Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Höchstadt braucht dringend einen neuen Standort für seine Streuobstverarbeitung. Dies verdeutlichte der Vorsitzende Herbert Lawrenz den 22 anwesenden Mitgliedern in der Jahreshauptversammlung am Samstag in der Aischtalhalle.

"Es ist zu eng, es ist zu laut, die Verkehrssituation vor dem Gebäude ist schwierig", fasste Lawrenz die Probleme am momentanen Standort in der Oberen Brauhausgase zusammen, "Diese Themen haben uns dazu bewogen, zu überlegen, wie wir das verbessern können." Unterstützung bei der Suche nach einem passenden Grundstück erhielt der Verein durch den Höchstadter Architekten Georg Leyh, der kostenlos für jeweils in Frage kommende Areale einen Entwurfsplan erstellte.

Doch die Kosten für eine komplette Verlagerung hätten mit 500 000 bis 600 000 Euro den Rahmen des Möglichen bei Weitem gesprengt. "Es waren lebhafte, teils harte Diskussionen, bis die Idee gereift ist: specken wir ab", so Lawrenz. So soll nun lediglich die Streuobstverarbeitung umziehen, die Brennerei bleibt am alten Standort.

Mit neuen Voraussetzungen fand sich ein passendes Grundstück am Gewerbering. Wo momentan noch Bienen auf einer Blühwiese summen und brummen, könnte bald eine Halle stehen. Geplant ist ein Gebäude mit einer Grundfläche von knapp 120 Quadratmetern und einem umbauten Raum von 640,82 Kubikmetern. "Lärmintensive Geräte wie Presse, Zentrifuge und Kompressor sind dann getrennt untergebracht", erklärte Lawrenz, "und nach Westen wäre ohne Weiteres noch Platz für einen eventuellen Anbau."

Die Stadt gibt 15 000 Euro

Für das Grundstück wurden 36 000 fällig, was die Hälfte dessen auffraß, was der Obst- und Gartenbauverein angespart hatte. Anschaulich erläuterte Georg Leyh die einzelnen Posten, die noch zu finanzieren wären. Für die Streuobstverarbeitungshalle, die mit einer neuen, gasbetriebenen Pasteurisierungsanlage versehen sein wird, würden inklusive Gebäudetechnik, Außenanlagen etc. weitere 346 115 Euro fällig. Ein Zuschuss von 15 000 Euro durch die Stadt Höchstadt wurde laut Lawrenz zugesagt.

Anne Billenstein von der LAG Aischgrund offerierte dem Verein zudem eine Förderung durch das sogenannte Leader-Programm. Dadurch würde das geplante Projekt mit 40 Prozent der Kosten bezuschusst. In vier bis achtWochen soll die Entscheidung fallen, ob der Obst- und Gartenbauverein in den Genuss dieser Förderung kommt. "Ohne die Zuschusszusage ist das nicht vorstellbar", sagte Lawrenz, "dann müssen wir die Sache einstampfen."

In der Hoffnung auf die Bezuschussung steht Lawrenz mit Bernd Ehrlicher ein passives Mitglied des Vereins zur Seite. "Ich habe 45 Jahre als Banker gearbeitet", sagte Ehrlicher und präsentierte den Anwesenden ein bis zum letzten i-Tüpfelchen durchdachtes und durchgeplantes Finanzierungskonzept, das es dem OGV ermöglichen würde, das Projekt zu stemmen. Er addiert Eigenmittel, Zuschüsse, das angedachte Darlehen in Höhe von 120 000 Euro, Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie Einnahmen durch das Pressen, Brennen und den Schnapsverkauf zusammen.

"Das Altstadtfest können wir ja knicken", erklärte er, rechnete aber auch hinein, dass das ja nicht für immer so sein wird. Die dann noch fehlenden 55 262 Euro Euro sollen durch die Mehrwertsteuererstattung gedeckt werden, womit die Rechnung letztendlich aufgeht. "Ohne ihn (Ehrlicher) wären wir bei den ganzen Konstellationen aufgeschmissen gewesen", stellte Lawrenz klar.

Wenn alles klappt, könnte bereits im Oktober dieses Jahres Baubeginn sein, die Inbetriebnahme wäre dann für Dezember 2021 angedacht. Zum Schluss erfolgte noch die Bestellung eines Bauausschusses zur Sicherung kurzer Wege. Berufen wurden Georg Leyh, Heike Schulz, Franz Rabl, Wolfgang Giering, Herbert Lawrenz, Alexander Schulz, Bernd Ehrlicher, Martina Kleetz, Günter Lorz und als Vertretung für Lawrenz Holger Fleischer.