Nur noch die großen Buchstaben an der Außenfassade erinnern daran das hier einst der Lebensmitteldiscounter Norma eine Filiale betrieben hatte. Nach 32 Jahren war im Frühjahr damit Schluss und die Norma zog in den ehemaligen Aldi-Markt im Industriegebiet Am Langen Berg.

Seitdem gibt es in der Innenstadt keinen Einkaufsmarkt mehr, was viele Pottensteiner bedauern. Am vergangenen Mittwochmorgen tat sich aber nun für alle von außen sichtbar etwas: Das große Schaufenster der ehemaligen Norma wurde ausgebaut. Nun fragten sich einige der Passanten, die vor allem in der Filiale der Muggendorfer Metzgerei Wehrfritz einkaufen, was denn nun dort rein kommt. Doch wieder ein Lebensmittelladen?

Denn bis zuletzt war immer wieder im Gespräch das wieder ein Supermarkt hier eröffnen wird. Hausbesitzer und Hufeisen-Braumeister Josef Wiegärtner winkt ab. "Ich bin von vielen Pottensteinern darauf schon angesprochen worden", sagt er und beteuert, dass er alles versucht habe, wieder einen Lebensmittelladen in die Pottensteiner Innenstadt zu bringen. Es seien mehrere Interessenten gewesen und ein Kaufmann aus Bayreuth hatte so gut wie schon zugesagt. Für einen Laden mit knapp 800 Quadratmetern und vorhandenen Parkplätzen hätte das ausgereicht.

Als dann aber der Zeitungsbericht von einer öffentlichen Stadtratssitzung erschienen sei, in dem Gewerbe- und Einzelhandelsimmobilienexperte Roland Liesmann diesem Standort keine guten Zukunftsperspektiven attestierte, sei dieser dieser auch wieder abgesprungen. "Das war der Todesstoß für einen Lebensmittelladen in der Pottensteiner Innenstadt", so Wiegärtner. Konzepte für einen Laden habe es gegeben und "von der Miete her" wäre es auch im Rahmen geblieben, sagt Wiegärtner.

Unterstützung der Stadt vermisst

Auch die Norma wäre geblieben, wenn der Anbau gekommen wäre und die Stadt auf der anderen Seite des Haselbrunnbachs die zwölf Stellplätze im Rahmen der Stadtsanierung gebaut hätte. "Ich habe die Unterstützung der Stadt dabei vermisst", betont Wiegärtner.

Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) habe ihn auch nach der Kommunalwahl nicht mehr angerufen. Behauptet Wiegärtner. Auch der Streit, wer nun Schuld ist, das die Norma auszog, sei nun Schnee von gestern. Wiegärtner hätte jedenfalls seine Hausaufgaben gemacht, denn seit 2015 sei schon die Finanzierung für den Anbau gestanden.

Xerion-Oversas produziert hier

Bürgermeister Frühbeißer verwies damals allerdings darauf, dass Wiegärtner nie einen Bauantrag bei der Stadt eingereicht habe, über den der Stadtrat entscheiden hätte können. Für Wiegärtner ist der Zug für einen Lebensmittelladen nun endgültig abgefahren. Denn jeden Tag länger, an dem seine Immobilie leer steht, ist ein verlorener Tag. Deshalb hat er sich nun entschieden, dass die Firma Xerion-Oversas ihre Produktionsstätte in die ehemalige Norma verlagert.

Firma der Ehefrau zieht ein

Diese Firma wurde im Jahr 2000 gegründet. Geschäftsführerin ist Josef Wiegärtners Ehefrau Kerstin Wiegärtner. Die Firma Xerion-Oversas produziert Nahrungsergänzungsmittel und Bio-Säfte mit so exotischen Namen wie Biononi, Bioaloevera, Biogoji oder Biomangostan.

"Unsere Philosophie, direkt vom Produzenten bis zur fertigen Flasche alles aus einer Hand, hat sich bei unseren Kunden im Inland als auch im europäischen Ausland bewährt. Nicht Quantität steht bei uns an erster Stelle, sondern Qualität", heißt es unter anderem auf der Webseite der Firma Xerion-Oversas. "Wir haben Kunden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden", sagt Wiegärtner der auch Ampullen mit Hanfextrakten herstellt oder seit neuestem auch Handdesinfektionsmittel nach WHO-Standart, die auch gegen Coronaviren wirken.

Ab sofort Privatparkplätze

Die Parkplätze der ehemaligen Norma-Filiale, die außerhalb der Ladenöffnungszeiten und an Sonn- und Feiertagen von der Allgemeinheit und von Touristen kostenlos genutzt werden konnten, sind ab sofort Privatparkplätze. "Wer dort trotzdem parkt, muss damit rechnen kostenpflichtig abgeschleppt zu werden", sagt Wiegärtner. Die Filiale der Metzgerei Wehrfritz bleibt den Pottensteinern aber vorerst erhalten. Es ist schließlich noch der einzige Metzger im Felsenstädtchen.