Unaufdringlich, geradezu bescheiden wirkt Edmund Ulm, wenn der 53-Jährige von seinen Lebensweg bis zum Chefsessel im Igensdorfer Rathaus spricht. Auf sich zukommen lassen, mitmachen, beobachten, Verantwortung übernehmen. Der CSU-Politiker nimmt sich Zeit, um zu reflektieren und zu erklären.

"Ich würde es nicht mehr so machen", gibt er rückblickend offen zu, was seinen beruflichen Werdegang und Ambitionen angeht. Ulm wird am 3. Oktober 1966 geboren und wächst als einziger Sohn auf einem landwirtschaftlichen Hof im Igensdorfer Ortsteil Dachstadt auf. Seine Familie hat einen Milchviehbetrieb, wo er von Kindesbeinen an mithilft. "In meiner Denke war klar: Ich übernehme einmal den landwirtschaftlichen Betrieb", erinnert er sich.

Sein Weg schien vorgezeichnet. Edmund Ulm absolviert eine Industriemechaniker-Lehre bei "Kugelmüller" (heute GMN) in Nürnberg. Bei dem Kugellagerhersteller arbeitet er bis heute, zuletzt ist er stellvertretender Werkstattleiter. Heute reflektiert er: "Es hat mich nie herausgetrieben, weil ich eigentlich gar nicht die Zeit gehabt und mir die Gedanken über Weiterbildung gemacht habe." Der große Karrierewechsel steht nun bevor: Nach 37 Jahre beim selben Betrieb beginnt ab 1. Mai sein neuer Job als hauptamtlicher Bürgermeister der Marktgemeinde Igensdorf.

Edmund Ulm ist Dachstadt immer treu geblieben. Er übernimmt den elterlichen Hof und baut ein neues Wohnhaus. Seit einigen Jahren hält die Familie keine Milchkühe mehr, sondern betreibt ausschließlich Obst-, Acker- und Forstbau im Nebenerwerb. Die Familie Ulm lebt in einem Mehrgenerationenhaus zusammen: Edmund Ulm wohnt mit seiner Frau Heike Ulm, dem neunjährigen Sohn Sebastian und seinen Eltern unter einem Dach. Hinzu kommt Tochter Christina (26), die Heike Ulm aus einer früheren Ehe mitgebracht hat; sie wohnt allerdings nicht in Dachstadt.

"Wie auf dem Land üblich", ist Ulm in mehreren Vereinen aktiv. Mehrere Jahre spielt er Fußball beim FC Stöckach, ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und Vorsitzender des Soldaten- und Kameradenvereins in Dachstadt.

Politik in den Genen

"Für die Kommunalpolitik ist eine genetische Erblast vorhanden", scherzt Ulm. Sein Großvater Georg Ulm ist 1945 von der amerikanischen Besatzung als Dachstadts Bürgermeister eingesetzt worden, nachdem die NS-Bürgermeister aus dem Amt enthoben wurden. Sein Großvater war bis zur Gebietsreform 1972 der Bürgermeister in Dachstadt. Edmund Ulm erlebt die Gemeindepolitik dadurch bereits als Kind direkt mit. "Die Verwaltung war quasi bei uns im Wohnzimmer", sagt Ulm und erinnert sich, wie sein Großvater dort am Morgen die Amtsgeschäfte erledigte. "An bestimmten Tagen konnte man nicht ins Wohnzimmer, denn da kam der Gemeinderat."

1972 war sein Großvater zudem Gründungsmitglied des CSU-Ortsverbandes Igensdorf, zusammen mit Erwin Zeiß, dem langjährigen CSU-Bürgermeister (1972 bis 2008) und Ehrenbürger der Marktgemeinde.

"Nicht mit aller Macht"

Edmund Ulm selbst war lange Jahre nicht in der CSU. Erst 2008 tritt er ein, als andere ihn fragen, ob er auf der CSU-Liste als Gemeinderat kandidieren möchte. Damals verpasste er den Einzug und wird erster Nachrücker. Als 2010 eine Gemeinderätin aufhört, rückt Edmund UIm in das Gremium nach und ist seitdem durchgehend im Igensdorfer Gemeinderat. Vor zwei Jahren sei die Idee entstanden, sich als Bürgermeisterkandidat aufzustellen. "Um dem Bürger eine Wahlmöglichkeit zu geben", nennt Ulm als seinen Beweggrund. "Ich habe zwar die ,Genetik' immer gehabt, aber ich habe das Amt ein Stück weit zu mir kommen lassen und bin nicht forsch nach Vorne gesprungen. Ich habe es nicht mit aller Macht haben wollen. Es hat sich so ergeben", sagt er.

Seine erste große Herausforderung im Amt sei nun, "den Haushalt auf Vordermann" zu bringen. Igensdorf müsse die Wassergebühren und -beiträge anpassen; die Kommunalaufsicht mache bereits Druck. "Das sind politische Maßnahmen, die kein Bürgermeister oder Gemeinderat gerne macht", weiß er. "Und wir haben ein Riesenproblem vor der Brust: Die Lindelberghalle." Nachdem die Außenhülle der Halle saniert wurde, könne im Innern nicht weitergemacht werden, weil die Kosten "davon laufen" und die Haushaltsmittel fehlen.

Ideen für Igensdorf

Weitere Projekte, die er als Bürgermeister in Angriff nehmen will: Die Gräfenbergbahn voranbringen, Park-and-Ride-Anlagen realisieren oder einen "Obstler-Pfad" für die Brennereien rund um Igensdorf etablieren. Außerdem schwebt ihm ein "Schwabachtal-Radweg" vor. Dafür müssten von Erlangen bis Forchheim Radwegelücken geschlossen werden. "Das wären langfristige Visionen."