"Seid ihr gut drauf? Wir wollen heute mit euch tanzen, feiern und abgehen," eröffnete Gitarrist Bastian Götz das Konzert vor ausverkauftem Haus. Die Band "Chicolores" feierte am Freitag mit einem funkig-fulminanten Jubiläumsauftritt ihr 20-jähriges Bestehen im Jungen Theater Forchheim.

Mit der Wahl dieses Veranstaltungsortes ging die Formation, die ihre Karriere als Schülerband begann, zurück zu ihren Wurzeln: Im März 1999 gaben sie auf diesem Podium ihr Debüt. "Unsere Gage bestand in der Anfangszeit einmal sogar aus einem Stück Kuchen," verriet Götz mit einem Augenzwinkern. Inzwischen hat sich die Kapelle weit über die Grenzen der Fränkischen Schweiz hinaus einen Ruf als versierte und talentierte Liveband erspielt.

Zeitreise durch zwei Jahrzehnte

In drei Sets, gegliedert nach Jahren: 2000-2006, 2007-2013, 2014-2020, nahm die neunköpfige Besetzung ihr Auditorium mit auf eine Zeitreise durch 20 Jahre Bandleben und mehrere Jahrzehnte Musikgeschichte. Die ersten Akkorde des Instrumentalstücks "Apache" der britischen Gruppe "The Shadows" aus dem Jahr 1960 entfachten sofort eine Aufbruchstimmung á la Wilder Westen und ließen ein Programm de luxe erwarten.

Schon beim nächsten Titel "Wadde hadde dudde da", der deutsche Beitrag von Stefan Raab zum "Eurovision Song Contest 2000", lockerten sich die Hüften. Bereits beim dritten Stück "Think" der US-amerikanischen Soulsängerin Aretha Franklin war der Beat von der Bühne auf die Tanzfläche übergesprungen.

Weiter ging es mit feinstem Ska, unter anderem von "The Toasters", die zu den weltweit bekanntesten Vertretern der Tanzmusik aus Jamaica zählt. Beim Übergang von James Brown's "Sex Machine" zum Theme von "Mission Impossible" lieferten sich Sébastian Angrand am Schlagzeug und Florian Leuthold, Percussion, einen stakkatoartigen Schlagabtausch mit Bäääm!-Effekt. Bei den Interpretationen der britischen Acid-Jazz-Band "Jamiroquai" von Dennis Boss, der sich durchweg als professioneller Performer der verschiedensten Genres präsentierte, ging das Publikum durch die Decke.

Gitarrist Bastian Götz im Exklusiv-Interview - lesen Sie hier

Johanna Fingas überzeugte unter anderem bei Medleys aus Legenden der 80er und 90er Jahre mit ihrer facettenreichen, soulig-rockigen Power-Stimme. Auch Claus Friedrich, tastenstark am Keyboard, erregte maximale Gänsehaut, wenn sein Gesang zu vollem Volumen anschwoll. Für verlässlich fette Bässe sorgte Oliver Eppenauer. Als Solisten, im Duo und im Ensemble erzeugten Tobias Schöpker am Saxofon und Klaus Wangorsch an der Trompete Vibrationen, die Ohr, Mark und Bein melodisch durchdrangen. Gitarrist Bastian Götz lieferte bekannte Riffs mit gekonntem Griff und viel Leidenschaft.

20 Jahre Erfahrung machten aus der einstigen Schülerband erprobte Tonkünstler mit fränkischem Kultstatus und waschechte Bühnen-Cowboys, die Musik mit Herz aus Überzeugung machen und ihr Handwerk verstehen: Mit Bass und Beat ziehen sie Freunde unterhaltsamer Live-Akustik blitzschnell in ihren Bann und verwandeln Sound zu Move.