Martin Lorber hat sich am Montag in aller Früh gegen 6.30 Uhr mit dem Zug aufgemacht nach Langenhagen, einer Kleinstadt in der Nähe von Hannover. Mit im Gepäck des Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg: 2216 Unterstützerunterschriften. Das Ergebnis einer bis Sonntagnacht gelaufenen Petition zum Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes in der Unteren Königstraße 13 und 15. Die Fahrt nach Niedersachsen ist der Versuch, den Verantwortlichen des Investors German Property Group persönlich das Ergebnis der Petition in Form eines Plakats zu übergeben. Alle Unterstützer fordern die Investmentfirma dazu auf, das Gebäude nicht weiter verfallen zu lassen, stattdessen endlich zu sanieren.

Seit langem macht die Immobilie jedoch einen anderen Eindruck: Die Fenster stehen zum Teil offen, Scheiben sind zuletzt auch zu Bruch gegangen und Nachbarn beklagen Ratten. "Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, dass die Firma sich jetzt um das Haus kümmert", sagt Martin Lorber.

Zu diesem Zeitpunkt, gegen 14 Uhr steht er am Bahnhof in Hannover - einigermaßen desillusioniert. Schließlich war er trotz mehrmaliger vorheriger Anmeldungsversuche per Mail nicht weiter als zur Rezeption der German Property Group gekommen. Dort war er von zwei freundlichen, aber leicht überforderten Damen, wie er sagt, informiert worden, dass niemand zu sprechen sei. Er habe so die Unterschriften "recht glanzlos" den Damen hinterlassen müssen, mit der Bitte, diese an die entsprechenden Stellen weiterzureichen.

"An sich hatte ich schon gehofft, dass die Firma Interesse an einer positiven Außendarstellung oder der Meinung der Bamberger Bevölkerung hat", sagt der 46-Jährige enttäuscht. Die Meinung der Bamberger dürfte klar sein: Der Investor steht in der Welterbestadt massiv in der Kritik, seine denkmalgeschützten Immobilien dem Verfall preiszugeben und diese als Spekulationsobjekte zu missbrauchen, was die Firma immer wieder von sich gewiesen hat. So war es auch beim denkmalgeschützten Gebäude in der Oberen Sandstraße 20, das schließlich Anfang des Jahres von der Stadt gekauft worden war.

Die Stadt hatte dann angekündigt, auch das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Roten Ochsen in der Unteren Königstraße 13 und 15 erwerben zu wollen. Über den Stand der Verhandlungen ist noch nichts Neues zu erfahren. "Es ist noch kein Durchbruch erzielt", erklärte Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Frage ist, ob wieder ein ähnlicher Verhandlungserfolg erzielt werden kann wie schon beim notgesicherten Haus in der Oberen Sandstraße. Damals hatte die Stadtspitze mit 550.000 Euro einen Ankaufspreis deutlich unter dem erstgenannten Preis des Investors und noch unter dem Verkehrswert aushandeln können.

Einen möglichen Verkaufspreis für das Gebäude in der Unteren Königstraße will die German Property Group derzeit nicht nennen. Signale gibt es aber, dass man "selbstverständlich" bereit sei, an die Stadt zu verkaufen. Man habe sich auch gegenüber der Stadt kooperativ gezeigt, "sodass wir zuversichtlich sind, in Kürze die Verkaufsverhandlungen beginnen zu lassen". Der Investor nimmt dagegen Abstand von eigenen Plänen: "Zum jetzigen Zeitpunkt würden wir den Verkauf einer eigenen Entwicklung vorziehen", erklärte am Montag Sprecherin Monika Schröder.

In der Königstraße herrscht derweil Stillstand. Zwar wurden die kaputten Scheiben notdürftig verschlossen, dennoch leidet das Gebäude. Martin Lorber und die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg wollen, dass das Denkmal möglichst zügig und vollständig bewahrt wird. Sie werben auch für den Verkauf an Sanierungswillige "zu einem fairen Preis". Die Denkmalschützer wissen dafür jetzt 2216 Unterstützer hinter sich.