wechselwählern ausgewirkt hat. Es wird nun spannend, wie die Fronten im Stadtrat verlaufen. Ich bin seit 30 Jahren Stadtrat und werde meine Politik wie bisher weitermachen. Durch die Krise und den Wegfall von Steuereinnahmen, wird es aber deutlich schwieriger werden."

Nach dem Wahlerfolg von Uwe Kirschstein in Forchheim ist ein starkes Signal für ein neues Miteinander im Stadtrat nötig, analysiert FT-Redakteur Ekkehard Roepert.