Die sportliche Herausforderung hat Jürgen Jäkel schon immer geliebt. Als Schüler belegte er den ersten Leistungskurs Sport am damals neuen Herzogenauracher Gymnasium. Er spielte fortan Volleyball und Fußball und kickte in der einst glanzvollen Zeit des Herzogenauracher Freizeitfußballs in der Mannschaft der Barracudas. Auch beruflich blieb er dem Sport treu, ließ sich zum Masseur ausbilden und war zuletzt in diesem Bereich Fachlehrer an einer Berufsschule in Erlangen.

Jetzt stellt sich dem 53-Jährigen eine erneute Herausforderung. Die Großenseebacher wählten Jürgen Jäkel zu ihrem Bürgermeister. Und entschieden sich damit für ein neues Gesicht auf einer vollkommen neuen Liste. Auch das weckt im früheren Herzogenauracher, der mit seiner Frau Kathrin und der neunjährigen Tochter Hannah seit zehn Jahren in Großenseebach lebt, den sportlichen Ehrgeiz.

Jürgen Jäkel schaffte in der Stichwahl den Sprung als oberster Dienstherr ins Rathaus der etwa 2500 Einwohner umfassenden Gemeinde. Dieser Erfolg kam für ihn durchaus überraschend, wie er im Pressegespräch mit dem FT feststellt. "Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet", sagt er. "Auf die Stichwahl hatte ich aber schon gehofft." Heute tritt er seinen Dienst offiziell an.

Letztlich lag der Wahlerfolg sicher auch an der Präsenz der neuen Liste während des Wahlkampfs in der Öffentlichkeit. Und am Wahlprogramm. Auf einem vierseitigen Flugblatt wurden alle Ziele und Ansichten der Liste und des Bürgermeisterkandidaten dargelegt. "Als Bürgermeister möchte ich aktiv die Weiterentwicklung unseres Ortes voranbringen", schrieb Jäkel im ersten Satz. "Um allen Generationen ein lebenswertes Umfeld zu schaffen". Offenbar hat schon dieser Einstieg die Wähler abgesprochen.

"Wir waren viel in der Öffentlichkeit", bilanziert Jäkel. Und wollten neugierig machen auf die Neuen. Das ist am Ende auch gelungen. Auch seine Frau Kathrin hat ihn da unterstützt. Beide waren dabei, als die neue Liste im Juli 2019 gegründet worden ist. Für den Gemeinderat kandidiert hat die 40-Jährige indes nicht. Auch habe man "bewusst auf einen fairen Wahlkampf gesetzt", sagt der neue Bürgermeister.

"Miteinander für Großenseebach", kurz MFG, ist aus der SPD-Fraktion heraus entstanden. Bereits dort waren ein paar Gemeinderäte aktiv, die der Partei gar nicht angehörten. Frei von Parteipolitik zu sein, war auch ein wichtiger Punkt für Jürgen Jäkel. Er habe gespürt, dass sich Bürger gerne engagieren wollen, aber eben nicht in einer Partei. Das habe man angesprochen. "Ihr könnt euch, völlig unabhängig, für Euer Dorf engagieren", lautete die Botschaft.

Gereicht hat es bei der Kommunalwahl im März für fünf Sitze. Jäkel eingerechnet, sind es sechs. Die CSU kommt auf fünf Mandate, die Freien Wähler haben vier. Ein sehr ausgeglichenes Gremium also, dessen Besetzung wohl auch die Gemeinsamkeiten in den Themen widerspiegelt. "Große Streitpunkte gab es nicht", die Wahlprogramm seien weitgehend deckungsgleich gewesen.

Ein wichtiges Thema der kommenden Jahre wird da sicherlich ein Dorfmittelpunkt mit Bürgerhaus und Bücherei sein. Jäkel kann sich vorstellen, die Ideen der Bevölkerung bei einer Bürgerversammlung zum Thema abzufragen. Zunächst aber muss der Neue erst einmal starten. Am heutigen Montag geht's los. Dann trifft er sich mit seinem Vorgänger Bernhard Seeberger und dem Heßdorfer Amtskollegen Horst Rehder am VG-Sitz in Heßdorf. Das Großenseebacher Rathaus hat derzeit noch geschlossen, wegen Corona. Das möchte Jäkel für sich und seine Mitarbeiterin aber ändern.

Beruflich freigestellt

Die konstituierende Sitzung des Großenseebacher Gemeinderates findet am 14. Mai in der Mehrzweckhalle statt. Obwohl das Amt des Bürgermeisters auch in den kommenden sechs Jahren ehrenamtlich ist, hat sich Jäkel hierfür von seinem Beruf freistellen lassen. Er will mit vollem Elan Bürgermeister sein.

Eine der ersten Aufgaben wird es auch sein, die Öffnung der Grundschule zu begleiten. Die vierten Klassen sollen ja bald wieder mit dem Unterricht beginnen. Überdies gibt es, freilich nicht nur wegen der Coronakrise, viele gemeinsame Herausforderungen mit den anderen Gemeinden im Seebachgrund. Schon deshalb schwebt dem neuen Mann in der kleinsten Gemeinde ein regelmäßiges monatliches Treffen mit seinen wiedergewählten Amtskollegen Heinrich Süß (Weisendorf) und Horst Rehder (Heßdorf) vor.