Es dauert, bis Sascha Günther auf dem roten Honda aufsitzen und losmähen kann. Obwohl heute keine Sprechstunde ist, hat ein Bekannter den leuchtend organgefarbenen Twingo vorm Rathaus entdeckt und holt mal eben gelbe Säcke. Beim Bürgermeister. Dann: Zahllose Menschen wollen auf dem kurzen Weg zum Sportplatz gegrüßt sein. Dort angekommen, fragen zwei Rentner umgehend, was mit der Kerwa ist. Genau für die hat Günther zuvor noch schnell einer jungen Familie einen Süßigkeitsgutschein durchs Autofenster gereicht. "Aber fei fürs Kind", wie er scherzhaft mahnte. Ein sehr volksnaher neuer Rathauschef offenbar. Genau das will er sein.

Volksnah heißt für den 42-Jährigen im Übrigen, dort anzupacken, wo er gebraucht wird: Als Kommunionhelfer in der Kirche. Als Truppmann bei der Feuerwehr. In der CSU als Schriftführer. In der Kirchenverwaltung. Oder als Greenkeeper am Fußballplatz des Sportvereins Rot-Weiß Gerach. "Wenn Not am Mann ist, helfe ich auch in der Zweiten Mannschaft aus", als Stürmer, wie Günther auf Nachfrage konkretisiert. Das alles wird so bleiben. Günther meint damit, zusätzlich zum Amt des Geracher Bürgermeisters, das er ehrenamtlich bekleidet. Das heißt Sascha Günther arbeitet weiterhin als Angestellter der Firma Bosch in Bamberg.

Das ließ sich freilich seit März besonders gut bewerkstelligen, da Bosch kurzarbeitet.

Immer im Rathaus

So hatte der zweifache Vater Zeit, an jedem Tag, den er nicht für Bosch im Einsatz war, das Baunacher Rathaus aufzusuchen und sich einzuarbeiten. Denn Gerach gehört neben Baunach, Reckendorf und Lauter zur Verwaltungsgemeinschaft Baunach. Dort ist jeder der auswärtigen Kollegen in der Regel einen Tag pro Woche anwesend. Günther im Moment wesentlich öfter. "Weil es mich interessiert und mir gefällt." Sehr dankbar ist er dabei den Mitarbeitern in der Verwaltung, die ihm geduldig alles erklären. "Es macht Spaß", brennt er für all die Dinge, die mit dem neuen Posten verbunden sind. Besonders gefällt ihm, dabei, immer neue Menschen kennen zu lernen, mit vielen zu tun zu haben.

Sascha Günther setzt auf persönlichen Kontakt. Genau damit möchte er dafür sorgen, dass Projekte schneller vorankommen. So auf Baustellen im Austausch mit Architekten und Ausführenden.

Zu den begonnenen Projekten, die er auf diese Weise beschleunigen möchte, gehören der Bau des Feuerwehrhauses und des Kindergartens. Ebenso der Radweg nach Laimbach. Bei all der Beschleunigung will Günther dennoch aufs Gemeindegeld schauen. Allein für die beiden Hochbauten muss die 900-Seelen-Gemeinde jeweils gut 800 000 Euro aufbringen. Damit steht für Sascha Günther in jedem Fall fest, dass die Pro-Kopf-Verschuldung von 800 Euro zum Ende des vergangenen Jahres deutlich ansteigen wird. Dann wird man sich finanziell an der Sanierung der Schule in Baunach beteiligen müssen und schließlich steht mittelfristig die Sanierung der Laimbachtalhalle ins Haus.

Auch die Maßnahmen der Dorferneuerung begrüßt Günther. Weil es beim Pflastern des Kirchenumgriffs hakte, hat er schon für eine günstigere Variante die Weichen gestellt.

Fertiggestellt wurde im Mai das Neubaugebiet "Sonnenleite" mit 19 Bauplätzen im reinen Wohngebiet und zweien im Mischgebiet. "Was hier an Geld reinkommt, muss verwendet werden, um die Schulden zu senken", schildert er seinen Ansatz. Also vorsichtig mit den Finanzen umgehen.

Da greift er schon mal auch in die eigene Tasche. An diesem Kerwa-Wochenende gab es zwar nicht das Gewohnte, aber doch ein paar Stände für die Kinder. "Die haben in den letzten Wochen eine schwere Zeit gehabt." Deswegen beschloss er, jedes Kind in der Gemeinde bekommt aus seinem eigenen Geldbeutel drei Euro für die Kerwa. Er habe im Wahlkampf ja auch versprochen, etwas für die Kinder zu tun. Und er hat hautnah beim eigenen Nachwuchs Greta (12) und Lotte (10) erlebt, wie es den Jüngsten ergangen ist. Für die Senioren, die es ebenfalls nicht leicht hatten, will er sich noch was einfallen lassen.

Nah nah dran an den Menschen hier ist er ja, wie man merkt. Schon immer hat Sascha Günther alle Feste in der Gemeinde und die von den 20 Vereinen besucht. Auch da erfahre man so einiges. Oder eben auf dem Weg zum Sportplatz und Rasenmähen. Bei letzterem könne er so richtig entspannen. Etwa zwei Stunden braucht er für 5400 Quadratmeter. Wenn da nicht noch ein wichtiges Gespräch kommt.

 

WAHLPRÜFSTEINE

FT-Frage: Vor der Wahl haben wir allen Bürgermeisterkandidaten unter anderem diese Frage gestellt: Bei welchen drei Themen sehen Sie am meisten Handlungsbedarf in Ihrer Gemeinde und wie wollen Sie diese anpacken?

Sascha Günther: Gerne möchte ich unsere Gemeinde weiter voranbringen und darum neue Projekte starten und bereits begonnene Projekte zum Abschluss bringen.

Als Bürgermeister möchte ich die Dorferneuerung unterstützen. Bereits eingebrachte Pläne (Umfeld am Damla, beziehungsweise Kirche) würde ich gerne weiterführen.

Die Ausgaben müssen auf ihre Notwendigkeit geprüft werden, damit keine größeren Belastungen für die Einwohner entstehen.