Sie hängen an der Kettenbrücke, am Zob, an Stromkästen in der Fußgängerzone - wegen der Ausgangsbeschränkung fallen sie aber vor allem in Sozialen Netzwerken auf: Gelbe Zettel, auf denen zu lesen ist, dass das Geschäft Mohren-Haus an der Oberen Brücke seinen Namen wegen der "kolonialrassistischen Prägung" nun in May-Ayim-Haus ändern wolle.

"May Ayim war eine Dichterin, Pädagogin und Vorkämpferin der Schwarzen Community in Deutschland", heißt es zur Erklärung.

Gruppe teilt den "Scherz"

Die Amnesty Hochschulgruppe Bamberg stellte ein Foto des Zettels auf seine Facebook-Seite - und die Botschaft wurde geteilt. Nicht wenige glaubten daran. Einzelne waren von Anfang an skeptisch: "Bitte bitte kein Aprilscherz", kommentierte etwa Judith R. Doch ihre Befürchtung erwies sich als wahr. Eine Anfrage beim Mohren-Haus stellt eindeutig klar: Es handelt sich um Fake-News. "Wir haben diese Nachricht bei Facebook als Fehlinformation gemeldet", schreibt eine Mitarbeiterin. Mohren-Haus-Inhaber Ludwig Papritz gab auf Anfrage ein klares, kurzes Statement ab: "Wir setzen uns nicht mit kleinen, feigen Typen auseinander, die sich in wahnhaftem Eifer als ,große Kämpfer gegen den Rassismus' fühlen, indem sie anonym Zettel aufhängen."

Debatte ist nicht neu

Papritz hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach zum Geschäftsnamen äußern müssen. Denn die Debatte um den Namen und die Figur im Logo ist nicht neu: Der FT berichtete immer wieder über ähnliche Aktionen: Einmal wurde der Laden mit einem rot-weißen Flatterband "abgesperrt", ein anderes Mal wurden Aufkleber mit dem Rassismus-Vorwurf angeklebt. Im Jahr 2014 forderte die "Postkoloniale Aktionsgruppe Bamberg" die "Auseinandersetzung mit der Bezeichnung und Darstellung dunkelhäutiger Menschen" und die Umbenennung in "Möhren-Haus". Die Artikel zogen Dutzende Leserbriefe nach sich. In einem FT-Artikel aus dem Jahr 2016 zum Thema erklärte Papritz: "Unser Mohr an der Fassade ist kein Sklave, sondern ein König. Er trägt eine Krone und schaut erhaben auf die Leute unter ihm herab. In seinem Gefäß hat er Medizin und er trägt um den Arm die Äskulap-Schlange. Der Mohr ist ein Symbol für heilbringende Kräuter aus fernen Ländern." Das Logo sei ein "sympathisches Gesicht", das nichts Diskriminierendes habe.

Das sieht Mirjam Schneider anders. "Die Figur des Jungen mit den dicken Lippen ist rassistisch, das geht gar nicht!" Das 26 Jahre alte Mitglied der Bamberger Amnesty Hochschulgruppe hat einen der Zettel fotografiert und auf die Facebook-Seite der Gruppe gestellt. Auch sie habe zuerst geglaubt, dass die Botschaft der Wahrheit entspricht.

Aber auch nachdem sie erfahren hat, dass dem nicht so ist, hält sie es für eine gute Idee: "Es ist positiv und beinhaltet einen konkreten Vorschlag. Es geht nicht darum, das Mohren-Haus zu kritisieren", sagt sie. "Das ist auch ein cooles Geschäft, ich gehe dort gerne hin." Sie hoffe, dass die Aktion den Inhaber ansporne, über eine Namensänderung nachzudenken.

Vielen hat der geteilte Beitrag gefallen, einige sehen die Sache ähnlich wie Schneider und hoffen auf ein neues Bewusstsein. Andere halten die Aktion für unsinnig und geschäftsschädigend: "Es ist unglaublich, wie ihr diese Falschmeldung pusht, um den Betreiber unter Druck zu setzen. Ihr setzt ein Unternehmen in einer ohnehin wirtschaftlich schweren Lage damit zusätzlich unter Druck", schreibt etwa Andreas W.

Kommentar: Wer führt die Debatte?

Die Debatte, ob der Begriff "Mohr" rassistisch ist, findet in den meisten Städten statt - mindestens in allen mit einer "Mohren-Apotheke". Deshalb will ich das hier nur verkürzt darstellen: Es gibt die Gruppe der echten und der Hobby-Historiker, die vom Ursprung des Mauren-Begriffs erzählt, der nicht rassistisch sei (wobei Ursprung und spätere Verwendung unterschiedliche Dinge sind). Eine andere Gruppe "argumentiert": "Das haben wir schon immer so gesagt und ich esse weiter mein Zigeunerschnitzel." Und es gibt eine Gruppe, die den Begriff mit Rassismus verbindet und dafür kämpft, ihn nicht mehr zu benutzen. Was alle Gruppen eint: Sie bestehen zum größten Teil aus Hellhäutigen. Und deshalb kann ich mich nicht auf eine Seite schlagen. Denn ich muss zugeben: Ich habe keine Ahnung, wie es sich anfühlt, mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert zu sein. Ich habe keine Ahnung, was diese Gefühle auslöst und was nicht. Und deshalb sollte ich meine Klappe halten. Wie wäre es damit, die Betroffenen zu Wort kommen zu lassen, ohne gleich dagegen zu argumentieren oder sich als ihr Retter zu inszenieren? Einfach zuzuhören? Und dann daraus eine Entscheidung über die Nutzung von Wörtern zu treffen.