Als Libero beim Fußball bezeichnete man laut Sportlexikon früher den Chef der Abwehr, "der die Spieler einteilt und ihnen sagt, wie wer zu spielen hat". Ist es Zufall, dass Gerd Dallner, der künftige Bürgermeister der Gemeinde Pommersfelden, in seiner vom Fußball geprägten Zeit gerade diese Position inne hatte? Beim TSV Schlüsselfeld spielte er etliche Jahre in der Bezirksliga und sogar ein Jahr in der Bezirksoberliga. Die Erfahrung, "das Spiel zu lenken", kann dem begeisterten Sportler in seiner neuen Position deshalb nur dienlich sein.

Der Fußball war vielleicht sogar der Ausgangspunkt dafür, dass der heute 48-jährige Steppacher ab 1. Mai im Pommersfeldener Rathaus das Sagen hat. Denn sein Engagement für die Gesamtgemeinde nahm eigentlich auf dem Spielfeld seinen Anfang. Als seine beiden Jungs - heute 15 und 17 Jahre alt - begonnen hatten, dem Ball hinterherzurennen, hatte er viel Spaß daran, mit ihnen zu üben. Das muss auch anderen aufgefallen sein.

Bald schon übernahm Gerd Dallner als Trainer und Betreuer den in Spielgemeinschaften vereinten Nachwuchs aller drei Fußballvereine in der Gemeinde. "Das war super und hat die Gemeindeteile zusammengebracht", sagt er heute. Denn nicht immer war das "Zusammenspiel" der Gemeindeteile so gut - in früheren Jahren mitunter sogar schwierig.

Nun, seinen Teamgeist hat er damit auf jeden Fall unter Beweis gestellt. Seit einer Amtsperiode im Pommersfeldener Gemeinderat, hat Dallner zunächst nicht daran gedacht, seinen Beruf als Rechtsanwalt an den Nagel zu hängen. Erst als vor einem Jahr in der ganzen Gemeinde das Thema der Nachfolge von Bürgermeister Hans Beck diskutiert und er immer wieder angesprochen wurde, habe er darüber nachgedacht, sagt er. Dass ihm die gute Zusammenarbeit im Gemeinderatsgremium Spaß machte, spielte in die Entscheidung mit hinein. "Vernünftig zu argumentieren, Lösungen zu finden, der Austausch mit den Bürgern", und das über alle Ortsteile hinweg, sei das, was ihn motiviere.

In seinem Heimatort "tief verwurzelt", sei es für ihn von Jugend an selbstverständlich gewesen, sich im Leben des Dorfes einzubringen. In einer Großfamilie mit drei weiteren Geschwistern aufgewachsen, sei ihm das vorgelebt worden. Die Eltern hätten sich im dörflichen Leben auf vielfältige Weise engagiert: in der Theatergruppe, im Chor, im Kirchenvorstand, in den Vereinen und bei der Dorferneuerung.

Von sich selbst sagt der 48-jährige Jurist, dass er "ein sehr geselliger Mensch" sei. Vor Corona habe es regelmäßige Treffen in fröhlicher Runde mit Freunden und der ganzen großen Familie gegeben. Das fehle ihm derzeit sehr.

Zur engeren Familie gehören Ehefrau Nicole, selbstständige Physiotherapeutin mit einer Praxis in Höchstadt, sowie die Söhne Max und Ole. Außerdem gibt es da noch den "Familienhund" Yoshi, ein Havaneser, der von allen nur "Schorsch" gerufen wird.

Jetzt will sich Gerd Dallner ein E-Bike anschaffen und damit durch die Flur radeln, um die Gemeinde, ihre zehn Ortsteile und die Wege noch besser kennenzulernen. Dass das neue Amt "ein Vollzeitjob" wird, darüber ist er sich im Klaren. Aber mit einer 40-Stunden-Woche sei er in seinem Beruf als Rechtsanwalt - Spezialgebiet Arbeits- und Vertragsrecht - auch bisher nicht ausgekommen.