Über frisch geschliffene Parkett-Böden kann man durch eines der fünf großen Fenster die Altenburg sehen. Maria, Josef, das Jesuskind, die Heiligen Drei Könige plus Ochs und Esel fänden wohl genug Platz in der knapp 160 Quadratmeter großen Sechs-Zimmer-Wohnung. "Nach dem Krieg haben hier noch acht bis zehn Leute drin gewohnt", sagt Hausbesitzer Peter Bahmer (Name geändert).

Doch biblische wie Nachkriegszeiten sind vorbei. Und die Wohnung steht seit einem dreiviertel Jahr leer - Wohnungsnot hin oder her. Denn die Ansprüche der Mieter hätten sich laut dem Hausbesitzer mindestens ebenso gesteigert, wie der Mietspiegel: "Bad zu klein, kein Balkon, Gestrüpp im Garten. Das sind völlig überzogene Erwartungen." Neben dieser hat Bahmer noch eine weitere, 96 Quadratmeter große leerstehende Wohnung in seinem Haus.

Alleine knapp 100 000 Euro habe er in die größere Wohnung gesteckt. Auch die Instandhaltungskosten würden immer weiter steigen. "Für das Geld, dass ich da ausgebe, könnte ich monatelang auf Hawaii wohnen." Aber das Haus, das seit 160 Jahren in Familienbesitz ist, bedeute ihm viel.

Zu günstig vermietet

Das größte Problem aus Bahmers Sicht: "Zwei Handwerker kosten mich 900 Euro. Pro Tag. Da fliegen die Tausender." Zudem werde es immer schwerer, überhaupt einen Termin zu bekommen.

Bahmer meldete sich nach dem Artikel zum "Volksbegehren 6 Jahre Mietenstopp in Bayern", er wollte auch die Sicht der Hausbesitzer dargestellt wissen. Statt eines Mietenstopps fordert er einen "Lohnstopp". Die meisten wüssten nichts von den Ärgernissen, die Vermieter haben. Zum Beispiel, dass Bahmer die 96-Quadratmeter-Wohnung zuletzt für 520 Euro vermietete (rund 5,40 Euro pro Quadratmeter), "aber dann bekam ich Ärger vom Finanzamt, das sei zu billig", erzählt er kopfschüttelnd. Also habe er die Miete erhöhen müssen. Die Mieterin klagte dagegen, "und ich habe verloren", sagt Bahmer.

Von diesem Problem berichteten auch einzelne Mitglieder des Bamberger Hausbesitzervereins "Haus & Grund", sagt Vorsitzende Martina Bauernschmitt. Denn die Werbungskosten der Vermieter werden nur dann vom Fiskus anerkannt, wenn mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete verlangt wird. Das Gesetz soll Schwarzmieten verhindern oder dass Wohnungen verbilligt an Bekannte vermietet werden. Denn so könnten negative Einkünfte entstehen, die gegen andere Einnahmen verrechnet werden. Allerdings gilt die Regel für alle. Das findet Bauernschmitt "absurd. Da werden soziale Vermieter bestraft." Gerade in sehr langen Mietverhältnissen, bei denen sich beide Seiten gut verstehen, verzichteten Vermieter auf Erhöhungen - und würden dann vom Finanzamt zur Rechenschaft gezogen.

Das betreffe zwar nur sehr wenige der etwa 3500 Mitglieder von "Haus & Grund", doch diese stünden vor großen Problemen. "In Bamberg haben wir einen qualifizierten Mietspiegel, da geht es noch mit der Berechnung der Vergleichsmiete", sagt Bauernschmitt. "Aber in Tütschengereuth oder sonst wo im Landkreis sieht das ganz anders aus." Zwar findet man bei der Internetsuche nach "ortsüblichen Mieten" Angaben von Immobilienfirmen zu so ziemlich jedem Dorf, "die haben aber mit der Realität nichts zu tun". So bleibt den Hausbesitzern oft nur übrig, einen Gutachter zu bezahlen.

Bahmers Probleme könne Bauernschmitt verstehen: "In Bamberg gibt es viele Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren, da gibt es permanent etwas zu reparieren." Die Mieter können bei vielen ausstehenden Reparaturen Mietminderung verlangen. "Und es wird immer schwieriger, einen zeitnahen Termin bei einem Handwerker zu bekommen." Mit den entsprechenden Einbußen müssten die Vermieter dann leben, "ohne dass sie etwas dafür können".

"Wir haben keine Miethaie"

Auch Besitzer, die bei einer Instandsetzung gleich energetisch mitsanieren, könnten nur einen bestimmten Anteil geltend machen. Nach solchen Ausgaben die Miete zu erhöhen sei legitim, aber nicht einfach. Erstmal müssen die Sanierungsmaßnahmen schriftlich ankündigt werden, mitsamt der voraussichtlichen Mieterhöhung. Wenn der Mieter die Erhöhung ablehnt, obwohl bereits saniert wurde, "müssen die Vermieter das erstmal einklagen. Das ist oft eine Großbaustelle. Viele sparen sich lieber den Ärger".

Das in Großstädten vorkommende "Rausmodernisieren" ungewünschter Mieter als Erhöhungsgrundlage gebe es in Bamberg nicht. "Wir haben keine Miethaie", meint Bauernschmitt. Die meisten Bamberger seien kleine Privatvermieter, die Häuser geerbt haben. "Klar wollen die Rendite machen, aber im Rahmen." Gesellschaften, die im großen Stil zu Spekulationszwecken Wohngebäude kaufen, "hocken nicht in Bamberg".

Entsprechend ablehnend steht der Hausbesitzerverein dem Volksbegehren entgegen. "Ein Mietenstopp ist für uns völlig indiskutabel. Man muss kostendeckend vermieten können." Erhöhung seien schwer genug durchzubringen, dafür gebe es ausreichend Gesetze. Der Mietspiegel steigt zwar seit Jahren und Bauernschmitt könne aufgebrachte Mieter teilweise verstehen.

Aber die Nachfrage in Bamberg sei nun mal "gewaltig" - und neben Handwerker-Kosten seien auch die Standards gestiegen, für die der Vermieter aufkommen müsse. Den Mietenstopp bezeichnet sie als "Eingriff in Grundrechte und die Vertragsfreiheit. Außerdem würde es sechs Jahre absoluten Stillstand bedeuten. Da besteht doch kein Anreiz mehr, umweltschonend zu sanieren oder gar zu vermieten."

Hausbesitzer Bahmer kenne viele Vermieter, "die wegen des ganzen Ärgers ihre Häuser lieber leerstehen lassen. Und auch ich habe bald keine Lust mehr."

Hintergrund: Volksbegehren Mietenstopp

Initiative Auf Initiative von Mieterverein München, Bayern-SPD, DGB, Deutschem Mieterbund und Linken sowie unterstützt von vielen weiteren Parteien wurde das bayernweite "Volksbegehren #6 Jahre Mietenstopp" ins Leben gerufen. Es gibt auch eine Bamberger Ortsgruppe.

Forderungen Die Initiative fordert eine sechsjährige Mietpreisbremse in 162 Gemeinden im Freistaat, darunter Bamberg. Ausnahmen sind angedacht, etwa für "faire Vermieter", die ihre Miete auf bis zu 80 Prozent des ortsüblichen Preises erhöhen dürfen. Auch neugebaute Wohnungen (ab 2017 erstmals vermietet) sollen vom Mieten-Stopp ausgenommen werden. Ziele Sind unter anderem eine Beruhigung der Marktlage sowie Zeit, um etwa Wohnbauvorschriften (wie Parkplatzpflicht) zu erleichtern. Unterschreiben Unterschriften sind bei Aktionen in der Fußgängerzone möglich, oder im Internet unter mietenstopp.de.

Mietspiegel Den Bamberger Mietspiegel für 2020 finden Sie hier.