Ende Januar soll das Gutachten vorliegen. Dann weiß Leiterin Sabine Schubert, ob ihre Kindertagesstätte Philippus dem großen Wunsch nach einer Generalsanierung endlich näherkommt.

Bis dahin sind hier die Kinder an Wintertagen ein bisschen wärmer angezogen als in anderen Einrichtungen. Türen und Fenster sind undicht, die Heizung bringt nicht mehr genug Leistung. 75 Mädchen und Jungen teilen sich ein enges Bad, in dem zwar zwischenzeitlich die Wasserhähne ausgetauscht wurden, es aber immer noch sehr unangenehm riecht. "Meine jüngere Tochter wollte hier erst nicht aufs Klo gehen", sagt die stellvertretende Leiterin Christine Bergheim. Immerhin befindet sich die einzige Wickelgelegenheit inzwischen nicht mehr am Boden einer Dusche in der Ecke - das Besucherklo wurde kurzerhand zum Wickelraum umfunktioniert.

Bis zu 90 Prozent Förderung

Weil der frühere Schlafraum aus brandschutzrechtlichen Gründen gesperrt wurde, schlafen die Kinder nun mittags in der Turnhalle. Wird diese anderweitig benötigt, müssen die Kinder vorzeitig geweckt werden.

Die Liste, mit der Elternbeirat und Kita-Leitung sich schon seit Jahren an Politik und Verwaltung wenden, ist lang. Im November war dann der aufgestaute Frust so groß, dass die Kita mit einer größeren Abordnung aus Erwachsenen und Kindern in der Bürgersprechstunde von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) vorstellig wurde.

Wenige Tage später war dann der Gutachter da. Wenn er zum Ergebnis kommt, dass eine Generalsanierung der 1988 erbauten Kita nötig ist, kann die Stadt weitere Schritte unternehmen, Fördermittel nach dem Finanzausgleichsgesetz beantragen, im Bausenat über einen entsprechenden Bauantrag und im Finanzsenat über den städtischen Eigenanteil beraten. Die Gesamtkosten der Maßnahme dürften bei deutlich über einer Million Euro liegen, bei allerdings bis zu 90 Prozent staatlicher Förderung. Damit freilich Geld aus dem Investitionsprogramm "Kinderbetreuungsfinanzierung" fließt, müssen entweder neue Kita-Plätze entstehen oder bestehende erhalten werden, die ohne Sanierung wegfallen würden.

Aufgrund stetig steigender Einwohnerzahlen und entsprechend wachsendem Betreuungsbedarf hatte die Stadt Bamberg 2017 eine Kita-Offensive gestartet. "Bis heute wurden brutto 24 Krippen-, 73 Kindergarten- und 45 Hortplätze neu geschaffen", teilt dazu Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar mit. OB Starke hatte in seiner jüngsten Haushaltsrede auf 22 Millionen Euro kindbezogene Förderung für 2020 hingewiesen, das habe es so noch nie gegeben.

"Aus meiner Sicht tut sich immer noch zu wenig", sagt hingegen OB-Kandidatin Ursula Redler (BA). Was Krippenplätzen angehe, liege die Abdeckung nur bei 60 Prozent. Entsprechend warteten 40 Prozent der Eltern noch auf einen Krippenplatz. Vordergründig würden sich viele mit den Zielen der Kita-Offensive identifizieren. Doch wenn es um die Ausgestaltung gehe, kämen die Gespräche zwischen Stadt und Trägern nur sehr schleppend voran. Dass habe zum Beispiel im Falle von Sankt Urban zu erheblichen Verzögerungen geführt. Redler glaubt daher, dass auch der Zeitplan für weitere Kita-Vorhaben so nicht eingehalten werden kann.

Bildungsreferent Christian Lange (CSU) unterstreicht die Notwendigkeit der Schaffung zusätzlicher Betreuungsangebote "von der Krippe bis zum Hort". Er hat in Gesprächen mit verschiedenen Trägern unter anderem ausgemacht, dass sich diese einen "Kümmerer" in der Verwaltung wünschen, der als Schnittstelle für bauliche, finanzielle und pädagogische Belange fungiert. Eine solche Stelle würde er gerne im Bildungsreferat installieren.

Quantität und Qualität

"Es ist was im Gange, es reicht aber noch bei weitem nicht aus", sagt die städtische Familienbeauftragte Carolin Lang. "Es gibt definitiv noch zu wenig Plätze, und die Familien müssen oft bis zum Schluss zittern, ob sie einen Krippenplatz bekommen." Vor einem Jahr hatte sie bereits mit den Vorsitzenden des Familienbeirats der Stadt gefordert, dass die Kita-Offensive "deutlich zügiger realisiert wird". Einer der damaligen Vorschläge, dass die Stadt durch eine Übernahme von Trägerschaften den Ausbau beschleunigt, soll bald am Gaustadter Ochsenanger Realität werden. Die Unterzeichnerinnen machten damals auch deutlich, dass neben der Quantität die Qualität der Angebote im Blick behalten werden muss.

Diese stimmt nach Aussagen von Eltern und Kindern in der Kita Philippus, das Feedback sei gut, die Warteliste lang. Nun müssten nur noch die baulichen Voraussetzungen stimmen.

100 zusätzliche Hortplätze?

Wie die Nachfrage nach Kita-und Kindergarten-Plätzen ist auch die nach schulischer Ganztagsbetreuung gestiegen. OB-Kandidat Christian Lange (CSU) kündigte an, im Falle seiner Wahl in der neuen Wahlperiode 100 neue Hortplätze für Schulkinder zu schaffen.

Damit wolle er "den bedauernswerten Stillstand beim Ausbau von Hortplätzen, den ich für falsch halte, beenden". Es greife zu kurz, sich auf den Ausbau von Ganztagesangeboten für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren zu konzentrieren, vielmehr müssten auch die Grundschulkinder stärker in den Blick genommen werden.

Unterschiedliche Nachfrage

"Die Situation an unseren zwölf Grundschulen ist so unterschiedlich, dass an jedem Schulstandort eine eigene Form der Ganztagesbetreuung sinnvoll ist", sagt Lange. Daneben sei es aber erforderlich, auch flächendeckend neue Hortplätze in der Stadt Bamberg zu schaffen, um das Angebot an den Schulen zu begleiten.

Auch Familienbeauftragte Carolin Lang bestätigt wachsenden Bedarf an Ganztagsangeboten, die Nachfrage in den Stadtteilen sei dabei sehr unterschiedlich. "Auch die Klassenstärken wachsen, dadurch bekommen einige Schulen mittags ein echtes Raumproblem", sagt Lang.

Stand der Offensive

Plätze In der Kita-Offensive wurden bis heute brutto 24 Krippen-, 73 Kindergarten- und 45 Hortplätze neu geschaffen. Damit sind in Bamberg aktuell 502 Krippen-, 2014 Kindergarten- und 453 Hortplätze vorhanden.

Projekte 2020/2021 sollen acht weitere Projekte umgesetzt werden: die Neubauten Dr.-Ida-Noddack-Str. mit 24 Krippen- und 50 KiGa-Plätzen sowie Offizierskasino mit 36 Krippen- und 50 KiGa-Plätzen, Erweiterung der Kinderkrippe Zwergenträume (zwölf Plätze), Ersatzneubau Jean Paul mit Erweiterung um 24 Krippen- und 25 KiGa-Plätze, Generalsanierung St. Urban mit Erweiterung (zwölf Krippenplätze), Erweiterung Bildungszentrum Oberer Stephansberg um 24 Krippenplätze, Ersatzneubau St. Johannes mit Erweiterung um 24 Krippenplätze, Neubau Wildensorg ( zwölf Krippen- und 25 KiGa-Plätze)