Seit dem Jahr 1749 liegt eine bewegte Geschichte hinter der Gaststätte, die Hallstadter in der jüngeren Vergangenheit als Schwanenbräu, Rascher und Georgenhof besucht haben. Nun wird in der vor Jahren von der Stadt erworbenen Immobilie nach der aufwendigen Sanierung unter Denkmalschutzauflagen ein neues Kapitel geschrieben: als "Freigeist im Schwanenbräu", so der neue Name. Familie Lambiase, in der Region als Pächter der DJK-Gaststätte (Hüttla) in Gaustadt bekannt, kooperiert bei dem Vorhaben von Anfang an mit der Stadt. Beide setzen große Hoffnungen in das Gastro-Projekt. "Ein weiteres Highlight im Herzen der Stadt", freut sich Bürgermeister Thomas Söder (CSU).

Wichtig war dem Stadtrat dabei von Anfang an, dass bestehende Gastronomie eine Ergänzung findet und nicht Konkurrenz bekommt.

In dieser Woche herrscht innen und außen an dem in der Bamberger Straße gelegenen Areal Hochbetrieb. Schon lange kündet ein Bauzaun von entsprechendem Tun. Handwerker und Familie Lambiase scheinen derzeit um die Wette zu werkeln.

Fast vier Jahre sind vergangen von der Idee bis zur Fertigstellung. Corona hat nun im Endspurt noch einiges verzögert. Doch jetzt können es Küchenmeister Sandro Lambiase (30) und seine Schwester Laura (27), Hotelfachfrau, kaum noch erwarten, bis tatsächlich Eröffnung ist. Genauso ergeht es deren Eltern Raffaele und Michaela. Sie wollen den Kindern, die den "Freigeist" führen, zur Seite stehen.

Ein Teil vom Personal aus Gaustadt zieht mit um. Vorstellungsgespräche mit Neuen laufen. Aber man sei da noch etwas vorsichtig, sagt der Küchenchef, weil man nicht wisse, wie sich alles in Zeiten von Corona entwickle. Man habe derzeit jedenfalls genügend Platz, um bei der Bewirtung Abstände einzuhalten. In der Gastronomie groß geworden wissen Lambiases aber auch um die Anfälligkeiten und Abhängigkeiten der Branche. Was derzeit durch die Coronakrise noch einmal verschärft werde. Als Familienbetrieb könne man Dinge zumindest leichter abfedern, haben die Geschwister erlebt.

Sie sind regelrecht verliebt in die Gaststätte. "Was für eine Chance, ein neues Objekt mitgestalten zu können. Und dann noch so eines", schwärmt Sandro Lambiase. Seine Schwester und er finden an diesem Objekt alles äußerst gelungen. Ihr eindeutiger Favorit ist der Gewölbekeller. Dank eines Aufzuges auch barrierefrei zu erreichen.

Jetzt lichtdurchflutet

Ganz besonderes Flair herrsche freilich nicht nur dort, sondern auch im Restaurant. Wer die Lokalität von früheren Besuchen kennt, dürfte nicht schlecht staunen: Statt in düsteren Gasträumen findet man sich nun in lichtdurchfluteter Umgebung wieder. Die Geschichte des Hauses bringen freigelegte Gewölbezugänge nahe. Ein ausgeklügeltes Licht- und Ausstattungskonzept setzt historische Substanz in Szene. Bürgermeister Söder weiß auch, wieviel Arbeit das hier auch für das städtische Bauamt bedeutet hat.

Ganz neuer Stil

Für Crossover-Kochen (grob übersetzt für verschiedene Richtungen) steht dem Küchenmeister eine hochmoderne Küche zur Verfügung. Gekocht wird somit in einem ganz neuen Stil, den es so in Hallstadt nicht gibt. Wöchentlich wechselnd soll es fünf Gerichte geben, das Angebot sich an alle Alters- und Bevölkerungsgruppen richten.

Funktionierende Gastronomie

"'Hier kommen wir auf alle Fälle wieder her', soll es am Ende eines Besuches heißen", erklärt der Bürgermeister den entscheidenden Grundsatz. "Wir wollen hier eine funktionierende Gastronomie. " Die Pächter nicken bekräftigend.

Was Söder wichtig war, ist die Beauftragung vor allem regionaler Firmen bei dem Vorhaben. Was sich im Betrieb bei der Bier-Philosophie fortsetzt: Im "Freigeist im Schwanenbräu" wird nicht nur in der Stadt gebrautes Bier kredenzt, sondern auch ein weiteres aus der Region. Auch hier liegen Stadt und Pächter auf einer Linie. Für eine langfristige Kooperation steht der Zehn-Jahres-Pachtvertrag.

Und in der näheren Zukunft hat der Bürgermeister für die Stadtverwaltung jedenfalls schon reservieren lassen. Bei weitem nicht die einzige Buchung, wie dem neuen Auftragsbuch zu entnehmen ist.

Vieles wie Geschirr und Lebensmittel haben die Vollblutgastronomen schon eingeräumt. "Mit Ende dieser Woche wollen wir komplett eingerichtet sein", sagt Sandro Lambiase.

Eigentlich hätte es ein richtiges Stadtfest geben sollen, wenn der Schwanenbräu wieder den Betrieb aufnimmt. In Coronazeiten wird es nur eine "stille Eröffnung". Die Freude der am Projekt Beteiligten über das Gelingen kann es zum Glück nicht mindern. Man darf davon ausgehen, dass sie gemeinsam das Glas auf den Erfolg erheben. Und das wird wohl im Gewölbekeller der Fall sein.

DATEN:

Flächen Die überbaute Gesamtnutzfläche beläuft sich auf trägt knapp 1050 Quadratmeter, davon entfallen 336 auf das Kellergeschoss, 390 aufs Erdgeschoss und 272 auf das erste Obergeschoss mit den zwei Pächterwohnungen.

Plätze 85 im Restaurant, 45 im Gewölbekeller, 120 im Außenbereich

Parkplätze 16 direkt am Areal , 81 in der Market-Tiefgarage, 44 am Parkplatz in der Königshofstraße.

Öffnungszeiten Montags bis samstags von 17 bis 23 Uhr, wobei die Küche bis 21.30 Uhr besetzt ist, sonntags ist von 11 bis 14 Uhr geöffnet, dienstags Ruhetag.

KOMMENTAR:

Ein starker Partner

Passt das - eine Stadt als Gaststättenbesitzer, die noch dazu die Immobilie aufwändig saniert? Ja, lautet die Antwort und ganz besonders für Hallstadt. Seit Jahren gestaltet Hallstadt sein Zentrum um und wertet es auf. Soll ein Gastrobetrieb dazu passen und nachhaltig funktionieren, muss man zuvor investieren und bei den Pächtern sehr gut selektieren.Wie es scheint, ist das gelungen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich Hallstadt viel Mühe gegeben, die Lebensqualität zu verbessern. Eine Investition in die Zukunft, zumal niemand weiß, wie sich diese nach Corona entwickelt. Das Schwanenbräu-Gelände war lange tot und unansehnlich. Das sollte nun vorbei sein.

Mit einem finanzstarken Verpächter wie der Stadt Hallstadt im Rücken dürfen sich die Pächter hier wohl sicherer fühlen, als Kollegen mit anderen Konstellationen. Wenn das Konzept der Ergänzung (im Gastrobereich) konsequent umgesetzt wird, dürften weitere Rechnungen aufgehen und Potenziale ausgeschöpft werden. In dem Sinn: Viel Erfolg!